| Drucken07.05.2008 

Ewige Querele zwischen Künstler und Macht – Wolfgang Engels Abschied vom Schauspiel Leipzig (Anica Klingler-Mandig)

Moli?re oder die Verschwörung der Heuchler
Schauspiel Leipzig, Schauspielhaus
Spiel: Jana Bauke, Thomas Dehler, Ellen Hellwig, Thomas Huber, Matthias Hummitzsch, Dieter Jaußlak, Stefan Kaminsky, Gilbert Mieroph, Aleksandar Radenkovic, Martin Reik, Silvia Weiskopf u.a.
Regie: Wolfgang Engel
Bühnenbild: Horst Vogelgesang
Musik: Thomas Hertel
Premiere: 26. April 2008
www.schauspiel-leipzig.de


Ewige Querele zwischen Künstler und Macht - Wolfgang Engel verabschiedet sich mit Moli?re oder die Verschwörung der Heuchler vom Schauspiel Leipzig

Auf einer Drehbühne, zwischen roten Samtvorhängen und Künstlergarderobe findet an diesem Abend das gefährliche Machtspiel zwischen Kirche, König und Theaterkünstler statt. Der gerade am Tartuffe schreibende Moliere verliert insbesondere durch die eifrige Arbeit der kirchlichen Lobby die königliche Protektion und damit sowohl die finanzielle als auch die ideelle Basis seines künstlerischen Schaffens. Ähnlich erging es Bulgakow, der mit diesem Stück seine existentielle Abhängigkeit von den Mächtigen der UdSSR thematisierte, die 1929 in das Verbot seiner Stücke mündete.

Auf der Leipziger Bühne agieren die Schauspieler in historischen Kostümen. Perücken, schöne Kleider und samtige Stoffe kommen dabei zum Einsatz. Kontrastiert werden diese Figuren durch Narren und maskierte Spieler, die an Traditionen der Commedia dell'Arte erinnern, jedoch im Verhältnis zu diesen recht brav erscheinen. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang allerdings Dieter Jaßlauk, der als Schuster und Narr zugleich eine Figur mit tiefgehendem und treffsicherem Humor verkörpert.

Martin Reik präsentiert sehr eindringlich den königlichen Machthaber und auch Moli?re wird in seinen vielen Facetten überzeugend von Matthias Huber gespielt. Die Frauenrollen wirken jedoch leider etwas fad, was nicht den schauspielerischen Leistungen zuzuschreiben ist, sondern bereits im Text begründet ist, und von der Inszenierung nicht aufgebrochen wird.

An manchen Stellen neigt die Inszenierung zu Längen und wirkt sogar verlegen. Etwa dann, wenn während einer Umbauphase auf der Bühne eine maskierte Figur vor rotem Vorhang tanzt, deren Vorführung von einem Feuerwerk gekrönt wird. Der historische Bezug wird im Verlauf der Vorstellung immer wieder unterlaufen. Sei es durch die mitten auf der Bühne platzierte Tür oder durch das naturgetreue Landschaftsbild im hinteren Teil der Bühne, welches zum Schluss zerstört wird. Dass Kunst jedoch die Möglichkeit hat, spielerisch den Status quo zu hinterfragen und dadurch äußerst unbequem zu werden, spürt der Zuschauer an diesem Abend kaum. Die Brisanz des Stücks wird durch die starke Historisierung abgefedert.

(Anica Klingler-Mandig)

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