Eva Niedziela | Drucken23.07.2012 

Von kulturellen Sparmaßnahmen, Komponisten,
Textdichtern und Primadonnen

Die Oper bringt ein Pasticcio aus Mozarts „Spieldirektor“ und Salieris „Prima la musica e poi parole“

Foto: Andreas Birkigt

Einen musikalischen Zickenkrieg liefern sich Donna Eleonora (Eun Yee You) und Tonina (Jenifer Porto) in Mozart hätte gelacht...(Salieri auch). Beide sollen zusammen in einer Oper auftreten, die sowohl Elemente aus Opera Buffa als auch aus Opera Seria enthält. Doch dann kommt es zum Eklat. Die Diven tauchen zur selben Zeit beim Vorsingen auf und der Zickenkrieg, inklusive An-Ohren-und-Haaren-Ziehen, beginnt. Schließlich gipfelt der Zwist in Salieris Schlussquartett, bei dem beide Primadonnen gleichzeitig ihre Arien proben, die eine lauter und kolorierter als die andere. Zwischendrin mischt Tenor Filippo Adami als Herr Vogelsang mit. Er bewirbt sich ebenfalls um einen Darstellerplatz in der Oper. Als er dann von Poeta, Maestro und Impressario (Chin Meyer) mit der Begründung abgewiesen wird, dass Frauenstimmen erstrebenswerter sind, trällert er mit hellem Falsett in barockem Reifrock eine Rossini-Arie.

Die kleine Bühne auf dem Orchestergraben ist ebenfalls Schauplatz des Streits zwischen Poeta (David Pichlmaier) und Maestro (Jochen Kupefer). Diese beiden versuchen gemeinsam, eine Oper in nur vier Tagen zu schreiben. Als dann der Streit der Primadonnen beginnt, halten sie jedoch zusammen. Leicht erhöht im Hintergrund spielt das Gewandhausorchester von historisch anmutenden Pulten im Kerzenschein. Dies ist eine erste subtile Anspielung auf die aktuellen Sparmaßnahmen. Mit teilweise plumpem Witz und Selbstironie verteilt Impresario Johann Buff Actori subtile Anspielungen und mächtige Seitenhiebe an den Theaterbetrieb im Allgemeinen und an die Oper Leipzig im Besonderen. So bedient er mithilfe seiner Bühnenkollegen alle Opern- und Sängerklischees. Eine Putzfrau, gespielt von Katja Beer, bringt den Impressario im Laufe der Aufführung immer wieder um den Verstand, sei es durch ihre Versuche als Sängerin ernst genommen zu werden oder durch ihre Enttarnung als Financial Controlling Manager, wobei sie Johann Buff Actori weitere Zuschüsse streicht.

Nach der vorzeitigen Vertragsauflösung Peter Konwitschnys klaffte eine große Lücke an der Stelle, wo vorher am 2. Juni 2012 die Premiere von Iphigenie auf Tauris angesetzt war. Mit der Hilfe von Deutschlands bekanntestem Finanzkabarettisten Chin Meyer und dem Pasticcio aus Mozarts Spieldirektor“ und Salieris Prima la musica e poi parole wird diese Lücke allerdings erfolgreich geschlossen. Viel Gelächter und großen Applaus gibt es für Moderation, Sängerensemble und Gewandhausorchester. Regisseurin Gundula Nowack vermischt die Handlungsstränge beider Opern gekonnt, wodurch es in der Handlung nicht auffällt, das zwei Opern verbunden wurden. Lediglich geübte Hörer erkennen am Kompositionsstil, welche Arien und Rezitative zu Mozart gehören und welche zu Salieri. Mozart hätte gelacht...(Salieri auch) macht seiner Bezeichnung als kabarettistisches Opernamüsement alle Ehre und ist auch für weniger Opern affines Publikum sehr unterhaltsam.

Mozart hätte gelacht … (Salieri auch)

R.: Gundula Nowack

Mit: Chin Meyer, Eun Yee You, Jennifer Porto, Jochen Kupfer, David Pichlmaier , Filippo Adami, Katja Beer und dem Gewandhausorchester.

Premiere: 2. Juni 2012, Oper Leipzig


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