Mathilde Lehmann | Drucken10.12.2010 

Ich kam, ich scheiterte, ich siegte

„Du hast keine Chance, also nutze sie!“ − Das Festival von Absolventen der HMT für alle im LOFFT

Vom Scheitern einer Produktion: „Asa Nisi Masa“ (Foto: Maneki Neko)

Wie konstruiert man aus einer toten Biene und einem Laubblatt eine Flugzeuglandebahn? Das Festival Du hast keine Chance also nutze sie! präsentiert das prinzipiell kaum Präsentierbare. Kaum Budget, kaum Schauspieler – wenig Zeit, viele Probleme. Der erste Tag des Festivals im LOFFT barg positive Überraschungen und versprühte Optimismus im Angesicht des Bösen. Drei Inszenierungen von Menschen, von denen man in Zukunft gerne mehr hören und sehen möchte.

„Asa Nisi Masa“

Das Projekt ist das Projekt eines Projektes, es handelt vom Scheitern einer Produktion. Ursprünglich sollte es eine Inszenierung der Existenznöte und Zweifel von Künstlern werden. Stattdessen ist es die Erfüllung dieser Ängste. Christian Mahlow wollte inszenieren. Doch anstelle eines Theaterstückes ist es eine Lesung geworden, mit Beiträgen über eine eingespielte Skype-Konversation und gelesenen Texten von Darstellerin und Regisseur. Am Ende wird ein Buch verteilt. Mahlow sagt, das Buch wäre der Ersatz für die Theatervorstellung. Die Vorstellung und die gefundene Lösung für ein Unlösbares sind durchaus als genial zu bezeichnen. Wir haben kein Stück, lasst uns also ein Buch schreiben. Wir müssen präsentieren, dann präsentieren wir eben unser Scheitern. Asa Nisi Masa zeigt Mut zum Fehler, Mut zum Scheitern. Das imponiert, weil es funktioniert.

Werkstattbühne | LOFFT


„Die 3. Kolonie“

Fiona Ebner hat keine Heimat. Sie ist aus Weibing, aus München, aus Hamburg, Wien und Leipzig. Sie findet, sie ist bayrisch, und das bestätigt ihr jeder außer der Bayer. Fiona Ebner erzählt mit Worten, Gesang und Tanz von ihrer Hassliebe zu ihrer Vielleichtheimat Bayern. Dieses Ein-Frau-Stück ist witzreich und besticht durch raffinierte Einfachheit. Die Darstellerin erzählt in simplen, geradezu naiv klingenden Sätzen von einem Volk, das sie „frivol“ nennt. Sie führt das Publikum durch die Internetseite www.muenchen-kotzt.de und erklärt den sexuellen Hintergrund des Dirndls. Es scheinen grobe Themen zu sein, doch die Inszenierung dieser ist intelligent, der Humor ist feinsinnig und die Erzählweise begeistert in ihrer Einfachheit.

Foyer Etage Eins | LOFFT


„X/3_A._und!“

Vier Darsteller stehen im Fenster und sehen in den Raum rein oder zum Fenster hinaus. Eine DJane steht am Pult. Alle sind weiß gekleidet und haben weiße Farbe im Gesicht. Sie verschmelzen mit dem Raum, reden, tanzen, schreiben, spielen, machen Musik. Sie verwirren und entfitzen sich, sind verwirrt, verzerrt, die Konturen einzelner Darstellungen verschwimmen zu einem großen Ganzen. Es ist organisiertes Chaos und auch wenn es unmöglich scheint, zum Kern dieser Performance durchzudringen, so fasziniert es einen und ist schlicht wunderschön. Die musikalischen Gebilde, die die Fünf bauen, ziehen einen in den Bann. Der Raum ist klein für ein Projekt wie dieses und gerade deshalb perfekt. Das Publikum kann sich keinen bequemen Platz an der Seite suchen, sondern muss sich bewegen, verwirren, entfitzen. es ist integrierter Teil der Installation und die Inszenierung findet immer mal wieder Momente der Interaktion.

Kunstraum Ex-Lalülala


Du hast keine Chance, also nutze sie!

Ein Werkstatt-Festival von und mit: F. Ebner, C. Mahlow, M. Nagel, Werkstattmacher e. V., LOFFT Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Theater der Jungen Welt und dem Kunstraum Ex-Lalülala

6.-8. Dezember 2010, LOFFT Leipzig, Theater der Jungen Welt, Kunstraum Ex Lalülala

Die Werkstattmacher

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