| Drucken18.08.2003 

Robinson oder im Schoß des Pazifik (Marcus Erb-Szymanski)

18.08.2003 Volkshaus (Garten)

Robinson oder im Schoß des Pazifik (Premiere am 15.08.)

Regie: Marco Süß
Musik: Jan Werge
Kostüme: Eve Wright, Grit Meißner

Eine Produktion von struktur fokal e.V. Leipzig

Darsteller:
Rocio Lopez Garcia (Spanien)
Pawla Manova (Bulgarien)
Petia Nedeva (Bulgarien)
Heidrun Warmuth (Deutschland)
Csaba Raduly (Rumänien), Gelert Szucs (Rumänien)


Ein surrealer Bilderbogen zu Grundfragen der Existenz

?Was man verstehen muss, kann man nicht erklären. Was man verstehen kann, muss man nicht erklären.? Ein schöner Satz, entnommen den konzeptionellen, einleitenden Worten im Programmheft; ein schöner Satz, der wie ein Motto über der Inszenierung steht. Bezogen ist er auf das Thema ?Einsamkeit?, das anhand der Robinson-Geschichte in einem großen Bilderbogen über ca. zwei Stunden in einer wilden Gartenlandschaft nach vielen Seiten entwickelt und ausgesponnen wird.

Das Verfahren als solches ist dabei ganz einfach. Literarische Bruchstücke von Michel Tournier (dessen Buch ?Freitag oder im Schoß des Pazifik? Namensgeber und Leitfaden der Inszenierung ist) werden eingelesen, wobei die Worte über Lautsprecher wie aus dem Äther kommen. Und dann werden die Texte zu Initiationszündungen für freie Assoziationen, denen sich die Schauspieler hingeben, die der Regisseur um bestimmte Ideen bündelt und die zudem mit musikalischen Mitteln weiter ausgeformt werden.

Was entsteht, sind zunächst einmal Bewegungsstudien und schauspielerische Skizzen. Das Fragmentarische dabei ist Programm. Wird doch auf diese Weise das Narrative verweigert. Statt Geschichten zu erzählen, bleibt alles mehr im Symbolischen verhaftet. Hinzu kommt, dass die Darsteller entsprechend ihrer Herkunft in vier verschiedenen Sprachen sprechen. Das lenkt die Aufmerksamkeit ebenfalls vom Inhaltliche weg zum Formalen, in dem Fall zum Musikalischen der Sprache.

Es ist dem strengen, fast choreographischen Formgefühl der Inszenierung zu verdanken und dem schönen, ungezwungenen und dennoch souverän wirkenden Spiel der Darsteller (bei denen Rocio Lopez Garcia vielleicht als besondere schauspielerische Begabung hervorgehoben werden kann), dass die Konzeption im Ganzen aufgeht. Man erlebt ein surrealistisches Gesamtkunstwerk, in dem neben Schauspiel und Regie auch die sehr gelungenen Kostüme, die Naturkulisse und eine Menge origineller Einfälle im Detail tragende Stützen sind; ein Gesamtkunstwerk, das in Form von Bildern und Skizzen Grundfragen der Existenz berührt und dabei zugleich nach der Bedeutung von Kunst im Zusammenhang solcher Fragen sucht. (Einziger Schwachpunkt ist die Dauer des Stückes. Um die Aufmerksamkeit und Konzentration der Zuschauer nicht überzustrapazieren, müsste es stark gekürzt und ohne Pause gegeben werden.)

(Marcus Erb-Szymanski)

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