| Drucken13.03.2007 

Plaudereien aus der Körpermitte: „Der Vagina-Penis Dialog” (Tobias Prüwer)

Der Vagina-Penis Dialog
Collage nach Motiven der Vagina- & Penis-Monologe
von Eve Ensler und Willard Manus
Connewitzer Cammerspiele - Werk II
Regie: Tina Tramp & Danilo Riedl
Mit: Katharina Bach, Karla Müller, Andre Schütze & Danilo Riedl
Premiere: 8. März 2007
www.cammerspiele.de


Plaudereien aus der Körpermitte: Der Vagina-Penis Dialog

Doch diese Worte kamen nicht von seinen Lippen, sondern aus der offenen Wunde, so als spräche er aus einem Mund zwischen seinen Beinen.
Alexandro Jodorowsky: Des Engels Kralle

Wenn Geschlechtsteile sprechen könnten, was würden sie sagen? In welchen Zungen würden sie reden, und könnten wir sie verstehen? Auf Spur dieser Fragen bewegt sich der Vagina-Penis-Dialog, dessen Premiere die Connewitzer Cammerspiele pünktlich auf den Internationalen Frauentag legten.

Seit ihrem Erscheinen 1996 haben Die Vagina-Monologe von Eve Ensler für Furore gesorgt, wurden auf konservativer Seite schamesrot als pornografisch verworfen, von FrauenrechtlerInnen als Befreiung gefeiert und vom Postfeminismus als Differenzmist kritisiert. Kein Wunder, wenn die phallologische Replik nicht lange auf sich warten ließ, und seit 2002 dank Willard Manus auch der Penis auf den Bühnen dieser Welt monologisiert.

Die Aufregung um die Plaudereien aus der Körpermitte ist etwas abgeebbt, ein gewisses Wagnis ist ihre Inszenierung dennoch geblieben. Vor die Qual der Wahl gestellt, entschied man sich bei den Cammerspielen für die Verarbeitung beider Texte. Als Collage finden sich diese gegeneinander, miteinander, übereinander gesetzt. So entsteht aus den Monologen über die Primärmerkmale der Geschlechterdifferenz ein Zwiegespräch, das von Kindheitserinnerungen handelt, vom Ersten Mal und den alltäglichen Schwierigkeiten mit den unkontrollierbaren Trieben, das aber auch von gewalttätigen Erfahrungen und Missbrauch berichtet. So lässt sich fern von Peinlichkeit(en) von hübschen Redensarten und Bildern erfahren, die neben der klinischen Sprache ums "da unten" kreisen, und über Synonymfülle und Nuancenvielfalt staunen. Durch dieses Gemisch von Perspektiven wird Der Vagina-Penis Dialog nicht zum schlüpfrigen Schenkelklopfer. Wenn natürlich die esoterische Muschi-Werkstatt oder das Männergespräch über Sinn, Zweck und Zwack von Kondomen nicht fehlen, so klingen zwischen den grellen Parts aber immer wieder leisere Töne an, die abfedernde Wirkung haben. Ohnehin kommt in der vom Text lebenden Inszenierung dem gesprochenen Wort zentrale Bedeutung zu, was durch die einfallsreichen, aber zurückhaltenden Visualisierungsformen unterstrichen wird. Die Aufführung kommt ohne Nacktheit und den Einsatz anatomischer Attrappen aus, die man aus so vielen routiniert Lacher erzeugenden Effektmaschinen kennt. Leider bricht dieser Polylog in einem zu abruptem Ende ab, franst das lose Bündel von Episoden und Erzählungen aus. Hierdurch bekommt das durchaus amüsant wie anregende Stück einen Hauch von Beliebigkeit.

(Tobias Prüwer)

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