Text & Fotos: Franziska Reif | Drucken07.02.2008 

Neulich im Auenwald

Die Brücken oder von Oikonymen und Makrotoponymen

Auf unsere Aue können wir stolz sein: Geprägt durch eine Vielzahl von Gewässern siedelten sich hier in ungeheurer Vielfalt Pflanzen und Tieren an. Der fruchtbare Boden war auch für den Menschen attraktiv, welcher in der Aue fischte und jagte, Mühlen baute, Leder gerbte und die Wasserwege zur Flösserei nutzte. Durch den Menschen wurden nicht nur die Gewässer verändert, umgeleitet oder zugebuddelt, sondern auch Flora und Fauna verändert. Hinzu kommt, dass es seit über 50 Jahren keine großflächige Überschwemmung mehr gab und viele Teile der Aue austrockneten, was Arten vertrieb, die Wasser oder Feuchtigkeit mögen. An dieser Stelle werden schlaglichtartig Geschichten um den Auenwald zusammengetragen, Bächlein und Flüsse, Schutzgebiete, Biotope und seltene Arten vorgestellt sowie tausende Jahre Historie aufgearbeitet. Heute: Ein paar Brücken über Pleiße und Mühlpleiße.

Leipzig hat viele Gewässer. Wasser muss überquert werden und dementsprechend gibt es derzeit cirka 480 Brücken im Auenwald- und Stadtgebiet. In der Vergangenheit waren diese nie imposante Megabrücken, sondern eher kleine aus Holz oder Stein, die bei Hochwasser auch gerne mal weggefegt wurden und neu errichtet werden mussten. Als es in Mode kam, sich einen barocken Park anzulegen, wurde die Leipziger Brückenlandschaft um einige Zierbrückchen erweitert. Vor der Industrialisierung wurden Brücken inklusive ihrer Namen von den Stadtoberen nicht mit besonderer Beachtung bedacht. Wichtiger wurden die Bauwerke erst mit zunehmender Nutzungsfrequenz und somit interessierten sich zuständigkeitshalber Ämter dafür, dass alles eine Ordnung und damit einen amtlichen Namen hat. Auch heute ist ein Amt für Brücken zuständig, nämlich das für Statistik und Wahlen, welches sich sehr dafür einsetzte, existenten wie früheren Brücken nicht nur einen amtlichen Namen, sondern auch ein Gesicht zu geben, indem es ihrer Geschichte nachfahndete. So hieß die Oetzscher Brücke über die Pleiße früher Kees´sche Brücke nach dem Oberpostmeister Kees d. Ä., der sich in Versaille wähnte, als er den Kees´schen Park Anfang des 18. Jh. unweit des heutigen Cospudener Sees bauen ließ und selbige Brücke in der Siedlung Oetzsch platzierte. NutzerInnen der Fahrradautobahn dorthin oder zum und vom Cospudener See überqueren mit der Hakenbrücke die Pleiße kurz nach ihrer Vereinigung mit der Mühlpleiße.

Wer nun überlegt, welcher Haken der Brücke ihren Namen geschenkt hat, sollte ein etymologisches Wörterbuch bedienen: Die Brücke befindet sich im Revierort "Der Haken", welcher seine Bezeichnung vermutlich deshalb erhielt, weil dieses Gebiet des Auenwaldes lange unerschlossen blieb und damit eine Landspitze darstellte. Im Mittelneuhochdeutschen nannte man sowas hok oder huk. Die Mühlpleiße wird unter anderem von der Koburger Brücke überquert. Diese nicht gerade lauschige Brücke wurde im Jahr 1900 nach der Stadt Coburg in Bayern benannt, also einer Siedlung, und ist deshalb wie die Oetzscher Brücke ein Oikonym. Den Bezug zu Coburg mag man abwegig finden, aber angeblich führte die Koburger Straße früher deutlicher in Richtung Bayern als heute. Ein Jahr jünger ist der Name des Mühlholzstegs, der mit seinem Namen auf die etwas länger zurückliegende Zeit der slawischen Besiedlung zurückweist.

Die Slawen waren die ursprünglichen Errichter der nur noch in Resten vorhandenen Connewitzer Mühle an der Mühlpleiße. Dieser Mühlgraben zweigt von der Pleiße ab, mündet aber wie schon beschrieben zurück und verbindet mit "Mühlholz" und "Haken" zwei geographische Großobjektnamen, auch Makrotoponyme genannt.

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