Doreen Kunze | Drucken04.09.2011 

Be obscene

Das Theaterduo florschütz& döhnert zeigen mit „BAUBO – Mythos. Revue“ wie man mit Lust die Trauer bekämpft

Fotos: Thomas Ernst

Mit dem Motto Vom Dasein und Fortgehen. Figurentheater zwischen Leben und Tod zeigt das der Lindenfels Westflügel in diesem Herbst und Winter Stücke, die vom Leben und Sterben handeln. Vom Beginnen und Enden. Und von einem Dazwischen. Das dies nicht einhergehen muss mit Schwermut und Trübsal, zeigt die zweite Inszenierung der Spielzeit: BAUBO – Mythos. Revue, ein Stück des Theaterduos florschütz & döhnert. Melanie Florschütz und Michael Döhnert die sich eigentlich dem Kinder-Figurentheater verschrieben haben, liefern mit BAUBO ihr erstes Erwachsenenstück ab, und dieses ist so gar nicht kindergerecht. Mit ihrer Hommage an die Lust und die Körperlichkeit bringen die beiden so manchen Zuschauer zum schmunzeln und hin und wieder auch zum erröten.

Bereits das im Namen enthaltene ‚Revue‘ lässt vermuten, dass BAUBO kein Stück mit linearer, in sich geschlossener Handlung ist. Vielmehr ist es ein Tableau verschiedener Gesten, unterlegt mit Musik und Gesang. Als Grundriss und Rahmen dienen dabei Sagen aus der griechischen Mythologie. So wird zu Beginn der Raub der Fruchtbarkeitsgöttin Persephone besungen, und die Suche ihrer Mutter Dementer nach dem Mädchen. Baubo, ein altes Weibsbild nimmt Dementer bei sich auf und will sie bewirtschaften. Um die von Sorge und Trauer geplagte Demeter abzulenken, muntert Baubo sie mit obszönen Gesten auf, wie z.B. das Entblößen ihrer Vulva. Dies alles wird neben dem Gesang durch Pappfiguren mit beweglichen Gliedmaßen dargestellt. Baubo beispielsweise kann ihre Beine spreizen, und so ihr grotesk überzeichnetes Geschlecht zeigen.

Während des ganzen Spiels ist die Bühne klar abgegrenzt. Es stehen nur wenige Quadratmeter zur Verfügung und doch kommen immer neue Requisiten zum Vorschein. Sei es eine kleine Kasperletheater-Bühne, durch die sich Melanie Florschütz elegant hindurch winden will (jedoch darin stecken bleibt), oder eine riesige Stoff-Vulva, mit welcher sie übertrieben keck, und damit fast schon wieder lächerlich überbetont posiert und tanzt. Das zeitweise erotisch-freche Spiel wird immer wieder unterbrochen von einer fast kindischen Darstellung. Florschütz wechselt von einem vollen, weiblichen Gesang zu einer mädchenhaften, schüchternen Stimme, die immer wieder an Kindertheater erinnert. Verlegen zieht sie an ihren (sehr durchsichtigen) Sachen herum und lächelt zaghaft ins Publikum.

Untermalt wird das ganze musikalisch von Michael Döhnert, angepriesen als Ein-Mann-Show Orchester, der die schönsten Melodien aus 50 Jahren Rock präsentieren soll. So spielt er mit seiner Fender-Gitarre Lieder wie „It´s a mans world“ oder „No woman no cry“, und begleitet den typisch fetten Sound der Fender – Effektgeräte machen´s möglich – mit einer Reihe anderer Instrumente sowie Gesang.

Ein immer wiederkehrendes Motiv in der ganzen lose angelegten Szenerie sind Befruchtung und Geburt. Ständig tauchen Symbole auf, einige sehr deutlich – wie das Hindurchkriechen durch die Stoff-Vulva –, andere eher versteckt. Die Lust zu leben soll gepriesen werden, das bunte Durcheinander von Handlungen scheint aber eher zu verwirren, weil sich Aussagen oft nicht deutlich genug abzeichnen. Aber das war wohl auch nicht das Ziel des Theaterduos, immerhin wird das Stück als eines präsentiert, welches das Rätselhafte und unbeirrbar Sinnlose fokussiert.

BAUBO – Mythos. Revue

R: Werner Hennrich, Hendrik Mannes

Mit: Melanie Florschütz, Michael Döhnert

Premiere: 25. August 2011, Westflügel

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