| Drucken15.03.2003 

Wiglaf Droste und Gäste (Ernst Kahl und Hardy Kayser (Klaus Ritzkowski)

15. März 2003, Schaubühne im Lindenfels
Wiglaf Droste und Gäste (Ernst Kahl und Hardy Kayser)


Wenn Polizisten Schlümpfe wären

Immer mal wieder kommt Wiglaf Droste nach Leipzig. Man weiß nicht so genau, ob das daran liegt, dass er die Stadt mag oder daran, dass die Leute ihn hier mögen. Vielleicht weder noch. Nur werden seine Auftritte, je häufiger er kommt, nicht besser. Eher im Gegenteil. Unvergessen ist der Abend, den er vor etwa zwei Jahren in der Schaubühne zusammen mit dem Spardosenterzett gab. Auch der gemeinsame Auftritt mit Sibylle Berg vor einem Jahr strapazierte die Lachmuskeln noch weitaus häufiger als dieses Mal.

Das soll nun nicht heißen, dass es gar nichts zu lachen gab. Aber einer der Höhepunkte war leider nur eine Wiederholung. Ein Text, den Droste schon bei der Lesung mit Sibylle Berg vorgetragen hatte. Und einer von der schwatzhaften Mumu, der Protagonistin im amerikanischen Theaterstück Die Vagina-Monologe erzählt. Anhand anschaulicher Zitate aus dem unfreiwillig absurden Stück bringt Droste die ganze Tiefe und Tragweite des weiblichen Organs zum Vorschein. Es wird beschrieben, wie es blutet und uns in seinem Blutstrom mitreißt. Unappetitlich und sehr absonderlich, wie sich ein Mensch so etwas ausdenken kann.

Mit diesem Text zog der Satiriker gegen einen seiner Lieblingsfeinde zu Felde: die Frauenbewegung. Andere sollten folgen: das ZEIT-lesende Bildungsbürgertum, die 68er, das Gutmenschentum. Und die kulinarischen Irrwege eines schwedischen Krimi-Kommissars: belegte Brote; tagein, tagaus. Der letzte war fraglos ein weiterer Höhepunkt. Doch auch wenn es schön war, mit Droste auf den Frauenplaneten zu reisen und einen Abstecher ins Berner Oberland zu machen: die meisten Texte waren eher schwach.

Unverhoffterweise ließ sich Droste von einem mitgebrachten Gast unterbrechen, dessen Humor zumindest ein wenig schwer einzuordnen war. Ernst Kahl führte im feinsten Hamburger Dialekt ein fiktives Interview mit der Zeitschrift Wachturm, zeigte dazu Dias von einer Familienfeier aus den 60er Jahren und sang Lieder, die auf eine seltsame Art rührend und komisch waren. (Bei letzterem wurde er von Hardy Kayser auf der Gitarre begleitet.) Verständlicherweise war sich das Publikum nicht sicher, wie es diese Hamburger Version eines gealterten Olaf Schubert finden sollte. Geklatscht wurde trotzdem. Und vielleicht bringt Wiglaf Droste ja das nächste Mal wieder sein Spardosenterzett mit. Dann würde sich das Kommen auch wieder lohnen.

(Klaus Ritzkowski)

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