| Drucken06.03.2003 

Ritter Unkenstein von Karl Valentin (Babette Dieterich)

Moritzbastei, 6.10.03 (Lachmesse)

Ritter Unkenstein von Karl Valentin
in einer Übertragung ins Sächsische von Max Reeg's GROSSER KOMÖDIE


Ja so send's, die olten Rittersleut'

Wo sonst in der MB die Disco dröhnt, haut heute Ritter Unkenstein auf den Tisch und poltert, dass das steinerne Gewölbe nur so bebt. Das ist ja auch allerhand: Sein allerliebstes Töchterlein Kunigunde verschwand für genau neun Monate, sorgte auf der Burg für ausreichend Gesprächsstoff und für einen entzückenden Erben. Doch wer ist der Vater?

Am ritterlichen Kettenstrumpf strickend, verweigert sie zunächst jede Auskunft und auch ich hüte mich davor, das Geheimnis zu lüpfen. Kommt, Volk, Haderlumpen, Ritter, Knappen und Mägdelein, und seht selbst! Es lohnt sich! Hier erfahrt ihr, wie es zuging in der mittelalterlichen Pleißenburg, als Ritter Unkenstein dort hauste. ?Wo früher feurige Rosse dem Kampf entgegenschnaubten, steht heute der gemütliche Amtsschimmel?, das neue Rathaus. Ja, früher gab es noch echte Burggeister, heute geistert höchstens noch ?eine Karteileiche in den Regalen herum?, so Maximilian Reeg in seinem Vorwort zu Ritter Unkenstein, den er höchstpersönlich und bravourös verkörpert. Aus diesen geschliffenen Zeilen spricht der Texter von Hörfunkcomedy, der u.a. auch Opa Unger die Worte auf den Leib schneidert.

Mit von der ritterlichen Partie: Steffen Lukas, Moderator und Macher des ?Sinnlos-Telefons? bei RADIO PSR, als augenrollender, schmollender, gewitzter Recke Heinrich. Anja Burkhardt, vom Radio zum Fernsehsender 9 Live gewechselt und zwischen Leipzig und München pendelnd, mimt das Fräulein Kunigunde. Mag sein, dass ihr zum Dauerlispeln des Burgfräuleins ihre Sprechausbildung zugute kam, dennoch ist diese klischeebesetzte Doofchenstimme ein wenig des Guten zuviel. Denn so doof ist sie dann doch nicht. Ende des zweiten Akts tritt dann noch Johannes Ackner in Erscheinung, seines Zeichens freier Journalist und Webmaster des Leipzig-Almanach, doch heute in der Rolle des Ritters Lenz. Was diesem Lenz wohl blüht, doch darüber hüllt sich der Schleier des Schweigens...

Grundlage dieses amüsanten Abends ist eine Komödie von Karl Valentin, aus der bayerischen Urfassung von Max Reeg's GROSSER KOMÖDIE ins Sächsische übertragen und mit viel lokalen Anspielungen angereichert, die für zusätzliche Lacher sorgen. Da gibt es neben den finsteren Rittern von Connewitz jene ganz grausigen aus der Eisenbahnstraße, da entwirft Ritter Unkenstein seinen Schlachtplan und fährt diverse Straßenbahnstationen dabei ab. Der Auenwald ist ein undurchdringlicher Urwald, aber der Clara-Zetkin-Park weist Lücken auf, also Vorsicht, Mannen!

Witzige Einfälle und Situationskomik bieten ein gutes Gegengewicht zu der klischeehaften Mittelalterthematik und brechen diese immer wieder auf. Da erscheint Recke Heinrich mit der Hellebarde, doch ihr unteres Ende mündet in einen Besen. So kann er fegen und Wache schieben in einem. Das Baby, natürlich ein Knabe (warum natürlich? Aber lassen wir dem Stück seine machohaften Allüren), liegt in einer Blechwiege und trägt eine Blechhose und Helm. Bei der großen Abschlussversöhnung schlägt sein Großvater Ritter Unkenstein den Babykopf mit seinem Pokal zusammen. Das Kind muss einiges mehr aushalten, da ist dieses Zuprosten noch das Mildeste davon! Doch das erfährst du, gemeines oder studentisches Volk, wenn du die Gemäuer der Moritzbastei mit deinem Besuch beehrst. Dass diese Gemäuer eine geniale Kulisse für das Ritterspektakel bieten, geringfügig aufgemotzt mit ein paar Wildschweinfellen an der Wand, versteht sich von selbst.

(Babette Dieterich)

Weitere Termine, Oktober: 13.10. / 14.10. / 30.10. / 31.10.03
November: 3.11. / 4.11. / 10.11. / 11.11. / 24.11. / 25.11.03
Reservierungen unter: 0341 / 70 25 90

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