Christin Pomplitz | Drucken23.06.2014 

Ein Spieleabend unter Fremden

Die Halle 14 lud zum "Battle of HAHA - die schrägste Ausstellung der Stadt"

Spieleabend in der Halle 14 (Fotos: Christin Pomplitz)

Im Vorfeld des Spieleabends der Hello Studios und in Zusammenhang mit der Ausstellung „Does Humor belong in Art?“ der Halle 14, konnten die Besucher des Battle of HAHA am Abend des 11. Juni 2014 den stimmvollen Worten Thomas Kapielskis sowie dessen Diashow folgen. Wer sich bis 20.30 Uhr mit einem Spielername angemeldet hatte, konnte nach dem Vortrag direkt ins Spielen übergehen.

Thomas Kapielski, Autor, bildender Künstler und Musiker aus Berlin, startete mit seiner Lesung und Diashow den Versuch, den auch die ausstellenden Künstler zur Zeit in der Halle 14 machen, nämlich Kunst mit Humor zu verbinden. Mit „Kunst ist schlimmer als Heimweh“ zeigte Kapielski eine Auswahl seiner Kunstwerke vom Tarnkappenhocker, dem Portrait der Mutter und der Wandsave-Abdeckung bis hin zum Gesamtluftwerk, wobei es sich um eine aufblasbare Reihe seiner erschienen Bücher handelt.

Zwar stellt sich die Frage, wie ernsthaft der Witz mit der eigenen Kunst ist, aber amüsant waren die Vorstellung und der Einblick durchaus. Die Frage der gesamten Ausstellung lautet schließlich „Does Humor belong in Art?“. Die Antwort des Abends dürfte nun „Ja“ lauten. Wie die Einbindung von Humor und Witz in seine Kunst und die Selbstironisierung Kapielskis zeigt, können Kunst und Humor sehr wohl Hand in Hand gehen. Von der Grundsatzfrage abgesehen wirkt es äußerst sympathisch, einen Künstler zu erleben, der sich selbst nicht angestrengt ernst nimmt und sein künstlerisches Schaffen auf dem Boden der Realität hält. Unbeantwortet blieb aber die bekannte Frage nach dem Huhn oder dem Ei. Was war zuerst da? Der Witz am Werk oder das Werk?

Mit dieser offenen Frage gingen die Teilnehmer in den zweiten Teil des Abends. Ausgerüstet mit Spielernamen startet das Spieleturnier im Empfangs- und Bibliotheksraum der Halle 14 auf dem Gelände der alten Baumwollspinnerei in Leipzig Plagwitz. Der große Vorraum glich einem liebevoll gestalteten Kindergeburtstag. Mit bunten Fähnchen, Girlanden und Musik, trat jeder Besucher unverzüglich aus dem grauen Alltag in eine bunte Welt.

Direkt im Anschluss an die Lesung und ganz im Sinne des Humors fand eben dieses Battle of HAHA statt. Vier Spieltische, rund zwanzig Teilnehmer und jede Menge Lust am Spielen waren der Grundstoff des Spieleturniers, veranstaltet von den Hello Studios. Neben dem Turnier zum Spiel Imaginarium, bei dem Ideenreichtum und Witz gefragt sind, konnten die Besucher sich ihr eigenes Mutter-Set „5er für deine Mutter“ zusammenstellen und gegen eine kleine Spende mitnehmen. Den Empfang übernahm eine interaktive Installation aus Bildschirm und Mikrofon. Ein lachender Bildschirm der auf das Lachen der Besucher reagiert und diese so einstimmen und zum Lachen bringen sollte.
Nebenbei wurde Germanys Next Top-Mutter gewählt. Die zur Wahl stehenden Mütter hingen in edlen goldenen Bilderrahmen an einer der hohen Wände der Halle, davor eine Wahlurne und Stimmzettel. Bei dem Spiel Super-Rip Off ist kaufmännisches Denken gefragt, gewonnen hat, wer in der Lage ist die unsinnigsten Produkte zu verkaufen. Der Haupt-Act war aber das Spiel Imaginarium. Bei diesem Spiel mussten die Spieler mittels Spielkarten die lustigsten, skurrilsten Geschichten zusammenstellen. Der Trick dabei: In regelmäßigen Abständen erklingt ein Signal und der Tisch muss gewechselt werden. Alle Spieler wandern einen Tisch weiter und haben plötzlich neue Karten und neue, unbekannte Geschichten vor sich. Frei nach dem Motto „Der Letzte wird der Erste sein“ liegen die Karten für jeden Spieler plötzlich anders und er muss das Beste daraus machen. Gewonnen hat, wer als erster seine Karten aufgebraucht und die lustigste Geschichte zusammengestellt hat.

Zu gewinnen gab es, neben weiteren ausgewählten Sachgegenständen, als Hauptpreis einen Ölradiator.

Organisatorisch verlief das Turnier punktgenau und dennoch entspannt, was wohl auch der angenehmen Menge von Menschen zu verdanken ist. Nicht viel mehr als 20 Spieler und Besucher füllten den Raum, genug um alle Spieltische zu besetzen und angenehm wenig um sich nicht auf die Füße zu treten. Die Spiele-Entwickler ließen kein Chaos entstehen, leiteten die Spieler fachmännisch und doch mit ausreichend Humor an. Das selbstverständliche Miteinander ohne falsche Scham machte die Atmosphäre entspannt und ideal für angeregtes spielen. Ein perfekter Spieleabend mit Fremden, die an einem Abend vielleicht zu Freunden wurden.

Battle of HAHA - die schrägste Ausstellung der Stadt

“Does Humor Belong in Art?”

Halle 14; Premiere: 11. Juni 2014


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