Steffen Kühn | Drucken20.08.2013 

Große Oper für die Kleinsten

»Die Entführung aus dem Serail für Kinder« bei den Salzburger Festspielen

Fotos: Kirchner

Seit der Saison 2008 ist die Arbeit für und mit der jungen Generation ein Schwerpunkt des Salzburger Festspielprogrammes. Im Rahmen des Young Singers Projekt 2013 wurden aus 400 internationalen Bewerbern 21 Talente für ein Stipendium ausgewählt, um unter der Leitung von Christa Ludwig, Thomas Hampson und Helmut Deutsch ihr Repertoire erweitern zu können. Aber sie wirken auch in Produktionen der Festspielsaison 2013 mit. Komplett gestalten dürfen sie neben dem Abschlusskonzert, die alljährliche Inszenierung einer Oper für Kinder, in diesem Jahr Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart.

Die Oper wurde vom Komponisten und Arrangeur Alexander Krampe für eine cirka 60-minütige Fassung eingerichtet. Dazu braucht er bloß ein Streichquintett, Querflöte, Klarinette, Fagott, Bass, Akkordeon und ein Schlagzeug. Die Textliche Bearbeitung stellt das märchenhafte an Mozarts Oper heraus, mit Textpassagen und den bekannteren Arien und Duetten der Oper wird das Publikum mit auf die Reise in Tausendundeine Nacht genommen.

Den Beginn der Oper, den Schiffbruch von Belmonte, Konstanze, Pedrillo und Blondchen inszeniert Regisseur Johannes Schmid als mitreißendes Puppenspiel. Über einer wehenden blauen Stoffbahn kommen die Vier in arge Bedrängnis bis sie schließlich kentern und auf der Insel von Bassa Selim als Schiffbrüchige landen. Die Stoffbahn fällt und auf der Bühne ist ein farbenprächtiger orientalischer Palast zu sehen. Belmonte kommt verspätet an: Er kriecht mit Taucherbrille auf der Nase irgendwann unter der Bühne hervor. Johannes Schmid reduziert die Mittel und schafft so eine hohe erzählerische Dichte, die Kinder sitzen mit dem ersten Takt auf der Stuhlkante, sie sind begeistert von der verständlichen Inszenierung der Oper. Die Sängerinnen und Sänger haben eine hohe Präsenz und durch die ab und an eingebauten Scherze (Taucherbrille) ist von Anfang an der Kontakt zwischen Inszenierung und Publikum gegeben.

So engagiert und agil wünscht man sich auch als Erwachsener die Opernprotagonisten. Dorothea Nicolai hat farbenprächtige Kostüme entworfen, allen voran den obersten Wächter Osmin, der mit einem riesigen Leibesumfang auf seinen hochhackigen Schuhen stolzierend immer wieder Begeisterungsstürme auslöst.

Das musikalische Geschehen liegt in den Händen von Ben Gernon, Preisträger des Young Conductor Award 2013. Mit großer Begeisterung führt er sein kleines Ensemble und lässt es sich auch nicht nehmen, während des tosenden Schlussapplauses einfach weiterspielen zu lassen. So macht alte Oper Spaß und das nicht nur für die Kleinen der heutigen Aufführung. Die frische und spielfreudige Inszenierung wird trefflich ergänzt durch die sängerischen Leistungen der Stipendiaten, manchmal scheint man hier schon einen künftigen Weltstar durchschimmern zu sehen. Der Rahmen der großen Universitätsaula ist auch bestens geeignet sich der jungen Generation zu widmen, eine wichtige, ja eigentlich lebensnotwendige Aufführung der Salzburger Festspiele, ist es doch heute gelungen die Festspielgeneration von morgen an die Themen Klassik, Oper und Schauspiel heranzuführen.

Wolfgang Amadeus Mozart: Die Entführung aus dem Serail für Kinder

Musikalische Leitung: Ben Gernon
Regie. Johannes Schmid,
Marie Holzer, Bühne
Anna Holter, Choreografie
Dorothea Nicolai, Kostüme
Anna Lina Mattar, Kostümassistenz
Alexander Krampe, Johannes Schmid, Textfassung
Alexander Krampe, Musikalisches Arrangement

Peter Kellner, Christoph Seidl, Osmin
Estelle Poscio, Theresa Dittmar, Blondchen
Aco Biscevic, Aaron Sheppard, Pedrillo
Iurii Samoilov, Iain MacNeil, Selim
Johannes Dunz, Gitai Fisher, Belmonte
Kiandra Howarth , Siobhan Stagg, Konstanze
Francesca Perrucci, Su Jin Kim, Maria – Pilmaiquen Jenny, Tänzer
salzburg orchester solisten

Salzburger Festspiele


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