Doreen Kunze | Drucken30.09.2010 

Eckspiel, Versteckspiel

Ein großer Berg zusammengeknülltes Papier stiftet Fantasie: „Um die Ecke“, eine Boxenstopp-Produktion des Gastgebers – Werkstatt-Tage im Theater der Jungen Welt

Bernhard Studlar (Foto: Martin Vukovits)

Bunte Papierboote und eine Reise zum Mond, ein schlafendes Tier und eine Schlammschlacht – das Theater der Jungen Welt Leipzig hat für die erste der drei „Boxenstopp“-Inszenierungen der Werkstatttage so einiges im Gepäck. Großartig in Szene gesetzt wird Bernhard Studlars Kleinkinderstück Um die Ecke durch die Regisseurin Ulrike Stöck.

Mit faszinierender Leichtigkeit schaffen es die drei Darsteller Martin Klemm, Susanne Krämer und Wilfried Reach, die Aufmerksamkeit der Kleinen (ab zwei Jahren!) voll auf sich zu ziehen. Denn die Inszenierung lebt von einem Spiel zwischen Neugier und Fantasie. So wird aus einem großen Berg zusammengeknülltem Papier, der bei den Kindern für Aufsehen sorgt („Auweia, so viel Papier“) – zack – eine Ecke, hinter der sich allerlei Geheimnisse verbergen: eine große Matschpfütze, ein geheimnisvolles Tier und schließlich sogar der Mond. Was mit einem einfachen Versteckspiel beginnt, entwickelt sich schnell zu einem großen Abenteuer voller Einfallsreichtum und Witz. Die Helden A und B kriechen, schleichen, hüpfen von einer Welt in die andere und entdecken überall Überraschungen.

Ohne viele Requisiten kommt diese Inszenierung dabei aus. Die Bilder werden vor allem durch die Sprache geschaffen, die einfach, aber nicht banal ist. Dazu nur eine schwarze Wand und der besagte Papierberg. Es wird gefaltet, geknüllt, gefegt und zerwühlt. Reicht doch lediglich ein gefaltetes Papier, um ein Tier auf der Bühne erscheinen zu lassen, und die bloße Behauptung, A und B spielten in einer Matschpfütze: „Nass/ Kalt/ Matsch/ Gatsch/ Platsch“ - und fertig ist die Schlammschlacht. Durch die originellen Dialoge entstehen ganze Bilderwelten – gemäß dem Motto der 17. Werkstatt-Tage –, die zum Mitreisen einladen.

Noch vor Beginn der Aufführung wird das Ganze als Experiment, als Werkstattinszenierung angekündigt – und sie kann sich sehen lassen, trotz der kurzen Probenzeit. Der Versuch, ein Theaterstück für Zweijährige zu entwickeln, war für den Wiener Theaterautor und Dramatiker Bernhard Studlar ein Debüt. Das Ergebnis besticht durch Leichtigkeit und Musikalität in der Sprache; lebt von der Reduktion als Stilmittel: „Zeig mal. Woher hast du jetzt die Kekse?/ Knäcke. Ist meine./ Aber eine darf ich schon, oder?/ Na gut. Eins für dich, und eins für mich und eins zwei drei vier für das Tier.“

Und genau diese besondere Sprache ist es, die die Kinder das Geschehen voll und ganz aufnehmen lässt. Immer wieder fragen sie sich (laut): „Was machen die denn da?“, um anschließend aufgrund des allgemeinen Gelächters über ihre Frage zu lachen. Gelacht wird überhaupt viel bei dieser Aufführung – und weniger gelernt als erlebt. Zum Beispiel, dass „um jede Ecke noch eine Ecke ist noch eine Ecke ist noch…“.

Um die Ecke

Von Bernhard Studlar

Beitrag des Gastgebers Theater der jungen Welt

Anlässlich der 17. Werkstatttage der Kinder- und Jugendtheater

29.09.2010, Theater der Jungen Welt Leipzig, Saal


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