Steffen Kühn | Drucken15.02.2012 

Kinder erreichen ohne kindlich zu sein

Wie „Die Regentrude“ auch Erwachsene unterhält

„Ja, klar gibt es die Regentrude“ rufen die 40 bis 50 Kinder im Publikum auf die verzweifelte Frage der drei Darstellerinnen. Nach vierzig Minuten hochemotionalen Spieles ist die Rettung immer noch nicht in Sicht. Kein Wasser mehr in den Flüssen, die Brunnen sind trocken –verzweifelt sucht man einen Ausweg. Man erinnert sich an die Regentrude, doch wo ist sie zu finden und wenn sie, wie gemutmaßt wird einfach eingeschlafen ist? Wie kann man sie wecken? Eine Sechsjährige kennt die Geschichte und damit die Lösung, stolz sagt sie den Zauberspruch auf, doch soweit ist die Dramaturgie noch nicht, die Kleine muss warten. Warten können Kinder aus Prinzip schon nicht und andere Kinder halten es nicht mehr aus: „Die da drüben die weiß wie es geht“, ruft einer ganz laut. Behutsam gehen Katja Rogner, Anna Städler und Elena Janis auf die Wortmeldungen der Kinder ein, sie fühlen sich schnell beteiligt, ernst genommen auch wenn ihre Sichtweise nicht immer direkten Einfluss auf das Geschehen haben. Einige Kinder werden spontan ins Spiel mit einbezogen, als verdurstende Schafe werden sie über die Bühne getragen und abgelegt, ihren Abtritt meistern sie wie einstudiert, unaufgefordert und völlig synchron.

Die Bühne braucht nur wenige Utensilien: ein paar Haufen Kieselsteine, ein Holzfass und allerlei vertrocknete Äste. Katja Rogner, Anna Städler und Elena Jannis sind im Tanz, Pantomime und Gesang gleichermaßen zu Hause. Arrangiert ist der Gesang mit einigen Percussionsinstrumenten, nicht zu viele, und das spontane und improvisatorische Element ist immer präsent. Das gefällt den Kindern, weil es die Offenheit schafft, sich am Spiel zu beteiligen. Die Geschichte hat alles was ein richtiges Märchen braucht. Drei gute Mädchen, einen bösen Bauern, der seine Tochter Maren unterdrückt und das von allen so dringend benötigte Wasser hortet. Dann natürlich die Regentrude, ein Feuermännchen. Marens Liebe zu einem einfachen Schäfer bringt auch noch Spannung in den Plot.

Die einfachen Mittel werden subtil eingesetzt, fließend die Rollen gewechselt. Die hohe schauspielerische Qualität wird durch die tänzerischen Aktionen kongenial ergänzt. Die kindliche Phantasie und Unbedingtheit kann sich voll entfalten. Die Regentrude ist ein tolles Beispiel wie man ohne kindlich sein zu müssen Kinder ansprechen kann und als positiven Nebeneffekt auch noch den begleitenden Eltern einen hohen Unterhaltungswert liefert, vielen der Eltern hat es wohl mindestens genauso gut gefallen wie ihren Kindern!

ciacconna clox: Die Regentrude

Mit: Katja Rogner, Anna Städler, Elena Janis

Regie / Choreographie: Ulrike Schauer

Dramaturgie: Stefan Ebeling

Bühne & Kostüme: Angela Zimmermann

Musik: Elena Janis / Ensemble

5. Februar 2012, Werk 2


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