| Drucken14.04.2006 

Majestät brauchen Therapie: „Wilhelm II. – Ich Imperator Rex” in Leipzig (Michael Wehren)

?Wilhelm II. - Ich Imperator Rex' im LOFFT
Regie: Izy Kusche
Eintritt: 10 / 6 Euro
Nächste Termine: 13.4. / 14. 4. / 15. 4. /

Im Spielzimmer der Macht

Da steht er, irgendwie zu bemitleiden: Wilhelm II. im Marinekostümchen und mit Handtasche unter dem Arm. Von Hofstaat, Presse und Familie umgeben, spricht er von persönlichen Kränkungen, politischen Entscheidungen und welthistorischen Momenten.
Die konstante Selbststilisierung wider besseres Wissen ist ebenso konstant unglaublich wie peinlich, rührend wie inakzeptabel. Armin Zarbock spielt Wilhelm II. als bemitleidenswert-gefährliche Sublimationsmaschine, angegraut-kindsköpfig und eigentlich dauerdepressiv.
Zwischen Kinderzimmer und Weltpolitik richtet sich Izy Kusches Inszenierung ein, immer auf das historisch-absurde Detail bedacht. Während Armin Zarbock Wilhelm II. einen Weg entlang führt, welcher unglaublich dicht mit Kränkungen, Erniedrigungen und selbstverschuldeten Fehlern gepflastert ist, hat der Rest des Ensembles genügend damit zu tun von Rolle zu Rolle zu wechseln. So ist Nicole Thomas beispielsweise nacheinander als rachsüchtige Kriemhild, intrigante Gräfin Wedel und verkörperter Staatsapparat zu sehen, während Elena Lorenzon den Hunnenkönig Etzel, Wilhelms Mutter und die allseits bekannte Audrey Hepburn spielt. Trotz kleiner Textunsicherheiten überzeugen beide, erstere kühl-sachlich-organisiert, letztere in der Bandbreite ihrer Darstellung. Ricardo Endt gibt u.a. Sigmund Freud und weiß im Übrigen als servilster alle Diener zu erheitern. Thomas Deubel fährt Hagen gegen die Wand und bringt eine hübsche Hitlerimitation auf Kneipenniveau.
Einiges an diesem Abend ist gelungen (siehe oben), viele Szenen aber, stehen auf tönernen Füßen; woran der Text nicht ganz unschuldig ist. In den Monologpassagen durchaus pointiert, dreht sich dieser in manchem Dialog ohne Tempo und Witz dem Nullpunkt entgegen. Unnötig ambitioniert: Die Anreicherung einer lachhaft-schaurigen Psychobiographie-Klamotte mit Medienkritik und überanstrengter Didaktik. Der Traum vom guten Märchenkaiser ist kein neuer und schon weitaus überzeugender künstlerisch rekonstruiert/kritisiert worden.

Allerdings: das engagierte Spiel der Beteiligten, die musikalisch unterlegten Intermedien, kleine szenische Arrangements und Choreographien sind allesamt gelungen und zeigen, dass der Regisseur, legt er seinen Text bei Seite, Ausdruck sowie Intensität zu steigern vermag.

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