Christopher Köhler | Drucken04.04.2012 

Gedächtnissprünge

Jennifer Demmel und Angelika Waniek suchen in „Das Trapez“ im Rahmen des Werkstattmacher e.V. nach Erinnerungen und Motiven der Kindheit

Fotos: Veranstalter

Die Auseinandersetzung mit der öffentlichen und privaten Geschichtsschreibung ist ein vieldiskutiertes Feld. Sucht man nach einer Definition von „Geschichte“, stößt man auf Begrifflichkeiten wie: Vergangenheit, Ursprung, Entwicklung oder Erzählung. Aleida Assmann hat es in ihrem Buch Geschichte im Gedächtnis treffend formuliert, wenn sie schreibt: „Geschichte im Gedächtnis ist hochgradig instabil“.

Jennifer Demmel und Angelika Waniek beschreiten im Rahmen des Werkstattmacher e.V. des Loffts ihre eigene Auseinandersetzung mit individuell gelebter und erinnerter Geschichte. Die beiden Performerinnen erzählen von ihren Müttern und ihren Erinnerungen an diese. Es geht um allgemeine Erinnerung der Kindheit, die Auseinandersetzung mit den Vorstellungen der Vergangenheit und den Abgleich mit der jetzigen Gegenwart. Utopien, Wunschvorstellungen für die Zukunft und das eigene „Mutter sein“ werden behandelt. Überhaupt ist die „Mutter“ das Bezugsmodell des Abends. Dieses Modell ist der Fokus, der Ursprung für den Versuch einer Erklärung. Die Performerinnen beschreiten eine Annäherung und ein Abstoßen von diesem Bezugskonstrukt. Anhand körperlicher, akustischer und erzählerischer Stilmittel soll der Zuschauer eintreten in dieses „Gedächtniskonstrukt“.

Der Anfang beginnt im Black, aus dem „Stimmen“ Geschichten erzählen. Die Geschichten sind interessant, verlieren aber durch das „in die Länge ziehen“ der Szene ihre Wirkung, was schade ist, denn es gibt viele schöne Momente. Die Performerinnen stehen nebeneinander und frontal zum Publikum – in der Hand ein Papierblock –; sie vergleichen Merkmale ihrer Mütter mit sich selbst. Sind diese deckungsgleich wandert das Stück Papier in die Tasche der Darstellerin, ansonsten fliegt das Papier zu Boden. Die Papierfetzen sind schöne Metaphern für Erinnerungen, zeigen diese herausgerissene Momente und Aneinanderreihung die eine Identität formen können. Überhaupt gibt es viele Situationen des Schmunzelns; fühlt man sich als Zuschauer ertappt, wenn Dinge beschrieben, Schmatzgeräusche imitiert und Floskeln rezitiert werden, die einem nicht ganz fremd erscheinen.

Es ist eine ruhige, bedachte Inszenierung geworden, die letztendlich auch durch die sympathischen Performerinnen punkten kann, jedoch hätte etwas mehr Mut und Risiko auch nicht geschadet um diese Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu untermauern.

Das Trapez

Von und Mit: Jennifer Demmel & Angelika Waniek

Premiere: 26. März 2012, Lofft & Werkstattmacher e.V.


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