Moritz Arand | Drucken | Kommentare (10)15.05.2012 

Toleranz hat Grenzen

Thor Steinar im Zentralstadion: Ist das Verbot von Nazi-Marken bei RB Leipzig noch nicht angekommen? Ein Kommentar

Tolerante Fan-Kultur? Groteskes Bild, aufgenommen am 12. Mai im Zentralstadion
(Foto: Moritz Arand)

Die Bestürzung war groß, als am Samstagnachmittag das Spiel zwischen Rasenballsport Leipzig und der zweiten Mannschaft des Vfl Wolfsburg abgepfiffen wurde (Endstand 2:2). Nach einer dramatischen Partie stand fest, dass RB Leipzig nächste Saison wieder in der Regionalliga antreten muss. Die ereignisarme erste Halbzeit ließ es zu, den Blick durch die Leipziger Fan-Kurve schweifen zu lassen. Was sich dort dem kundigen Auge präsentierte, stieß an die Grenzen des guten Geschmacks. Mitten unter den Rasenballisten, die sich immer wieder mit Nachdruck gegen Gewalt, Rassismus und Homophobie aussprechen, steht ein junger Mann, der eine graue Jacke der Marke Thor Steinar trägt. Das groteske Bild, das sich auf dem Hintergrund der üblichen Fan-Kultur des von Red Bull gesponsorten Vereins ergibt, lässt viele Fragen offen.

Ist das Verbot des Tragens der Nazi-Marke im Stadion, wie es in vielen Stadien der Republik schon durchgesetzt wurde, in Leipzig noch nicht angekommen, obwohl in der Stadionordnung das Mitführen von „rassistischen, fremdenfeindlichen, antisemitischen, extremistischen, gewaltverherrlichenden, diskriminierenden Propagandamaterial“ verboten ist? Entsprechendes gilt laut Stadionordnung „für Kleidung, die Schriftzüge oder Symbole mit eindeutiger rassistischer, fremdenfeindlicher, antisemitischer, extremistischer, gewaltverherrlichender oder diskriminierender sowie jegliche Form von politischer Tendenz aufweisen“. Dass der Begriff der Eindeutigkeit hier wieder bis zur Bruchgrenze gebeugt werden kann, darf kein Argument sein.

Hat das wachhabende Personal der Security den Fetzen einfach übersehen oder fehlt den Männern und Frauen mit der orangefarbenen Weste einfach der Blick dafür? Und wie kann es sein, dass die in der Kurve anwesenden Vertreter der Fan-Clubs, wie auch alle anderen Unterstützer des Projekts RB, den Schandfleck nicht wahrgenommen haben? Wäre es erlaubt, solche Personen mittels der Security aus der Kurve entfernen zu lassen?

Hier scheint es seitens des Vereins und der Fan-Clubs einiges an Erklärungsbedarf zu geben. Und da man ja nun nicht mit den Problemen der dritten Liga konfrontiert ist, sollte man sich über den beschriebenen Sachverhalt Gedanken machen. Sicher ist das bisher hoffentlich nur ein Einzelfall, aber es ist ein Anfang, dem man entschlossen entgegenzutreten hat, will man sich nicht mit Problemen herumschlagen, die in Probstheida so gern kleingeredet werden. Ein Verbot der Marke Thor Steinar im Zentralstadion (jetzt Red Bull Arena) und eine Storch-Heinar-Kampagne in der Fan-Kurve wären ein guter Anfang.

Storch-Heinar-Kanal auf YouTube

Kommentare lesen und hinzufügen (10)

Günter schrieb am 15.05.2012 um 12:57 Uhr:

Vielleicht könnte der Schreiberling mal erklären, was diese Marke überhaupt ist.

Ich kenne diese Marke nicht. Und warum soll sie so schlimm sein?

Sorry, ich interessiere mich für Fußball und nicht dieses Politik-Quatsch. Daher gehe ich auch zu RB, weil es hier im Fußball geht und man das runde Leder mit seiner Family erleben kann.

John L. schrieb am 15.05.2012 um 13:02 Uhr:

Sensationeller Enthüllungsjournalismus. Respekt Herr Arand! haben Sie die Begenls selbst los geschickt? Mit RB leipzig und der Atmosphäre hatten Sie jedenfalls noch nichts zu tun. Oder ist es einfach nur der übliche Angriff gegen das Großkapital - natürlich soeit unter der Gürtellinie das der Asphalt ganze 4 Millimieter vor Ihren Augen schwebt. Man man man, mehr daneben geht nicht.

Jan Klingner schrieb am 15.05.2012 um 14:04 Uhr:

Ich war im Stadion und muss nicht weit weg von diesem Spinner gewesen sein. Ihr könnt sicher sein, daß ich sofort die Fankurve hätte mobilisieren können, um diesen Typen aus der Arena zu "begleiten". Ehrlich gesagt ist das Branding sehr unauffällig... Das nächste Mal werde ich mit wachen Augen im Stadion sein. Keine Toleranz gegen Rechts! P.S. Schreibe gleich mal an Red Bull - eine Storch Heinar-Aktion wäre echt ne tolle Sache!!!

MAT schrieb am 15.05.2012 um 14:38 Uhr:

@Moritz Arand:

Und, hast Du mal jemand vor Ort drauf angesprochen?

Horst schrieb am 15.05.2012 um 17:15 Uhr:

Zitat von rotebrauseblogger "Nachtrag zu Thor Steinar: Ich hab mal beim Verein rückgefragt, weil ich der Meinung war, dass es von Beginn von RB Leipzig an eine Liste unerwünschter Symbole gab, die auch Thor Steinar beinhaltete. Das wurde mir auch so bestätigt. Thor Steinar ist und bleibt in der Red Bull Arena verboten und die Security ist entsprechend gebrieft. Dass da mal ein Einzelner durchrutscht, kann bei der Menge der Besucher passieren. Ende der Story."

AAA schrieb am 15.05.2012 um 23:46 Uhr:

Storch Heinar ist ebenso schäbig wie Thor Steinar

Anti-Korinthenkacker schrieb am 26.02.2013 um 12:39 Uhr:

Der Artikel ist so spannend, wie wenn ich China ein Sack Reis umfällt. Der Typ weiß vielleicht selbst nicht, was er an hat. Und falls doch, er ist auf dem Bild der einzige. Es gibt bestimmt wichtigere Themen.

Flummi222 schrieb am 27.02.2013 um 18:52 Uhr:

Da platzt mir echt der Sack wenn ich sowas lese...

Marlak schrieb am 27.02.2013 um 21:12 Uhr:

@ Anti-Korinthenkacker "Es gibt bestimmt wichtigere Themen."

Dann befass dich doch mit denen und nicht mit den unwichtigen, indem du hier über deren Unwichtigkeit postest.

AntiAntiAnti schrieb am 28.02.2013 um 07:31 Uhr:

Diese Typen auf dem Foto sehen eher wie Hippies aus. Kümmert euch lieber um das Kommerzproblem von diesem Verein.

 
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