| Drucken10.10.2002 

Lachmesse mit ErotiKomischen Geschichten (Babette Dieterich)

10.10.2002 Kabarett academixer

ErotiKomische Geschichten aus 1001 Nacht mit Patrizia Barbuiani und Markus Zohner
Im Rahmen der Lachmesse


Großartiger Minimalismus

Zwei Stühle, zwei Personen. Eine unendliche Geschichte. Erzählt, gespielt, gemimt von dem Duo Patrizia Barbuiani und Markus Zohner wie aus einem Mund. Ohne jeglichen Aufwand und gänzlich ohne äußere Effekte, wie Kostüme oder Bühnenbild, zaubern zwei wort- und gestengewaltige Menschen ein Feuerwerk auf die Bühne, das seinesgleichen sucht.

Die Rahmenhandlung des Abends entspricht dem berühmten Vorbild "Tausendundeine Nacht": Um ihrer Hinrichtung zu entgehen, erzählt Scheherazade dem König von Samarkand Schehrijar Nacht für Nacht Geschichten und unterbricht diese im entscheidenden Moment. Von Neugierde geplagt gewährt ihr der König einen weiteren Tag Aufschub, um den Fortgang der Geschichte zu erfahren. Nach tausendundein Nächten schließlich begnadigt er sie und die beiden werden ein glückliches Paar.

Doch was sind das für Geschichten! Und wie kunstvoll sind sie ineinander geschachtelt! Da wird ein Buckliger mehrfach ermordet und es stellt sich heraus, dass er der Hofnarr des Königs war. Um ihren Hals aus der Schlinge zu retten, müssen die diversen Mörder diesem König wiederum eine Geschichte erzählen. Vom König der Geister, von den drei Wünschen, von der Frau ohne Hände. Jeder erzählt auf seine Art, kunstvoll und ausschweifend, oder wie der als Mörder verdächtigte Arzt zunächst wissenschaftlich und zögerlich.

Ebenso kunstvoll wechselt das Duo die Erzählebenen und Figuren. Mal erzählt der eine und der andere illustriert die Geschichte durch Geräusche und Gesten, mal wandert die Erzählfigur von Person zu Person. Mit vollem Körpereinsatz, doch immer auf dem Stuhl sitzend, werden Wüsten durchritten, Leichen geschleppt und der fettleibige Sohn des Großwesirs befriedigt. Dabei überzeugen Patrizia Barbuiani und Markus Zohner sowohl stimmlich, mit der gesamten Geräuschpalette von quietschenden Geheimtüren bis zu explodierenden Feuerwerkskörpern, als auch pantomimisch. Jeder Handgriff sitzt und lässt sofort die Szene klar vor Augen treten, ob nun ein rauchender Alter Schach spielt oder eine verschleierte Sklavin Feigen in Honig serviert.

Die im Stück erzählten Geschichten wurden von der Markus Zohner Compagnie für das Theater zubereitet und speziell für den Stil und die Art der Darstellung der beiden Schauspieler adaptiert. Man spürt bei beiden die Herkunft vom Improvisationstheater, den unglaublich spielerischen Umgang mit Worten und Gesten. Die Bewegungen wirken nicht gestelzt oder einstudiert, sondern spontan und unmittelbar. Auch ein klingelndes Handy wurde sofort in die Handlung eingebaut.

Patrizia Barbuiani und Markus Zohner bewegten sich mit schlafwandelnder Sicherheit auf dem schmalen Grat zwischen Tragik und Komik, Sinnlichkeit und Derbheit. Nie hatten die erotischen Szenen etwas Plattes, sie reizten vielmehr zum befreienden Lachen, sinnlich, lustig, erotikomisch eben.

Zwei Stühle, zwei geniale Erzähler mit Leib und Seele. Mehr braucht es nicht, um großartiges, überraschendes, phantasievolles Theater auf die Bühne zu zaubern. Man darf gespannt sein auf die nächste Produktion dieses Duos: HA!Hamlet. Sein, oder Nichtsein, auf jeden Fall unbedingt dabei sein! Vielleicht schon bei der nächsten Lachmesse.

(Babette Dieterich)

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