Janna Kagerer | Drucken26.07.2011 

Magie und Ironie

„Das Dorf auf dem Hügel“ sorgte im Rahmen des Westflügel-Festivals MBOTE! Für Begeisterungsstürme

Immer wieder laden die Betreiber des Lindenfels Westflügel sich internationale Figurenspiel-Produktionen ins Haus. Oft konzentriert zu einem Themen-Festival, so wie die zweite Julihälfte 2011 sich den Kulturen Afrikas verschrieben hat. Das unter dem Titel MBOTE! – Heimat Afrika!? laufende Theaterfest bot unter anderem die Produktion Das Dorf auf dem Hügel, bei der Danaye Kalanfei (Togo) und Alberto Garcia Sanchez (Spanien) Regie führten.

Die Geschichte verknüpft Märchen, Magie und folkloristisches Brauchtum des so genannten schwarzen Kontinents mit dessen (post-)kolonialen Einbrüchen. Ausstatterin und Figurenspielerin Stefanie Oberhoff (Stuttgart) und der kongolesische Puppenspieler, Erzähler und Schauspieler Lambert Mousseka (Kinshasa) verzichten aber auf den larmoyant anklagenden Ton, der manchmal in der kolonialismuskritischen Kunst angeschlagen wird. Stattdessen erzählen sie mit viel feinsinniger Ironie und hintersinnigem Humor die aus vielen Mosaiksteinchen zusammengesetzte Geschichte.

Da ist ein König, der sein physisches Leiden pflegt, während sein Sohn ihm unermüdlich die Füße küsst. Da ist ein Ethnologe, der fremde Länder entdecken will, der in die „Ethnologen-Falle“ eines Magiers fällt und dem König schließlich zu einem Fernsehauftritt verhilft. Da ist der Mann mit dem ulkigen Namen Vegetable Soup, der Arbeit sucht und welche als Teppich des Königs findet. Da ist dessen Frau, die nicht glauben will, dass sie im achten Monat schwanger ist und dem Königssohn einen Zauberspruch entlockt, indem sie behauptet, er sei der Vater des Kindes. Und da ist ein Hügel hinter einem Dorf, in dem alle Dinge, die einmal in die Luft fliegen, nie mehr wieder herunterkommen.

Um die Gestalten ranken sich viele kleine Nebengeschichten, komische Nummern und auch tiefe poetische Momente. Die Miniaturgliederpuppen werden in einer erstaunlichen Präzision geführt und brechen auch mal aus ihrer Rolle aus: „Können wir die Puppenspieler tauschen?“ Diese ironischen Brechungen finden sich auch im Spiel mit der Sprache. Deutsch und Französisch wechseln, übersetzen sich gegenseitig wie beiläufig und sorgen dafür, dass das Publikum alles versteht. Geschickt werden aber auch ganze Clownsnummern aus der Sprachverwirrung gezimmert. Wenn übrigens Lambert Mousseka mit seiner angenehm weichen Stimme französisch spricht oder gar singt, ist das ein Höhepunkt für sich und zeigt, wie musikalisch schön dieses Idiom klingen kann.

Am Ende feierte ein begeistertes Publikum zwei großartige Künstler, eine wundervolle Produktion und ein Theaterfest, von denen es nicht genug geben kann.

Das Dorf auf dem Hügel

Gastpiel vom FITZ Zentrum für Figurentheater, Stuttgart

R.: Danaye Kalanfei , Alberto Garcia Sanchez
Mit: Stefanie Oberhoff, Lambert Mousseka

23. Juli 2011, Lindenfels Westflügel


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