Tobias Prüwer | Drucken24.05.2009 

Utopische Freudentränen

Mehr Licht - Von der Unmöglichkeit eine neue Matratze zu kaufen, ohne das Universum anzuhalten

Das Eis, das heute noch trägt, ist schon sehr dünn geworden: der Tauwind weht, wir selbst, wir Heimatlosen, sind Etwas, das Eis und andre allzudünne "Realitäten" aufbricht ...
Friedrich Nietzsche: Die Fröhliche Wissenschaft

Eine flüchtige Inszenierung. Zwei Zuschauertypen kommen zusammen: Voyeure und Involvierte. Gemeinsam verhelfen sie als Aktiva und Passiva zur Abendbilanz. Ironische Wortkaskaden, kollektive Performance, musikalisches Spiel. PeterLichts Texte sprechen für sich und stehen daher im Zentrum. Die SchauspielerInnen sind schmückendes Beiwerk, sind Warenträger fürs lyrische Angebot. - Die Botschaft zahlen die EmpfängerInnen.

Mareike Mikats Inszenierung genau zu beschreiben, hieße, diese zu verderben. Eine kurze Aufzählung soll darum genügen. Gymnastikbälle und Internierungslager bieten sich als Ruhestätten an, Konfetti und Reis stürmen, Trommeln wirbeln. Ein Kreis-Lauf kollabiert, Ratten kooperieren, aus einer Regentonne erschallt der Imperativ zur Sabotage. Und immer diese Bandscheiben-Vorfälle. Der "Weltinnenraum des Kapitals" (Peter Sloterdijk) bebt, sein stahlhartes Gehäuse wird löchrig. Utopische Freudentränen tropfen vom Morgenhimmel des Kommenden. Frei nach Goethes Worten auf dem Sterbebett: Mehr Licht!

Neue Texte von PeterLicht. Von der Unmöglichkeit eine neue Matratze zu kaufen ohne das Universum anzuhalten
Regie: Mareike Mikat
Mit: Andrej Kaminsky, David Kosel & Dorothee Paul
Premiere: 22. Mai 2009, Skala

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