Franziska Hilde Frank | Drucken21.12.2010 

Teach me laughter, save my soul

Die Geschichte von Timm Thaler und einer unüberlegten Abmachung. Das Weihnachtsmärchen Nummer zwei auf der kleinen Bühne des Theater der Jungen Welt

Zwischen den sich gegenübersitzenden Zuschauern steht eine Holzkiste mitten auf der Bühne. Könnte ein Sarg sein. Könnte ein Bett sein. Könnte auch ein Tisch, ein Versteck oder das sein, was Sie sich wünschen.

Die Geschichte ist einfach: Timm Thaler (Martin Klemm) schließt einen Vertrag mit Baron Lefuet (Sven Reese). Es ist ein Vertrag, der nur in der Theorie Freude bereitet. Dann nämlich, wenn man sich sein Ergebnis betrachtet: Die Gewissheit, jede Wette schon beim Abschluss gewonnen zu haben. Beim Einsatz sieht das anders aus: Dafür das Lachen verkaufen und die Freude über den Gewinn gleich mit. Timm Thaler tut das und begreift langsam. Wie bei Schneewittchen lebt!, der ersten Weihnachtsinszenierung des Theaters der Jungen Welt, sind Freund und Verstand (Gösta Bornschein) gerade noch zur Stelle und schwuppdiwupp hat sich der Baron selber eine Grube gegraben. Timm hat sein Lachen zurück, der Baron seine Steifheit.

Jule Dohrn-van Rossum setzt mit dem extrem edel gekleideten Baron (das Kostüm ist perfekt!) einen starken optischen Kontrapunkt zum einfach gekleideten Timm in Cordhose und Hemd. Der graue Gehrock lässt sein goldenes Futter blitzen, die bestickte rote Weste die Steine schimmern. Der Baron ist reich, monetär gesehen. Glücklich ist er nicht. Immer weiter spitzt sich das Geschehen zu, bis Timm, fast gleich gekleidet und die gleiche Nicht-Mimik habend wie der Baron, begreift. Gösta Bornschein mit amüsantem norddeutschen Dialekt ist als Fischkopp in gestreiftem Pulli der Helfer in der Not und überlistet den Baron mit Köpfchen. Dahin ist’s mit der Stoischkeit von Timm, denn Lachen ist die Freiheit von innen.

Sven Reeses Baron ist wunderbar knöchrig und steif. Er spielt ihn ausgefeilt und detailreich. Martin Klemm vermag dies ebenso, wenn sein Timm immer mehr zum Baron ohne Gesichtsausdruck wird, er ihm aber nachvollziehbar schließlich wieder ein breites Grinsen schenkt. Überzogen und nicht immer gesetzt wirkt dagegen Susanne Krämers Spiel. Vor ihr und Gösta Bornschein ist jedoch Achtung auszusprechen, denn sie liefern sich einen wahren Umzugsmarathon und sind in diversesten Klein- und Kleinstrollen zu sehen.

Gespickt mit aktuellen und witzigen Details inszeniert Katja Lehmann Timm Thaler und das verkaufte Lachen. Da ereilt Timm schon mal das Schicksal eines Leistungsträgers und die Holzkiste rollt tatsächlich mit ausklappbaren Sitzgelegenheiten als Tisch, mit Decke als Bett oder mit eingestecktem Holzkreuz als Sarg über die Bühne.

Timm Thaler

Regie: Katja Lehmann

Mit: Martin Klemm, Gösta Bornschein, Susanne Krämer, Sven Reese

Premiere: 28. November 2010, Theater der jungen Welt

Weitere Termine: 4./9./10. Januar sowie 20.-22.Januar 2011

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