Alexandra Hennig | Drucken03.01.2011 

Von oben herab

„Vierfüßer“: Petra Zanki und Britta Wirthmüller erheben sich im LOFFT auf acht Beinen gegen die Evolution

Die Möglichkeiten der Fortbewegung erforschen: Tänzerinnen Petra Zanki und Britta Wirthmüller (Fotos: Douglas Abuelo)

Was ein Mensch ist, befindet sich in der Regel im kostbaren Besitz zweier Beine. So lassen sich Wege beschreiten: Ein Fuß wird vor den anderen gesetzt, Arme harmonisch schwingend, der Blick voll Entschlossenheit nach vorn gerichtet. Ja! Wir sind beherzt von den Bäumen herab gesprungen, haben Mammuts erlegt, Feuer gemacht. Gejagt und Gesammelt und uns einen Überblick verschafft. Es konnte losgehen: Im Dauerlauf zur Menschlichkeit!

Aufrecht sind unsere zweibeinigen Urgroßväter fortan durch die Weltgeschichte gewandelt. Der Weg war steinig, aber heute können wir uns einvernehmlich auf die Schulter klopfen. Lehnen wir uns zurück. Wir haben es geschafft. Blank poliert thront sie auf unseren Köpfen: Die Krone der Evolution.

Die Tänzerinnen Petra Zanki und Britta Wirthmüller jedoch haben sich auf alle Viere begeben. Unterhalb der Augenhöhe erforschen sie die Möglichkeiten der Fortbewegung, die überwunden geglaubt wird. Vierfüßer, derzeit im Lofft, stellt den erhabenen Menschen auf die Probe.

Stille herrscht im Bühnenraum, selbst der Parkettboden scheint sich entschieden zu haben, seine Gestalt zu verhandeln. Zwei Körper befinden sich kniend auf der Bühne. Die Arme parallel, senkrecht aufgestützt. Sie nehmen die Kapuzen von den Köpfen und zwei Frauen kommen zum Vorschein. Krabbelnd, kriechend, krauchend bewegen sie sich durch den Raum, als sei nichts Verwunderliches daran.

Welche Assoziationen haben sie in die Köpfe der Zuschauenden gesetzt, wenn sie mit ihren Vorder- und Hinterbein scheu über die Bühne schleichen? Jedes Geräusch lässt sie aufhorchen. Eine Lampe knackt oben an der Bühnendecke, jemand räuspert sich, Schuhe streifen den Boden des Zuschauerraums. Wenn jetzt wer niest, war’s das. Diese anmutigen beiden…ähm…Katzen? Bloß nicht zu laut atmen, nicht, dass man sie noch verschreckt. Mooooooment.

Wer sich nicht schon längst ertappt hat: Animalisch unbehaglich geht es weiter, wo zwei Becken nicht aufhören, sich rhythmisch auf und ab zu bewegen und die eigene Vorstellungskraft dem nicht mehr viel hinzuzufügen hat.

Solche Bilder rütteln mit aller Deutlichkeit an der strikten Annahme vom menschlichen Körper. Britta Wirthmüller und Petra Zanki haben sich erhoben. Weit über den Fortschrittsgedanken – zurück an das Ende der aufklärerischen Nahrungskette.

Vierfüßer

Von und mit: Petra Zanki, Britta Wirthmüller

Nächste Termine: 19. und 20. Januar 2011, LOFFT

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