| Drucken09.05.2008 

„Das Paradies der Katzen” im Kellertheater (Steffen Kühn)

Das Paradies der Katzen (Le paradis de chats)
Vladimir Kojoukharov
Oper für Kinder Deutsche Übersetzung Tobias Rohe
Kellertheater der Oper Leipzig
Musikalische Leitung: Sophie Bauer
Kinderchor der Oper Leipzig
Orchester der Musikalischen Komödie
Inszenierung: Helene Krumbügel
Premiere: 1. Mai 2008

Katzen im Kellertheater

Das Waisenkind Youkiko arbeitet für eine hochmütige Frau, die das Mädchen egoistisch ausnutzt und lieblos behandelt. Nur einer einzigen Freundin, der schwarzen Katze, kann sich Youkiko anvertrauen. Als diese plötzlich verschwindet, macht sich Youkiko unerschrocken auf die Reise in die Inaba Berge. Dort auf der Insel Kiuschu - im Paradies der Katzen - kann sie ihre Freundin wieder finden, verheißt ihr ein Prophet. Youkiko wird von den Katzen im Paradies liebvoll behandelt und findet ihre Freundin. Die schwarze Katze möchte das Paradies aber nicht wieder verlassen. Mit Gold beschenkt, und damit von aller Pein befreit, kehrt Youkiko nach Hause zurück. Ihre Herrin hört den Bericht Youkikos und lässt sich von dem schillernden Gold in das Paradies locken, wird aber gemäß ihrer bösen Gesinnung von den Katzen überwältigt.

Der Komponist Vladimir Kojoukharov arbeitet seit über zwanzig Jahren an musikalischen Projekten, in denen Kinder und Jugendliche als Darsteller mitwirken. Die fernöstliche Geschichte um Youkiko fiel ihm in den 80ern in die Hände. Nach der Uraufführung in französischer Sprache hatte 2005 die englische Version in New Orleans Premiere. Tobias Rohe hat für die Oper Leipzig die deutsche Fassung eingerichtet. Die Mischung aus fernöstlicher Exotik mit universalen Märchenthemen wie die böse Herrin, ein unterdrücktes Kind, der verlorene Freund, eine gefährliche Reise in ein besseres Land, Gold, Reichtum und am Ende den Sieg über die böse Herrin hat das Paradies der Katzen zu einer gern benutzten Vorlage werden lassen. Eine Vorlage für Musiktheaterprojekte mit und für Kinder, große Spannung also heute im Kellertheater der Oper bei der Premiere, eigentlich der deutschen Erstaufführung.

Aber fangen wir doch mal von hinten an: Die vom Kinderchor und von den Eltern organisierte Premierenfeier im Foyer des Kellertheaters bei Fanta-Cola-Sprite vermittelt einen Eindruck davon, was Musik(-theater) mit Kindern anstellen kann. Fröhliche, ausgelassene und vor allem bei den kleinen Hauptdarstellern stolze Gesichter, spontan werden Lieder angestimmt, es wird gelacht und getollt. Das Resümee über die Inszenierung ist schwierig, sehr ambivalent und vielfältig sind die Eindrücke. Helene Krumbügel hat sich auf den musikalischen Plot des Stückes konzentriert. Aus den rhythmischen Strukturen ist ein Feuerwerk von Figuren, meist in größeren Gruppen entstanden. Einfache Kombinationen wechseln sich mit aufwendigen Choreografien ab, gesteppte Rhythmen oder die Benutzung von Klanghölzern verstärken den sehr rhythmischen Ansatz der Partitur, welche vom Charakter zurückhaltend ist. Das Orffsche Instrumentarium illustriert das Geschehen, trägt es aber nicht. Den Kindern ist die Anspannung angesichts des anspruchsvollen Ansatzes der Inszenierung anzusehen. Niemand möchte durch einen falschen Schritt auffallen, freier sind da die Tanzkatzen, welche sich in der einzigen wirklich dichten musikalischen Szene, als Youkiko mit den Katzen spricht, in bezaubernd geschmeidige Geschöpfe verwandeln. Von den Musikern der Musikalischen Komödie erwartet man mehr Esprit, gerade gegen Ende hat Vladimir Kojoukharov interessante perkussive Flächen erfunden, welche man sich funkelnder und vor allem präziser vorstellen kann. Der Chor ist bestens präpariert und wird von Sophie Bauer immer richtig austariert und geführt. Von den kleinen Solisten gefällt besonders Maren Busch als Youkiko. Eindringlich füllt sie die Rolle, man möchte sie vor ihrer bösen Herrin beschützen.

Man wünscht sich am Ende der Inszenierung mehr Oper von Kindern als Oper für Kinder. Die Ansätze der Regie sind nachvollziehbar und logisch im Sinne des erwachsenen Inszenierungsteams, man vermisst aber mit und durch die Kinder entwickelte Ideen. Die Kostüme sind zum Teil überambitioniert wie die goldenen Roben der Gruppe Weizenfeld oder auch missverständlich wie die des fernöstlich stilisierten Erzählers, welchen ein Fünfjähriger permanent mit einem Clown verwechselt. Das sind deutliche Worte, zu verstehen als Appell, mehr Zeit und Aufmerksamkeit in die Ideen und die Kreativität der Kinder und Jugendlichen zu investieren. Profitieren würden alle davon, auch die Erwachsenen!

(Steffen Kühn)

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