| Drucken23.03.2005 

And the Oscar goes to: Clint Eastwood „Million Dollar Baby” (Steffen Lehmann)

Million Dollar Baby
USA, 2004, 137 Min.
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Clint Eastwood, Hilary Swank, Morgan Freeman
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 24. März 2005

Bilder: KinoweltEin weises Alterswerk

Eigentlich war alles so schön angerichtet für Martin Scorcese. Sechs Mal war der Regisseur (Wie ein wilder Stier, Gangs of New York) bereits für den Oscar nominiert. In diesem Jahr sollte es endlich mit The Aviator klappen. Doch es wurde wieder nichts. Und die Juroren haben wohl daran getan, Million Dollar Baby auf den diesjährigen Olymp zu heben. Für Clint Eastwood gab es nach Unforgiven den zweiten Regie-Oscar und den Preis für den besten Film. Morgan Freeman erhielt nach langer Wartezeit die kleine Goldfigur als bester Nebendarsteller.

Clint Eastwood hat eine erstaunliche Metamorphose als Schauspieler durch. Angefangen als Darsteller in Italo-Western, über Harry Calahan in Dirty Harry, der nur seiner 45er Magnum vertraute, hat Eastwood in den letzten Jahren vor allem als Regisseur brilliert. Mit Mystic River oder Blood Work drehte er Filme, die so gar nicht in das Schema von Hollywood passen. Das ist die Gnade des Erfolgs. Ihn interessieren heute weniger die strahlenden Helden als die Menschen, die sich jeden Tag neu durchkämpfen müssen. Dementsprechend groß war die Skepsis bei den Studiobossen, als Eastwood seine Filmidee zu Million Dollar Baby vorstellte: Ein gescheiterter Boxer, der sich mit seiner Boxhalle über Wasser hält, ein Hausmeister, der beim Boxen ein Auge verloren hat und eine Kellnerin, die sich von den Essensresten ihrer Kunden ernährt. Million Dollar Baby ist nur auf den ersten Blick ein Boxfilm. Eastwood spielt den Boxtrainer Frankie Dunn, der unter der Trennung von seiner Tochter leidet. Jede Woche schreibt er einen Brief, der immer wieder ungeöffnet zurückkommt. Seine besten Boxer verlassen ihn immer, weil er glaubt, sie vor dem Risiko des Erfolgs schützen zu müssen. "Immer an die Deckung denken", ist sein Motto. Auch Frankies Deckung war lange Zeit in Ordnung. Bis Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) in der Boxhalle auftaucht. Sie entspricht dem, was Soziologen als "White Trash" titulieren. Sie hat nur einen Traum. Sie will Boxen und sie will Erfolg. Dafür ist sie bereit alles zu tun. "Tough ain't enough!" (Stark sein, reicht nicht), beendet Frankie auch ziemlich schnell das erste Treffen. Aber Maggie lässt sich nicht abweisen und trainiert unverbissen weiter. Der Hausmeister Scrap (Morgan Freeman) gibt ihr heimlich Tipps. Diesen Enthusiasmus kann sich Frankie bald nicht mehr entziehen. Er übernimmt ihr Training und Maggie schickt ihre Gegnerinnen bald reihenweise auf die Bretter.

Soweit so gut. Aber nach 80 Minuten kommt die Wende des Films wie eine krachende linke Gerade. Jetzt blickt Eastwood hinter die Kulissen der vormaligen Siegergeschichte. Nach ihrem ersten WM-Kampf ist Maggie vom Hals ab gelähmt. Frankie will ihr helfen, kann aber nicht. Maggie fordert von Frankie einen furchtbaren Gefallen. Er soll die medizinischen Geräte abschalten. Es geht um einen Gewissenskonflikt. Um gottgewolltes Schicksal und würdeloses Leiden. Um das Recht auf Sterbehilfe.

In den USA haben diese Szenen für einen Aufruhr unter der religiösen Rechten gesorgt. Aber Eastwoods Film ergibt sich nicht dem Pathos. Er zeigt einen Mann, der nichts für diese Frau tun wollte und am Ende doch alles für sie tut. Million Dollar Baby ist schnörkellos. Und trifft dorthin, wo alle guten Filme treffen sollten: ins Herz.(Steffen Lehmann)

Der Film läuft ab dem 24.3.05 in den Passage-Kinos.

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