Mathilde Lehmann | Drucken | Kommentar (1)06.03.2014 

Käsekugeln und Butterkegel

Die Uraufführung von Ferdinand Schmalz’ „Am Beispiel der Butter“ kommt einfach, praktisch, leicht bekömmlich daher

Fotos: Rolf Arnold

Auf der Bühne ist eine kleine schrummelig-schäbige Bar angedeutet, auf der Tafel sind Tagesangebote durchgestrichen, statt Essen gibt es heute Klaren. „Da spielten sie mit Käsekugeln und Butterkegeln“ und alles, das ganze Eldorado-Butterland, versinkt im Erdboden. Adi steht fiebriges Glitzern in den Augen, auf der Kneipe steht geschrieben „DEINE HEIMAT“, das Rollo wird heruntergelassen und macht aus der Kneipe die Front der Molkerei, darauf steht „...DEINE MILCH!“ und das macht auch Sinn.

Am Beispiel der Butter wird an diesem Abend uraufgeführt, auf der kleinen Bühne des Schauspiels Leipzig, der Diskothek. Autor ist Ferdinand Schmalz, das passt wie der Nagel in die Wand. Ebenjener ist Preisträger des Retzhofer Dramapreises 2013. Inszeniert hat den Abend Cilli Drexel, ob die was gewonnen hat, gibt das Programmheft nicht her, beherrscht ihr Fach aber allemal.

Adi (Urich Brandhoff) isst Joghurt, seine Passion sind Molkereiprodukte oder vielmehr, wofür sie stehen. Für soziale Ungerechtigkeit. Butter für alle: Er stiehlt Butter aus der Fabrik und will eine menschengroße Butterfaust bauen. Die Molkereiindustrie als Parabel für soziale Ungerechtigkeit. Am Beispiel der Butter stellt man fest, dass niemand gleich ist, nur Klaren trinken, das kann jeder.

Ein buttrig, fettiger Film liegt auf den Gesichtern der Figuren, mit buttriger Trägheit sind sie konstant beweglich, oft ganz klein, mal größer, aber in träger Bewegung. Einzig abrupt erfolgen die Szenen- und damit Stimmungswechsel, und das sehr gefühlvoll mit Takt und auf den Schlag eines unhörbaren Metronoms.

Gefühlvoll sind auch die Figuren inszeniert und angeordnet, detailverliebt ohne unnötigen Kitsch, einfach und gut, wie Milch, lecker. Das Publikum wird unterhalten und zum Kichern gebracht. Das Denken wird dem Zuschauer abgenommen, das ist sehr nett. Denken strengt an. Denken ist nicht Adis Stärke, aber dafür hat er einen Milchproduktefetisch. Denken kann die Stielaugen-Jenny (Henriette Cejpek), die Betreiberin der Bahnhofskneipe, in der Hans (André Willmund) und Huber regelmäßig in Klarem und einem Glas Milch ersaufen. Jenny giert nach Klatsch, nach Drama wie ein Buttersäuretod.

Fünf ausreichend kontrastierende Charaktere, dass Spannung entsteht, die ausreichend harmonieren, damit das Konstrukt natürlich kommt, „authentisch“, wie Huber (Wenzel Banneyer) aus dem Molkerei-Management sagt, „mit guter definischn“. Der Text, der das ausreichende Potential hat, wird leicht und flockig gespielt. Alles ist ausreichend. Am Beispiel der Butter gesprochen, es ist nicht so, dass die Butter ausflockt, die Inszenierung wurde am gerade richtigen Punkt vom Probenherd genommen. Da kommt der ganze Abend leicht und cremig daher.

Am Beispiel der Butter

Ferdinand Schmalz

Regie: Cilli Drexel

Bühne: Timo von Kriegstein

Kostüme: Nicole Zielke

Licht: Veit-Rüdiger Griess

Dramaturgie: Julia Figdor

Mit: Wenzel Banneyer, Ulrich Brandhoff, Henriette Cejpek, Runa Pernoda Schaefer, André Willmund

Schauspiel Leipzig, Premiere 2. März 2014


Kommentare lesen und hinzufügen (1)

Recai Hallac schrieb am 07.06.2014 um 02:14 Uhr:

Der Text mag gut sein, schauspielerisch ist das Ganze eine Katastrophe. Die Inszenierung könnte man an Schauspielschulen zeigen, um zu demonstrieren, wie man Theater nicht spielen soll. Schade!

 
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