Mandy Schaarschmidt | Drucken03.05.2014 

Kisten und Kartons statt Könige und Hexen

Mit „Kaputt! – Eine freudige Entdeckung“ wagt das Theater der Jungen Welt einen weiteren Versuch, die ganz Kleinen für die große Bühne zu begeistern

Foto: Stefan Hoyer

Das Theater der Jungen Welt (TdJW) geht in der aktuellen Spielzeit einen neuen Weg, um das junge Publikum in seine Aufführungen zu locken. Schon die Allerkleinsten sollen die Möglichkeit haben, sich Theaterstücke anzuschauen, abseits des klassischen Puppentheaters und der allseits bekannten Märchenaufführungen. Mit Kaputt! – Eine freudige Entdeckung absolviert es eine Abenteuerreise mit Kisten und Kartons, in denen sich allerlei Geheimnisvolles befindet und aus denen etwas ganz Neues entstehen wird. Begleitet wird das Ganze live von den sphärischen Klängen einer Harfe.

Doch wie entsteht aus der Idee, Kindertheater einmal neu zu wagen, das eigentliche Stück? David Schönherr, Theaterpädagoge am TdJW, sagte dazu, dass es ein langer Prozess war, indem die Arbeit mit den Kindern ab zwei Jahren auch erst einmal erschlossen werden musste. Wie groß ist die Aufmerksamkeitsspanne bei Kindern im Alter zwischen zwei und fünf Jahren und wie wirkt sich das auf die Länge der Aufführung aus? Was kann als Requisite benutzt werden ohne dass es die Kinder vom eigentlichen Geschehen ablenkt? Wie können die Kinder auch während der Aufführung Kind sein und müssen nicht die ganze Zeit mucksmäuschenstill nach vorne schauen? Zur Beantwortung dieser Fragen sind die Projektbeteiligten in Kindergärten gefahren, um mit den dortigen Erzieherinnen zu sprechen. Wie sieht der Alltag in einer Kindertagesstätte aus? Welche Aktivitäten können den kleinen Besuchern gefallen, bei welchen Angeboten sind sie von den Tätigkeiten überfordert oder haben schlicht keine Lust darauf? Sie besuchten auch Tagesmütter und ihre Schützlinge, um sie in ihrem spielerischen Alltag zu begleiten und sich Anregungen zu holen, was man thematisch für die Allerkleinsten auf die Bühne bringen kann.

Mit Bruno Franceschini als Regisseur und Dramaturgin Gabi dan Droste nimmt das Projekt um Kaputt! Eine freudige Entdeckung langsam Gestalt an. Der Ausstatter Francesco Apuzzo vom Netzwerk raumlaborberlin erschafft die Welt aus Kisten und Kartons, die in sich einen geheimnisvollen Inhalt aus allerlei Kleinteiligem beherbergen. In dieser Kulisse erschließen sich bei der Premiere an diesem Samstagnachmittag die Schauspielerin Katja Göhler und der Harfenist Joseph Shallah einen ihnen unbekannten Raum. Joseph Shallah entdeckt in den Kartons, die nicht nur angeordnet sind wie Schränke oder Schubladen und durchaus auch als Schlupfloch verwendet werden können, recht schnell eine Harfe. Fortan begleitet er Katja Göhler musikalisch bei der Zusammensetzung eines Puzzles aus kaputten Gegenständen. So baut sie sich im Verlauf des Stückes aus zwei kaputten Fahrrädern, zwei Staubwedeln, Omas alter Nähmaschine, einem alten dreibeinigen Hocker und einer Luftpumpe sowie verschiedenen Schrauben, Muttern und Schnüren ein ominöses Fluggerät. Was es damit auf sich hat und wie Klaus, der chinesische Drache, da hineinpasst, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Die Premiere am 26. April ist gut besucht und die kleinen Zuschauer sind zusammen mit ihren Eltern begeisterte und auch aufmerksame Zuhörer. Immer mal wieder lassen sie ihren Emotionen freien Lauf und kommentieren das Geschehen. Diese direkten Reaktionen seitens des jungen Publikums sind von allen Projektbeteiligten ausdrücklich erwünscht. Am Ende stürmen die Dreikäsehochs sogar die Bühne um das Erlebnis der letzten 35 Minuten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Kaputt! Eine freudige Entdeckung

ein Stück von Franceschini // Droste & Co. zusammen mit raumlaborberlin

Regie: Bruno Franceschini

Dramaturgie: Gabi dan Droste, Winnie Karnofka

Besetzung: Katja Göhler, Joseph Shallah

Theater der Jungen Welt; Premiere: 26. April 2014


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