Text & Fotos: Franziska Reif | Drucken03.04.2008 

Neulich im Auenwald

Frühling lässt sein buntes Band…

Auf unsere Aue können wir stolz sein: Geprägt durch eine Vielzahl von Gewässern siedelten sich hier in ungeheurer Vielfalt Pflanzen und Tieren an. Der fruchtbare Boden war auch für den Menschen attraktiv, welcher in der Aue fischte und jagte, Mühlen baute, Leder gerbte und die Wasserwege zur Flösserei nutzte. Durch den Menschen wurden nicht nur die Gewässer verändert, umgeleitet oder zugebuddelt, sondern auch Flora und Fauna verändert. Hinzu kommt, dass es seit über 50 Jahren keine großflächige Überschwemmung mehr gab und viele Teile der Aue austrockneten, was Arten vertrieb, die Wasser oder Feuchtigkeit mögen. An dieser Stelle werden schlaglichtartig Geschichten um den Auenwald zusammengetragen, Bächlein und Flüsse, Schutzgebiete, Biotope und seltene Arten vorgestellt sowie tausende Jahre Historie aufgearbeitet. Heute geht es darum, was der Frühling für den Auenwald bedeutet.

Das erwähnte Ausbleiben der regelmäßigen Überschwemmungen hat natürlich Konsequenzen für den Auenwald. So wird aus der Hartholzaue eine Weichholzaue, in der die Stieleiche verdrängt wird und Ahorn und Hainbuche sich ausbreiten. Schützenswert, weil mittlerweile selten, ist deshalb der sogenannte Stieleichen-Eschen-Feldulmen-Auwald. Dieser besondere Waldtyp wird derzeit vom Stieleichen-Hainbuchen abgelöst. Der ist nicht gerade selten und deshalb auch nicht so schützenswert. In Leipzig gibt es ein Pilotprojekt, bei dem jedes Frühjahr eine kleine Fläche zwischen Elsterflutbett und Pleiße geflutet wird.

Das geschieht nun schon seit 1993. Da verschiedene Arten eine unterschiedliche Überflutungstoleranz haben, verändern sich in diesem Gebiet die Arten. Stieleiche und Ulme ertragen es mehrere Monate, im Wasser zu stehen, die Esche 30 bis 40 Tage und der Ahorn nur wenige Tage. Es ist sicher kaum verwunderlich, dass sich im Testgebiet ein feuchterer Auenwaldtyp entwickelt als in den nicht gefluteten Gebieten. Das merkt man zum Beispiel daran, dass sich Wasserschwertlilien und Erlen prächtig entwickeln. Und auch Tierarten wie bestimmte Schnecken und Käfer, die Feuchtigkeit und die vorzufindende Spezialisierung der Flora mögen, sind verstärkt anzutreffen. Diese Zusammensetzung von Arten ist extrem selten und macht das Stückchen Wald zu einem auentypischen Kleinod.

Dass Frühling ist, merkt man nicht nur an der wieder erfolgten Flutung, sondern auch an gewissen Pflanzen, Frühblüher genannt. Ein dichter Teppich bunter Blüten ziert den Waldboden.

Zu finden gibt es neben Echtem Lungenkraut

das feuchtigskeitsliebende Scharbockskraut - ohne Blüte schmackhaft im Salat, mit Blüte nicht zu empfehlen, weil giftig! -,

das ebenfalls giftige Gelbe Windröschen

und das giftige Buschwindröschen.

Die Pflanzen nutzen die kurze Zeit, in der das Sonnenlicht durch die noch nicht belaubten Bäume zu ihnen durchdringen kann, um schnell Nähstoffe für die nächste Saison zu tanken. Dabei entwickeln sich am Boden gerne Temperaturen über 30 Grad: Da wird Photosythese betrieben, dass die Zelle kracht! Dem Menschen eine Augenweide, sind die Frühblüher eine wichtige erste Nahrungsquelle für Insekten.

Zu den anderen Auenwaldkolumnen:

07.12.2007
Die Parthe

07.02.2008
Die Brücken

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