Franziska Reif | Drucken | Kommentare (2)16.08.2012 

Seit 38 Jahren gibt es Überraschungseier und irgendwie hatte man nicht den Eindruck, dass sich daran etwas ändern müsste. Die Schokoladen-Eier mit mehr oder weniger sinnvollem Spielzeug-Inhalt schienen ihren Markt zu haben, schließlich sind die Figuren ja sogar unter Sammlern beliebt. Irgendwas muss aber passiert sein. Entweder hat der Marketingchef in der Elternzeit mit seiner Tochter zu viel Rosa gesehen oder es ist jemand in die Firma gewechselt, der sich vorher Rasierer extra für Damen ausgedacht hat, zu erkennen an ihrer rosa Farbgebung. Dieser jemand hat dann wahrscheinlich verinnerlicht, dass jede soziale Gruppe ein Recht darauf hat, Produkte ausschließlich für sich selbst konsumieren zu können, auch dann, wenn es diese Produkte bereits gibt.

Wie auch immer, jedenfalls gibt es jetzt Kinderüberraschung nur für Mädchen. Ferrero selbst begründet diesen Schritt Dr. Mutti zufolge damit, dass man den Mädchen von heute noch mehr Schubladen anbieten will, damit sie nicht immer Fußball spielen und Karriere trainieren müssen, wie das die Mädchen von heute ja bekanntlich tun. Zum Glück war zu Zeiten, als ich Kind war, ein Überraschungsei einfach ein Überraschungsei, ohne dass sich jemand Gedanken über eine fehlgeleitete geschlechtsmäßige Sozialisation gemacht hätte. Ein rosa (Wie auch sonst?) hinterlegtes Plakat, auf dessen Hintergrund sich ein Herz abzeichnet, macht dafür Werbung. Die Fuzzis in der Werbefirma waren richtig kreativ, als ihnen der Spruch mit dem, nun ja, Wortwitz „Ei love Rosa!“ einfiel. Damit die Angehörigen der Zielgruppe auch wirklich merken, dass sie angesprochen sind, ziert das Ei, das ansonsten aussieht wie immer, ein pastellig-rosa (ja, es nervt langsam, oder?) Blütenarrangement.

Dankeswerterweise lässt sich das in der Bevölkerung nicht jeder gefallen. Das Plakat auf der Litfaßsäule nähe Volkshaus wurde ausführlich kommentiert. Gut, dass es Menschen gibt, die immer einen Edding dabei haben. Und bevor sich jemand über die vermeintliche Vulgarität des Vorwurfs „Sexistische Kackscheiße!“ aufregt: Dank Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch wissen wir, dass es sich dabei um einen (linguistischen) Fachterminus handelt.


Litfaßsäule nähe Volkshaus:

Fotos: Franziska Reif

Kommentare lesen und hinzufügen (2)

Julie schrieb am 21.08.2012 um 15:42 Uhr:

Ich konnte es auch kaum glauben, als ich das Plakat gesehen habe. Endlich gibt es Überraschungseier mit Haargummis und Lippenstift statt diesem männlichen Bastelkram. Ich finde, man hätte die Schokolade noch durch ein "light"-Produkt auf Süßstoffbasis ersetzten sollen. Sehr lustig ist auch der letzte Absatz im taz Artikel zum Thema "Ein Stück vom Lillifee-Zauberstab"(02.08.2012):
http://www.taz.de/Sexismus-bei-Ue-Eiern/!98611/

ei ei ei schrieb am 29.08.2012 um 17:53 Uhr:

ei ei ei - sehr hübsch, also die mal aktion

 
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