Steffen Kühn | Drucken | Kommentar (1)07.11.2011 

Zauber des gemeinsamen Singens

Jugendchor der Oper Leipzig: Das „Waldrandgeflüster“ begeistert junge Rehe und alte Hasen

Hans Henrik Wöhler und der Jugendchor der Oper Leipzig (Foto: Andreas Birkigt)

Wenn man „Wald“ bei Google eingibt erhält man in 0,11 Sekunden 81 Millionen Einträge. Ein populäres Thema! Annett Seidel und der Jugendchor der Oper Leipzig unter der Leitung von Sophie Bauer haben zu diesem Thema eine musikalische Matinee erarbeitet. Jugendchor und Wald – wo sind da die Zusammenhänge fragt man sich verwundert, aber es kommt noch überraschender. Musikliteratur aus dem 19. und 20. Jahrhundert, ausschließlich A-cappella-Stücke haben die jungen Sängerinnen und Sänger einstudiert. Eichendorff, Martin Opitz, Paul Heyse, Johannes Brahms, Fanny Hensel, Helmine von Chezy und Wilfried Fischer sind die Namen der Librettisten und Musiker der Stücke des einstündigen Programms.

Musikliteratur zum Thema Wald: Den dramaturgischen Rahmen leistet ein Märchen: Jakob und der König im Siebenmalsiebenland oder Der Wald ohne Ende – ein Märchen für Kinder ab fünf Jahren. Hans Henrik Wöhler liest auf einem Thron sitzend die sieben Kapitel des Märchens. Im Publikum sind viele Kinder von Anfang an gebannt und lauschen konzentriert der Geschichte von König Grawunkel, der seinen Untertanen die Märchen wegnimmt, Märchen in denen die Untertanen bisher immer Trost gesucht und auch gefunden haben. Doch ein kleiner Junge, Jakob, will sich das nicht gefallen lassen. Mühsam, mit allerlei Verbündeten schafft er es schließlich, dass Grawunkel die Märchen wieder aus dem Geheimversteck im tiefen Wald hervorholt und überdies selbst zum Märchenerzähler wird.

Die Kombination aus Vorlesen, Singen und choreographierten Aktionen des Chores hält die jungen Zuhörer in Spannung. Das erstaunt, da die oft 150 Jahre alten Texte an der Lebenswirklichkeit der Kleinen natürlich vorbeigehen. Die hohe Qualität des Chores, die Intensität mit der sich Sängerinnen und Sänger durchs Kellertheater bewegen schafft die notwendige Spannung für die Aufmerksamkeit des jungen Publikums. Die Erwachsenen Zuschauer genießen die Qualität des vielstimmigen Gesangs, die in „Die Waldvöglein“ von Martin Opitz einen Höhepunkt erreicht. Wie haben es Annett Seidel und Sophie Bauer geschafft, US-Charts und Rap hörende Jugendliche für deutsches Liedgut zu begeistern? Im gemeinsamen Singen liegt ein Zauber, ein Geheimnis. Der Verdienst der heutigen Aufführung ist es, die Zuhörer Teil dieses Zaubers werden zu lassen.

Sonntags um elf: Waldrandgeflüster
Jakob und der König im Siebenmalsiebenland oder Der Wald ohne Ende

Märchen mit musikalischer Illustration und einem erlebnispädagogischen Begleitprogramm

Jugendchor der Oper Leipzig

Einstudierung Sophie Bauer

Inszenierung Annett Seidel

Sprecher Hans Henrik Wöhler

Premiere: 6. November 2011, Kellertheater der Oper Leipzig


Kommentare lesen und hinzufügen (1)

Marion Milbrecht schrieb am 08.11.2011 um 18:42 Uhr:

Es war einfach wunderschön, auch für erwachsene Zuhörer. Ein Zauber wohnt dem Programm inne!
Muß man gesehen und gehört haben! Nächste Vorstellung am 22.11. 11.00 Uhr im Kellertheater der Oper Leipzig

 
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