| Drucken23.01.2003 

Operetten- und Filmmelodien von Theo Mackeben (Premiere), versprechen „Glück bei den Frauen” (Friederike Haupt)

23.01.2003, Musikalische Komödie ? Haus Dreilinden

?Du hast Glück bei den Frau`n, Bel Ami?
Operetten- und Filmmelodien von Theo Mackeben (Premiere)

Singende:
Anne-Kathrin Fischer, Katja Kriesel, Angela Mehling, Heinz Hartel, Karl Zugowski

Ballett der Musikalischen Komödie;
Choreografie: Monika Geppert

Orchester der Musikalischen Komödie;
Musikalische Leitung: Ralph Rank

Bühne: Frank Schmutzler


?Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da...

...die Nacht ist da, dass was gescheh`? ? und was geschieht, ist das Schlechteste wahrlich nicht: Kaum stehen die Sterne am Himmel, bevölkern die Verliebten die Straßen, lassen sich mal zu verzückten, mal zu träumerisch-melancholischen Beschreibungen ihrer Gefühle hinreißen und besingen, wenn grade nichts anderes ansteht, Paris, die Stadt der Liebe und Zentrum aller Verführungen.

Das ist die Welt Theo Mackebens, den man zweifelsohne als den König der Nacht bezeichnen kann, als Frauenkenner und Männerversteher, als Romantiker und Traumtänzer und nebenbei auch als einen der besten U-Musik-Komponisten seiner Zeit. Filmmusiken waren sein Metier in einer Zeit, in der der Film populär wurde, und hin und wieder versuchte er sich an Operetten mit klingenden Namen wie ?Bel Ami? oder ?Lady Fanny?. Dass sein Name, im Gegensatz zu seinen unsterblichen Melodien, kaum bekannt ist, zeichnet den 1897 geborenen Komponisten erst recht als im Hintergrund Großes vollbringenden Meister aus ? so zumindest Jens-Uwe Völmecke, der als Moderator souverän von der Bühne der Musikalischen Komödie lächelt, vor sich das gespannte Publikum, das sich hineindenken und -fühlen will in die Filme der 1930er und 1940er Jahre, in die heiteren und eingängigen Melodien Mackebens, die schon zu ihrer Entstehungszeit vom Alltag ablenken und in Liebesträume entführen konnten.

Blickfang der Bühne ist die riesige Leinwand hinter dem Orchester, auf der ? passend zur gerade dargebotenen Musik ? ein Foto erscheint, entnommen dem Film, aus dem das Lied stammt. Schwarz-weiß natürlich, aber für die nötige Farbe sorgen die Melodien von Theo Mackeben und die Aufführenden. Das 22 Stücke umfassende Programm startet mit seinem wohl größten Hit und Namensgeber des Abends, nämlich ?Du hast Glück bei den Frau`n, Bel Ami?; besonders die älteren Zuschauer strahlen über das ganze Gesicht, wenn der Sänger Heinz Hartel den Refrain anstimmt: ?...Bist nicht schön, doch charmant; bist nicht klug, doch sehr galant ? bist kein Held, nur ein Mann, der gefällt...? Ja, das Lied kennt wohl wirklich jeder im Saal, und Hartels augenzwinkerndes Lächeln beim Entlangschlendern auf der Bühne sorgt dafür, dass man ihm den Bel Ami durchaus abnimmt.

Das Orchester der Musikalischen Komödie unterstützt ihn durch ein Spiel, das an Leichtigkeit und klanggewordenem Charme kaum zu überbieten ist; besonders lobenswert hierbei die sehr variable Lautstärke, die von geheimnisvoll zirpenden Streichern über moderat swingende Passagen bis zum fulminanten Tutti mit allem aufwartet, was Mackeben sich hätte wünschen können.

Es folgen weitere Evergreens wie ?Komm auf die Schaukel, Luise?, im Schauspiel Liliom von Hans Albers gesungen, vor einigen Jahren von Karl Dall aufgegriffen und heute von Karl Zugowski in bester Schaustellermanier dargeboten; Balladen wie ?Bei dir war es immer so schön? oder ?Ich will nicht vergessen? gehen ans Herz, während der einst von Gustaf Gründgens intonierte Klassiker ?Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da? aus dem Film Tanz auf dem Vulkan zum Fußwippen animiert. Doch nicht nur das: Mit Textzeilen wie ?Rebellion in den Katakomben? verärgerte er 1938 Propagandaminister Goebbels derartig, dass dieser verfügte, nur der unverfängliche Refrain dürfe veröffentlicht werden.

So bietet die Mackeben-Gala insgesamt 16 Schlager, angefüllt mit Weisheiten wie ?Frauen sind keine Engel? oder ?Eine Frau wird erst schön durch die Liebe?, wobei das Lied ?...und über uns der Himmel...? aus dem gleichnamigen Nachkriegsfilm eine Ausnahme darstellt: Hier geht es nicht um Liebe, Frauen und Paris, sondern um einen dramatischen Appell an die Menschen, an eine bessere Zukunft zu glauben. Wieder übernahm Hans Albers die Interpretation des Originaltitels, und auch Zarah Leander und die ?chilenische Nachtigall? Rosita Serrano adelte Mackeben durch seine unvergänglichen Melodien.

Neben diesen 16 Gesangsstücken bietet das Programm noch Außergewöhnliches: Drei Uraufführungen werden dargeboten, allesamt aus der unvollendeten Operette Bel Ami, kurz vor seinem Tod von Mackeben begonnen und nie zur Aufführung gebracht. ?Direkt aus dem Nachlass des Komponisten auf unsere Notenpulte?, rühmt Moderator Völmecke und kündigt stolz das ?Pariser Ballett?, die Jazz-Paraphrase ?Johann Strauß today? und die ?Tarantella? an ? allesamt rein instrumental zur Aufführung gebracht vom Orchester Musikalischen Komödie, optisch unterstützt durch das Ballett. Überraschend gelungen sind diese Raritäten komponiert, und man wünscht sich, dass sie jetzt, nach ihrer Wiederentdeckung, einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden; einzig die relativ uninteressante Choreografie des Balletts ? hier eine Drehung, dort ein Knicks ? ist enttäuschend. Erst wenn bei Liedern wie ?Viva el Torero? in spanischer Tracht aufgelaufen und gesteppt wird, ist der Zuschauer wieder versöhnt.

So kann man der Musikalischen Komödie für diesen filmreifen Abend danken und sich an dieser Musik freuen, die man erst richtig kennen lernt, wenn sie nicht in TV-Qualität, sondern live und von einem fähigen Ensemble präsentiert wird. Interessierte können übrigens am Ostersamstag, dem 19. April 2003, um 16:30 Uhr auf MDR-Kultur das Konzert im Radio nach- und miterleben. Und an Ralph Siegel und sonstige Schlagerkomponisten noch folgendes: Weniger (Popularität) ist oft ein Zeichen für mehr (Können)!

(Friederike Haupt)

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