Elisabeth Hauck | Drucken03.04.2014 

Herzschmerz light

Die Nick-Hornby-Verfilmung „A Long Way Down“ bietet leichte Unterhaltung mit einem überzeugenden Cast

Springen sie oder nicht: Martin (Pierce Brosnan, von links), Jess (Imogen Potts) und Maureen (Toni Colette), Foto: dcm

Es ist Silvester. Martin Sharp (Pierce Brosnan), seines Zeichens ehemaliger Star des Frühstücksfernsehens, müht sich mit einer Leiter mehrere Stockwerke zu einem der höchsten Gebäude Londons ab. Denn er will vorbereitet sein für seinen Sprung vom Topper Tower, wo solche Ideen eigentlich mit Stacheldraht vereitelt werden sollen. Aber ein gemütlicher Selbstmord wird es dann doch nicht, ist er an jenem Abend nicht der Einzige, der seinem Leben ein Ende bereiten will. Hinzu gesellen sich Maureen (Toni Colette), alleinerziehende Mutter eines behinderten Sohnes, Jess (Imogen Potts), die Tochter eines bekannten Politikers und J.J. (Aaron Paul), ehemaliger Musiker, nun Gelegenheitsjobber. Alle haben sie unterschiedliche Gründe auf diesem Hochhaus zu sein. Doch sie werden an diesem Abend nicht springen, sondern vielmehr eine Allianz auf Zeit bilden: Kein Selbstmord bis zum Valentinstag!

Nick Hornby, auf dessen gleichnamigen Buch der Film von Regisseur Pascal Chaumeil (bisher eher in Frankreich bekannt, u.a. Der Auftragslover) basiert, ist dafür bekannt charmant-skurrile Figuren in ungewöhnlichen Geschichten aufeinandertreffen zu lassen. Auch hier sind die Grundlagen dafür vorhanden. Doch leider springt der Funke nie ganz über. Das liegt aber nicht etwa an dem größtenteils guten Cast. Nick Hornby gab in einem Interview zu Protokoll, dass er nie geglaubt hätte, dass solch ein Gentleman wie Pierce Brosnan mal eine seiner Figuren spielen würde. Brosnan schafft es aber seinem Martin Sharp trotz dessen zwielichtiger Vergangenheit genügend Charme zu verleihen und ihn somit als Sympathieträger zu etablieren. Auch Imogen Potts (u.a. Jane Eyre) spielt die durchgeknallte Jess mit ausreichend Verve. Toni Colette hat schon in About a Boy glaubhaft eine Nick Hornby-Figur verkörpert und brilliert auch diesmal. Nur Aaron Paul, der vielen aus Breaking Bad bekannt ist, bleibt blass.

Es ist die dahinplätschernde Geschichte, die nicht so richtig zünden will. Denn natürlich werden sich die vier in den sechs Wochen bis zum Valentinstag mehr als einmal über den Weg laufen. In dieser Zeit erfahren wir mehr über das Leben der vermeintlich Lebensmüden und so manches Geheimnis wird zu Tage gefördert. Doch all dies bleibt eher oberflächlich und berührt kaum. Pascal Chaumeil schien eher darauf bedacht einen Wohlfühl-Film zu kreieren als sich wirklich mit den Figuren auseinanderzusetzen. Schade, denn so verpasst er die Chance, die ihm von Hornby geschenkt wurde. Gerade im Vergleich mit dem erwähnten About a Boy kann A Long Way Down nicht mithalten. Wärmte der eine dem Zuschauer das Herz und füllte einige Augen mit Tränen, ist der andere nur belanglos schön.

All diese Einwände sind trotzdem kein Grund sich den Film nicht anzuschauen. Es bleiben noch die tollen Figuren, die von einem größtenteils vortrefflichen Cast verkörpert werden. Auch der typische britisch-schwarze Humor von Hornby kommt an manchen Stellen ganz gut zur Geltung. Zudem wird trotz des vermeintlich ernsten Themas niemand deprimiert aus dem Kino gehen. Wer auf der Suche nach einem leichten Kinogenuss ist, wird bei A Long Way Down fündig.

A Long Way Down

Großbritannien/Deutschland 2014, 96 Minuten

Regie: Pascal Chaumeil; Darsteller: Pierce Brosnan, Toni Colette, Imogen Potts, Aaron Paul

Kinostart: 3. April 2014


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