Doreen Kunze | Drucken | Kommentar (1)22.10.2013 

Von Mut und Selbstvertrauen

Stefan Ebeling inszeniert „Daumesdick“ im Werk II mit fantasievollen Mitteln und viel Leidenschaft

Klaus Wilmanns und Silvia Pahl (Fotos: Armin Zarbock)

Freudiges Getuschel strömt durch den Raum, ungeduldig warten die Kinder auf den Beginn der Vorstellung. Mit rhythmischem Spiel auf dem Kontrabass verkürzt Schauspieler Klaus Wilmanns die Wartezeit, unterdessen schleicht Silvia Pahl über die Bühne, sieht sich um.

Dann beginnt Daumesdick, ein Stück nach dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm. Zu sehen ist es in der Halls D im Werk II, Kissen auf Podesten und dem Boden laden dazu ein, es sich gemütlich zu machen. Für Regisseur Stefan Ebeling ist es nicht die erste Märcheninszenierung, 2009 beispielsweise brachte er Hans Christian Andersens Die wilden Schwäne auf die Bühne. Märchen seien wie gemacht fürs Theater, so Ebeling: „Hinter jedem Satz steckt so viel, und im Theater hat man die Möglichkeit, das zu reflektieren.“

Von Beginn an scheint es den Schauspielern ein Anliegen zu sein, die Kleinen Zuschauer (5+) mit in das Geschehen einzubeziehen. Ob sie denn nun anfangen wollen fragt Pahl, und erntet muntere Zustimmung. In einem fröhlichen und einfallsreichen Spiel fliegen Pahl und Wilmanns nur so durch den Stoff, erzählen die Geschichte des daumengroßen Kindes mit viel Freude und Leidenschaft und mischen ihr Spiel durch den gekonnten Einsatz von Kontrabass, Xylofon und improvisierten Instrumenten zusätzlich mit Musik. Auch das Licht wird direkt auf der Bühne gefahren und ins Spiel eingebunden.

Mit wenigen Mitteln schafft es die Inszenierung, die Fantasie der Zuschauer anzuregen. Ein Hut, ein Schnurrbart, eine Sonnenbrille, und schon wird aus Daumesdicks Vater ein Geschäftsmann, ein Dieb, ein Wolf. Die zwei Schauspieler schaffen es so, insgesamt elf Rollen auf die Bühne zu bringen, ohne Verwirrungen bei den Kindern zu erzeugen. Besonders gelungen ist dabei die Rolle Daumesdicks. Mit dem Einsatz einer kleinen Kamera und eines Projektors wird die Welt aus Sicht des Kleinwüchsigen erkundet. Egal, ob in seiner Schublade, in welcher er wohnt, oder im Magen einer Kuh, die ihn versehentlich verschluckt hat. Dem kleinen Hauptdarsteller, der eigentlich gar nicht da ist und doch so präsent auf der Bühne erscheint, sind damit viele Lacher garantiert. Am Ende der Inszenierung beschließt Daumesdick, eines der Kinder in den Kindergarten zu begleiten. So setzt Pahl die imaginäre Figur vorsichtig auf die Hand eines Kindes, dieses versichert aufgeregt, dass es gut auf den Kleinen aufpassen wird. Mit zur schützenden Schale geformter Hand macht sich das Kind schließlich auf den Weg. Es braucht eben nur die richtigen Worte, und schon wird aus dem Nichts etwas Großes.

Daumesdick ist eine Geschichte über Mut und Selbstvertrauen. Sie zeigt nicht nur den kleinen Zuschauern, dass man nie den Mut an sich selbst verlieren darf, sondern hält auch eine Nachricht für die Eltern bereit: Vor Sorge und Angst hält man manchmal vielleicht zu sehr fest. Doch gerade Loslassen ist oft das Entscheidende. Denn nur wer seinen eigenen Weg erkundet, kann dabei wachsen. Und sei er noch so klein.

Daumesdick

Regie: Stefan Ebeling

Mit: Silvia Pahl, Klaus Wilmanns (theater 3 hasen oben)

Premiere: 5. Oktober 2013, Werk II/ Halle D


Kommentare lesen und hinzufügen (1)

Kritze schrieb am 02.12.2013 um 11:19 Uhr:

Daumesdick.Ohne N. Wie das Märchen

Redaktion antwortete am 02.12.2013 um 19:07 Uhr:
Danke für den Hinweis! Haben wir korrigiert.

 
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