Franca Hähle | Drucken15.05.2012 

Handeln statt Warten

Im Podiumsgespräch „Arm, aber sexy!“ kommt die Diskussion zur Lage des Kinder- und Jugendtheaters über eine Bestandsaufnahme nicht hinaus

Von links nach rechts: Dr. Gerd Taube (Leiter des bundesdeutschen Kinder- und Jugendtheaterzentrums), Moderator Prof. Dr. Günther Heeg (Institut für Theaterwissenschaft der Uni Leipzig), Jürgen Zielinski (Intendant TdJW), Prof. Dr. Thomas Lenk (Institut für Öffentliche Finanzen und Public Management der Universität Leipzig) (Fotos: Ellen Holland-Moritz)

„Dass sich etwas ändern muss, ist klar.“ Mit dieser Losung begann das Podiumsgespräch Arm, aber sexy!, das die Fördergesellschaft Theater der Jungen Welt e.V. vergangenen Dienstag im Foyer der Etage Eins veranstaltete. Was man ändern müsse und wie man dies schaffen würde, sollte nun in den folgenden 75 Minuten geklärt werden.

Auf dem Podium versammelten sich vier Kenner ihres Metiers, um über die Situation des Kinder- und Jungendtheaters zu sprechen. Mit dabei: Gerd Taube, Leiter des Kinder- und Jugendzentrums in der Bundesrepublik, Professor Thomas Lenk vom Institut für öffentliche Finanzen und Public Management der Universität Leipzig und Intendant des TdJW Jürgen Zielinski sowie Professor Günther Heeg vom Institut für Theaterwissenschaft der Uni Leipzig, der durch den Abend führte.

Doch zunächst gab es nicht viel Neues. Dass das Theater der Jungen Welt gut aufgestellt ist und beständig auf eine gute Spielzeitbilanz zurückblicken kann, ist in Leipzig durchaus bekannt. Dass die Lage in den Kulturhaushalten problematisch ist, ebenso. Die mangelnde Anerkennung, der sich die Kinder- und Jugendtheater beständig ausgesetzt sehen, ist auch kein Geheimnis. Doch das Kranken an mangelnder Würdigung und Anerkennung, die Annahme immer als Unterkategorie gegenüber dem „wirklichen“ Theater gesehen zu werden und es nicht in die Feuilletons zu schaffen, schmerzt, aber es entmutigt nicht. Dennoch muss das ewige Lied durchbrochen werden. Gerd Taube ruft deshalb mit Nachdruck zu mehr Selbstbewusstsein auf. Die Zeiten, in denen man sich über die eigene Marginalisierung beschwere, seien vorbei. Das Kinder- und Jugendtheater ist inzwischen mit 60 Sparten und vier unabhängigen Häusern deutschlandweit angekommen. Und es ist der Moment gekommen um zu sagen „Wir sind da! Und wir gehen auch nicht wieder weg“, so Taube.

Doch was wäre die Debatte ohne einen Exkurs in den Bereich, der die Kommunen beständig beschäftigt – der Kulturetat. Ob nun das Actori-Gutachten oder die Nutzwertanalyse von Prof. Lenk, die Instrumentarien für transparente und klare Entscheidungen sind da. Was letztendlich fehlt, sind Entscheider, diese jedoch blieben der Veranstaltung fern. Und da kommt der Kommentar aus dem Publikum „Nichts ist im Stadtrat so sensibel wie die Kultur“ genau passend, denn der Pott für Leipzigs Kulturinstitutionen erweist sich immer wieder als wahres Wespennest. Wirkliche Entscheidungen möchte in einer Stadt der Hochkultur, mit einem meinungsstarken Bürgerkern, niemand treffen.

In einer ähnlichen Stagnation verharrt auch der weitere Abend. Vieles, was gesagt wird, ist bekannt und dient höchstens als Bestandsaufnahme. Ein Aufbegehren gegen die Passivität der Politik bleibt leider aus. Zieht man einen Strich, so macht der Abend klar, dass viele transparente und gerechte Grundlagen ungenutzt bleiben, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, manch großem Haus Geld und Bedeutung wegzukürzen. Zudem fehlt es an klaren Zielen, die diskutiert und formuliert werden müssen. Eine öffentliche Debatte ist wichtig und nötig, dieses bleibt bisher aber aus. Die starke Abhängigkeit der geförderten Kulturinstitutionen von den politischen Entscheidungsträgern führt zu der resignierenden Annahme, dass man „auf neue Politiker warten“ müsse, doch diese Passivität passt so gar nicht zu Leipzig und zum Theater der Jungen Welt. Denn in Zeiten mangelnder Gelder geht das hiesige Kinder- und Jugendtheater mit gutem Beispiel voran, indem es zum einen durch Kooperationen finanzielle Mittel erschließt, statt auf „neue Politiker“ zu warten und es zum anderen an Selbstbewusstsein nicht fehlen lässt.

Arm, aber sexy! Die (neue) Stärke des Kinder- und Jugendtheaters

Reihe: Theater im Gespräch

Fördergesellschaft Theater der Jungen Welt e.V.

8. Mai, Theater der Jungen Welt


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