Daniel Skurt | Drucken24.11.2009 

Puppenspiel nicht nur für Kinder: Der Erwachsenenblock

Puppentanz für Erwachsene: Notizen vom 18. Festival für Figuren-, Objekt- und Anderes Theater

Im Oktober fand in Leipzig das 18. Festival für Figuren-, Objekt- und Anderes Theater statt. Dieses eigentlich für Kinder ausgerichtete Festival mit vielen Märchen lud vom 21. bis 23. Oktober abends auch ein erwachsenes Publikum in die naTo ein.

Die Tochter des Ganovenkönigs

Am 21.10. hieß es dann höchste Sicherheitsstufe in der Nato, als zwei Leibwächterinnen sowohl das Publikum als auch das Bühnenbild eingehend untersuchten, bevor sie mit der Aufführung von Ad de Bonts Krimikomödie Die Tochter des Ganovenkönigs begannen. Eigentlich ein Stück für Jugendliche, wussten Christine Müller und Claudia Acker das Publikum hervorragend durch ihr Puppenspiel zu unterhalten. Julchen, die Tochter des Ganovenkönigs, soll wie ihre Geschwister an ihrem zwölften Geburtstag verkauft werden. Doch urplötzlich ändert Papa Ganovenkönig seinen Plan, als er feststellt, dass seine Tochter die einzige ist, die noch ein goldenes Herz besitzt und nun nach ihrem Leben trachtet, um selbiges zu bekommen. Müller und Acker, unter der Regie von Susanne Olbrich, spielen meisterhaft mit den detaillierten und lebensecht wirkenden Großpuppen von Lisette Schürer. Jede Geste wird sauber ausgeführt, was die Figuren sehr real erscheinen lässt. Spielerbeine fungieren gleichzeitig als Puppenbeine und verleihen dadurch mehr Beweglichkeit. Höhepunkt der Spielkunst ist die geistig verwirrte Oma, die um zu wirken nicht einmal einen klar artikulierten Satz braucht. Ein kleiner Schwachpunkt des Stücks war allerdings die Figur des im Laufe der Zeit immer lädierteren Kommissars, der für den einen oder anderen, wenn auch platten Lacher sorgte.

Bodybuilding

Wenn die Studierenden der Berliner Hochschule Ernst Busch ein Puppenstück inszenieren, kann man sicher sein, dass für das Auge etwas geboten wird. Puppenspiel vom Feinsten. Jede Geste, jede noch so kleine Bewegung ist mehr als gelungen. Stefan Spitzer lässt beispielsweise seine Puppe auf einem Gymnastikball turnen, während Hendrika Ruthenberg von ihrer Puppe wegschaut und diese beginnt ein Eigenleben zu führen. Leider steht die Hochschule in dem Ruf perfektes Puppenspiel zu zeigen, aber keine sonstige Kreativität auf die Geschichte zu verschwenden. Und so war es auch hier. Die im Grunde interessante Ausgangssituation, übrig gebliebene Arbeitskräfte sollen zum "geneuerten" Menschen umgebaut werden, in dem man ihnen das nimmt, was einen Menschen ausmacht - seine Persönlichkeit - hätte eine spannendere Geschichte ergeben müssen, als das Gezeigte. Wenn anstelle des Wesentlichen, gängige Büroklischees wie einer dümmlichen Praktikanten oder dem tuntigen Creative Designer bemüht werden, verliert die ohnehin viel zu wirre Geschichte ihren Reiz. Was bleibt ist die Erfahrung, dass sehr gutes Puppenspiel auch ohne gescheite Geschichte Spaß machen kann.

Zinnober. Heiratet, liebt Euch, hungert zusammen!

"Dich will ich loben, Häßliches, du hast so was verlässliches" - Die letzte Vorstellung des Erwachsenblocks, des Festivals, brachte E.T.A. Hoffmann und Robert Gernhardt zusammen. Schauspielerin Annegret Geist und Pianist Tobias Rank interpretieren mit viel Musik, Wein und Gedichten von Gernhardt, Hoffmanns Märchen vom missgestalteten Klein Zaches, der mithilfe einer Fee zum mächtigen Minister Zinnober aufsteigt, neu. Kurzweilig wird mit vielfältigen Mitteln durch die Geschichte geführt. Puppenspiel, Schattentheater, Lieder und Gernhardts nicht immer jugendfreie Lyrik sorgen für die köstliche Unterhaltung des Publikums. Und da über allem eine angenehme Aura von Gelassenheit und ästhetischer Atmosphäre schwebt, gönnt man es Rank, wenn er mit geradezu heiliger Ruhe das Weinglas seiner Kollegin immer wieder von neuem füllt, damit sie mit reinkommt.

Globus 09 - 18. Festival für Figuren-, Objekt- und Anderes Theater

Theater Mücke/ Christine Müller & Claudia Acker: Die Tochter des Ganovenkönigs
Studierende der Berliner Hochschule Ernst Busch: Bodybuilding
Theater Geist & Tobias Rank: Zinnober. Heiratet, liebt Euch, hungert zusammen!

21.-23. Oktober 2009, naTo

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