Sarah Schramm | Drucken27.09.2011 

Die Qual der Wahl

Tipps und erste Eindrücke: Noch bis Sonntag locken die Argentinischen Filmtage in die Leipziger Kinos – und erstmals auch ins Hallenser LUX.Kino

Gael García Bernal in "También la lluvia" (Bild: Argentinische Filmtage)

Seit Freitag verbreiten die Argentinischen Filmtage in Leipzig wieder Südamerika-Flair. Das lockte gleich in den ersten Festivaltagen erstaunlich viel Publikum in die naTo, Schaubühne, Schauburg und ins UT Connewitz.

So voll wie am vergangenen Sonntag jedenfalls erlebt man die Cinémathèque in der naTo zur Tatort-Sendezeit nur selten. Immer mehr Menschen drängen in den Saal; aus dem Nebenraum werden zusätzliche Stühle herbeigeschafft. Als im Getümmel endlich Ruhe einkehrt, begrüßt eine Ansagerin freundlich zu den fünften Argentinischen Filmtagen. In Ermangelung eines Mikrofons liest man ihre Worte zu Handlung und Regisseur des alsbald beginnenden Films aber lieber im Programmheft nach.

Das Programmheft ist sowieso ständiger Begleiter durchs Festival, wenn man irgendwie den Überblick behalten will. Denn die Filmauswahl ist immens – mehr als 60 Filme in 10 Tagen, dazu Vorträge, Konzerte und zwei Partys. Die Themen der Filme sind so bunt wie der Lateinamerikanische Kontinent selbst: Liniers ist eine Dokumentation über den gleichnamigen argentinischen Comiczeichner, Un tren a Pampa Blanca die Geschichte einer mobilen Krankenstation in Nordargentinien und der Spielfilm Ausente handelt von der Liebe zwischen einem Jungen und seinem Sportlehrer.

Wie soll man da auf die Gretchenfrage, welchen Film man in den kommenden Tagen nicht verpassen darf, antworten? Anstelle eines Patentrezepts können nur subjektive Empfehlungen gegeben werden. Interessant verspricht sicherlich Pecados de mi padre zu werden, eine Dokumentation über den Sohn eines Drogenbosses (28.9., 20 Uhr, naTo). Ganz anders, aber nicht minder sehenswert, klingt La vieja de atrás. Der Film handelt von einer sonderbaren Beziehung zwischen einem Studenten und einer einsamen Rentnerin (30.9., 18 Uhr, Schaubühne Lindenfels).

Aber nicht nur in Leipzig, sondern erstmals auch in Halle bekommen Kinoliebhaber in den kommenden Tagen einiges zu sehen. Sehr zu empfehlen ist También la Iluvia/Even the rain von Regisseurin Iciar Bollains, der am Sonntag die naTo fast zum Platzen brachte und am Dienstag im Hallenser LUX.Kino wiederholt wird. Der Spielfilm wurde im Panorama der diesjährigen Berlinale mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Er erzählt die Geschichte einer Crew, die nach Bolivien reist, um einen Film über die Ausbeutung der Indios durch die spanische Kolonialmacht im16. Jahrhundert zu drehen. Warum das Team um Regisseur Sebastian als Drehort Bolivien wählt? Weil die Produktionskosten in diesem armen Land besonders niedrig sind. Gerade mal 2 Dollar erhält ein indigener Statist für einen Tag am Filmset – und das ist weit mehr, als er mit seiner normalen Tätigkeit verdienen würde. Während der Dreharbeiten wird das Land von seiner Geschichte eingeholt. Ein Konzern privatisiert das Trinkwasser und wieder werden Ureinwohner von mächtigen, weil reichen, weißen Männern ausgebeutet. Die Dreharbeiten werden von Aufständen der Bürger überschattet, die ausgerechnet von einem der wichtigsten Statisten angeführt werden. Klar, dass das Filmteam nicht riskieren kann, dass er in den Demonstrationen verletzt wird, denn: „Der Film geht vor. Immer.“ Ausnahmen bestätigen die Regel. (27.9., 22 Uhr, LUX.Kino Halle)

Zum krönenden Abschluss des Festivals zeigt die Schaubühne Lindenfels am Samstag und Sonntag mit Che, un hombre nuevo einen Film über die Ideen, Weltansichten und Visionen Ernesto „Che“ Guevaras. Reden und Texte aus seiner Feder bilden den Ausgangspunkt dieses „verfilmten Tagebuches“, das einen Blick in das Innere des Revolutionärs wagt. (1.9., 22 Uhr; 2.9., 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels).

Noch bis zum 2. Oktober bieten die Argentinischen Filmtage die Chance, in Leipzig und Halle lateinamerikanische Filme zu sehen, die in den meisten Fällen wahrscheinlich nicht so schnell wieder in deutschen Kinos gezeigt werden – und das bei wirklich fairen Eintrittspreisen zwischen 3 und 5,50 €. Ein kleines Manko gibt es dann aber doch, zumindest für Zuschauer, die nicht fließend Spanisch oder Englisch sprechen: Die Filme werden in Originalsprache mit englischen und manchmal deutschen Untertiteln gezeigt.

Argentinische Filmtage

23. September bis 2. Oktober 2011

www.argentinische-filmtage.de

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