Doreen Kunze | Drucken08.12.2012 

Ich sag Mieze, ihr sagt Katze

„Der gestiefelte Kater“im Centraltheater: Eitner-Acheampong besticht durch viel Musik und vielen Katzen

Szene mit Dominik Paul Weber (Fotos: R.Arnold/Centraltheater)

Wenn es draußen kälter wird und der erste Schnee sich blicken lässt, dann heißt es alle Jahre wieder: Weihnachtstheater! Und so bietet die Leipziger Theaterszene auch jetzt wieder jede Menge Stücke für die ganze Familie an. Das Centraltheater bleibt sich dabei treu und inszeniert zum dritten Mal in Folge ein Grimmsches Märchen als großes Weihnachtsstück. Nach Von Einem der auszog, das Fürchten zu lernen und Dornröschen hat es nun Der gestiefelte Kater ins Repertoire geschafft und erfreut vor allem die kleinen Zuschauer mit Witz und viel Gesang.

Die Geschichte ist altbekannt und Regisseurin Martina Eitner-Acheampong entschied sich für eine durchaus werktreue Inszenierung, ohne große Abwandlungen in der Handlung: Kurz vor seinem Tod vererbt der alte Bauer seine Mühle dem ältesten Sohn, der Mittlere bekommt den Eselkarren und für den kleinen Hans bleibt nur der scheinbar nutzlose Kater übrig. Doch schnell zeigt sich, dass der Kater ein ganz besonders Erbstück ist und verhilft dem Bauersburschen zu Reichtum und seiner großen Liebe, der Prinzessin. Dabei trumpft das Stück aber mit einer doch sehr modernen Sprache auf, die den zahlreichen Kindern, welche zur Premiere im Großen Saal anwesend waren, den Zugang zum Stück sehr einfach macht. Gepaart wird das Ganze mit vielen Gesangseinlagen, die die Inszenierung stellenweise zum Musical werden lassen und jeder Menge Livemusik.

Elegant und doch lässig schleichen die Katzen über die Bühne, umgarnen sich und singen ein Lied über ihr Leben bei den Menschen. Ihr Gesang variiert dabei ebenso wie ihre Charaktere: da sind z.B. die schicke französische Katze oder die Rocker-Katze in Lederjacke. Mittendrin im Gewusel findet sich auch der (noch stiefellose) Kater aus der Mühle, der die französische Isabella stets umwirbt. Gespielt werden die Katzen (sieben an der Zahl) von Schauspielstudenten der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, welche in wechselder Kostümierung im Laufe des Stückes alle Rollen übernehmen werden. Auf der Bühne lassen sie die Figuren durch viel Freude am Spiel aufleben und gestalten so eine kunterbunte Inszenierung, die sowohl die kleinen, als auch die großen Zuschauer erfreut.

Das Bühnenbild ist mit wenig Mitteln so gut gestaltet, dass die Reise in die Welt der Märchen nicht schwer fällt. Als Kulisse dient lediglich eine Projektion an der Rückwand der Bühne. Auf ihr zu sehen ist eine Landschaft, gezeichnet in Aquarell. Durch hinein- und herauszoomen in das Bild sind verschiedene Ort wie die Mühle oder das Schloss des Königs auszumachen. Ergänzt wird das Ganze gelegentlich durch Kulissen wie Stoffsäulen, die vom Schnürboden herabgelassen werden können. Sehr humorvoll und fantasiereich gestaltet sind auch die Kostüme: die Prinzessin in märchenhaften Reifröcken, der dicke König in Pluderhosen und der arme Hans in seiner einfachen Bauerskleidung.

Die Story wird gelegentlich aufgebrochen, wenn Pinocchio, Aladin oder der Froschkönig einen Gastauftritt haben. Allesamt werben um die Gunst der Prinzessin, diese aber will auf den einen warten, der ihr Herz dazu bringt, schneller zu schlagen. Die Rollen selbst sind in ihrer Konzeption sehr stereotyp angelegt und überraschen nicht mehr wirklich. Der König ist tollpatschig, etwas unbeholfen und lässt sich von seiner Tochter sehr viel gefallen. Diese wiederum ist kess und weiß genau was sie will. Der schüchterne Hans ist nicht gerade das, was man selbstbewusst nennen würde und der Kater ist gewitzt und legt alle aufs Kreuz.

Beeindruckend hingegen ist die musikalische Vielfalt der Inszenierung. Neben den Musikern, die Akustikgitarren, E-Gitarren, Schlagzeug und Tuba im klanglichen Repertoire haben und die Handlung vom Bühnenrand aus begleiten, greifen auch die Schauspieler immer wieder gern zum Instrument. So untermalt beispielsweise die Prinzessin (Flora Pulina) Hans´ Traum eindrucksvoll mit den Klängen ihrer Harfe. Überhaupt tut sich vor dem Zuschauer immer wieder ein umfangreicher Klangteppich auf, der das Spiel nicht nur unterstützt, sondern die Inszenierung zu einem musikalischen Spektakel werden lässt.

Zur kalten, glitzernden Weihnachtszeit ist es für Familien genau das Richtige, sich gemeinsam ins Theater zu begeben um einen unterhaltsamen Nachmittag zu verbringen. Immer wieder werden die Kinder in das Geschehen einbezogen, müssen (ganz wie im Kasperltheater) mithelfen jemanden zu rufen oder aufzuwecken und auch in die musikalische Komponente werden sie gern einbezogen. So driftet der Gesang beispielsweise mehrfach in Rap ab und die Kleinen müssen kräftig mitmachen: „Ich sag Mieze, ihr sagt Katze! Mieze“ „Katze“ Mieze“ „Katze“. Mit Der gestiefelte Kater bringt das Centraltheater eine Inszenierung auf die Bühne, die Spaß für Groß und Klein verspricht und super in die Vorweihnachtszeit passt.

Der gestiefelte Kater

R: Martina Eitner-Acheampong

Mit: Klara Deutschmann, Harald Horvath, Katrin Kaspar, Heiner Kock, Maximilian Pekrul, Flora Pulina, Jonas Steglich, Dominik Paul Weber, Timo Weisschnur; Felix Franzke, Philipp Rohmer, Johannes Sens

Premiere 29. November 2012, Centraltheater

Weitere Vorstellungen: 11.-14., 16.-23., 25.-27. Dezember


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