Benjamin Brückner | Drucken16.05.2013 

Der Streit um den Forst

„Das Geheimnis des alten Waldes“ gibt sich im Theater der Jungen Welt als Läuterung in Sagenform

Foto: Tom Schulze

Benvenuto hat eine besondere Gabe – er kann die geheimen Stimmen des Waldes hören. Sowohl die Wach-Elster, als auch die scheuen Baumgeister dringen zu ihm durch. Denn Benvenuto ist ein Kind mit offenem Herzen. Sein Ziehonkel Oberst Proccolo vertritt allerdings ganz andere Werte. Für ihn ist der Wald nichts weiter als eine Goldgrube. Dumm nur, dass nicht er, sondern Benvenuto rechtmäßiger Erbe des Waldes ist. Also befreit Proccolo den Wind Matteo aus seinem Verlies – mit morbiden Hintergedanken.
Anne Klinge ist es mit ihrem Stück Das Geheimnis des alten Waldes im TdjW gelungen, die fantasievolle Romanvorlage von Dino Buzzati für das Publikum vielschichtig und unterhaltsam umzusetzen. Dabei verlässt sich die Regisseurin zum einen auf die hervorragende Leistung des Schauspielensembles. Besonders hervorzuheben sind die mit Breakdance-Elementen gespickten Choreographien von Jonathan Dietze, Maxim Iwanow und Lisa Koelsch. Und auch Benvenuto-Darsteller Matthias Walter spielt den kindlich-naiven Charakter sehr überzeugend. Verfügt er doch über reichlich Erfahrung, wie er in Human Being Parzival als unbeholfener Ritteranwärter unter Beweis stellte.
Zum anderen wird die Form des Stückes auf technischer Linie und mit schillernden Kostümen unterstützt. So schleudert Matteo die langen Schlappen seines grauen Gewandes wie Windböen über die Bühne, während Benvenuto sich vor dessen Stürmen in einer Papphütte versteckt. Geschickt platzierte Scheinwerfer lassen den Schatten des Obersts auf Grund seiner bösen Taten einfach verschwinden. Von der Decke hängt ein breiter Streifen herab, auf dem Fußabdrücke wie von Zauberhand entlang tapsen, während aus den Boxen zeitgleich knirschende Schritte zu hören sind.
Das Geheimnis des alten Waldes nimmt die Bezeichnung „Theater der jungen Welt“ wörtlich. Das Publikum bestand mindestens zur Hälfte aus neugierigen und aufgeweckten Kindern, die dem Spiel 90 Minuten lang gebannt bei der Läuterung des Obersts vom Saulus zum Paulus zuschauen. Das Stück ist für Kinder ab acht Jahren gedacht und kann von diesen auch leicht verstanden werden. Damit fügt sich die Aufführung gleichzeitig in das Theatercredo „alles wächst!?“ der gegenwärtigen Spielzeit ein.

Das Geheimnis des alten Waldes

Von Peter H. Gogolin nach Dino Buzzati

Regie: Anne Klinge

Ausstattung: Erwin Bode

Choreografie: Evelyn Iwanow

Puppenbau: Werner Müller

Musikalische Arrangements: Verena Guido

Mit: Gösta Bornschein, Jonathan Dietze / Maxim Iwanow, Katja Göhler, Ron Holzschuh, Lisa Koelsch, Sven Reese, Reinhart Reimann, Matthias Walter

Premiere 4. Mai 2013, TdJW


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