Jörn Seidel | Drucken24.10.2005 

Ein neues Zuhause für Filmmusik

Die neue Zeitschrift "Cinema Musica" im Portrait

Als "siebte Kunst" ("septi?me art") feierte man in Frankreich einst den Film. Tatsächlich ist Film immer als Gesamtkunstwerk zu verstehen, das sich aus unterschiedlichen gestaltenden Komponenten zusammensetzt. Dass der Musik dabei eine besondere Rolle zuteil wird, liegt an ihrer potentiellen Autonomie. Im Vergleich zu der Inszenierung, der Kamera, dem Szenenbild und der Schauspielkunst scheint die Musik nicht auf ewig mit dem Film verbunden zu sein, sondern davon losgelöst auch ein Eigenleben führen zu können. So hat sich Filmmusik seit der Stummfilmbegleitung und dem ersten Tonfilm, The Jazzsinger von 1927, nicht nur stetig fortentwickelt, sondern ist zu einem festen Bestandteil des Merchandisings geworden. Zugleich gilt Filmmusik heute aber auch als ernst genommene eigene Form der Kunstproduktion.

Unter diesem Augenmerk gründete nun eine Gruppe junger Bremer Film-, Musik- und Filmmusikbegeisterter die "Cinema Musica" und tritt damit ganz offiziell die Nachfolge des "Film Music Journals" (FMJ) an, das im Frühling 2005 zum letzten Mal erschien. Das in der Schweiz herausgegebene FMJ war mit 34 Ausgaben in über zehn Jahren das einzige Print-Fachmagazin für Filmmusik im deutschsprachigen Raum. Inhaltlich soll das Konzept des FMJ fortgesetzt werden, so Chefredakteur und Mitherausgeber Mike Beilfuß. Das heißt, man setzt weniger auf professorale Gelehrsamkeit als auf den Austausch zwischen Filmbegeisterten. Getragen wird die "Cinema Musica" wie auch das FMJ von einem großen ehrenamtlichen Engagement. Das Redaktionsteam besteht überwiegend aus Studenten. Allerdings kann auf die erfahrenen Autoren des FMJ zurückgegriffen werden. So steht die Qualität der Texte im spannenden Verhältnis zwischen Laientum und Professionalität.

Die Titelstory des ersten Hefts gilt keinem Geringeren als Howard Shore, dem Filmkomponisten von Lord of the Rings, Gangs of New York und Filmen von David Cronenberg. Portraitiert wird er in zwei ausführlichen Konzertberichten und einem Interview, das mit köstlichen Situationen aufwartet: "Haben Sie den Film gesehen? - Wie können Sie dann eine Frage zur Verwendung der Musik in diesem Film stellen?" Daneben gibt es Interviews mit Mychael Danna, Knut Becker und Rolf Wilhelm. Ein weiteres Special gilt John Williams' Musik zur Star Wars-Serie. Kern eines jeden Heftes ist der ausführliche Rezensionsteil, der in der ersten Ausgabe knapp 60 Rezensionen auf 23 Seiten umfasst.

Mitte Oktober 2005 wurde bereits die zweite Ausgabe der "Cinema Musica" veröffentlicht, die nun regelmäßig jedes Vierteljahr erscheinen soll. Diesmal im Interview: Marcel Barsotti und Zbigniew Preisner. Weitere Themen: das Festival SoundTrack_Cologne, Vangelis und Blade Runner. Bestellen kann man die Zeitschrift über die Homepage www.cinemamusica.de. Nicht zuletzt deren ergiebige Linksammlung lässt erkennen: Filmmusik hat wieder ein Zuhause.

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