Benjamin Brückner | Drucken07.04.2011 

New Beginnings in New Orleans

In „Willkommen bei den Rileys“ zeigt Musikvideospezialist Jake Scott in rührender Weise die ganz eigenen Gesetze des Lebens – und dass Gutes im Schlechten liegen kann.

Doug Riley alias James Gandolfini alias Tony Soprano und Kristen Stewart (Bild: Arsenal)

Nachts schleicht Doug Riley aus seinem Bett und weint bitterlich im Dunkeln seiner Garage. Ein Jahr ist vergangen, seit der Sanitärunternehmer und seine Frau Loїs ihre nur 15 Jahre alte Tochter Emily bei einem Autounfall verloren haben. Seitdem ist ihre Ehe ein einziges Imitat einer ehemals authentischen Liebe. Eines Tages tritt der Geschäftsmann eine Dienstreise nach New Orleans an, die gravierende Folgen hat. Genervt von den oberflächlichen Kollegengesprächen und mit seiner eigenen Gefühlswelt überfordert, stolpert er verwirrt in einen Stripclub und lernt dort die 16 Jahre alte Allison kennen, die unter dem Pseudonym Mallory (und zahlreichen weiteren Namen) tanzt und Prostitution betreibt. Vom Alltag der Jugendlichen erschüttert, schlüpft Doug in die Vaterrolle und hilft ihr so gut er kann aus einer völlig verfahrenen Lebenssituation ohne Geld, Zukunft und Liebe.

Willkommen bei den Rileys ist eine faszinierend schlicht erzählte und zugleich vielschichtige und ernsthafte Geschichte menschlichen Wachstums. Der Film stellt die Frage nach den verschiedenen Betrachtungsweisen auf die selbst schrecklichsten Geschehnisse im Leben. Der einfühlsame James Gandolfini, sonst bekannt als skrupelloser Mafiachef Tony in der Serie Die Sopranos, und die begabte, durch die Twilight-Teile berühmt gewordene Jungschauspielerin Kristen Stewart brillieren gemeinsam mit dem Serienstar Melissa Leo als fast-familiäres Trio.

Das alles geschieht inmitten eines von Naturkatastrophen gebeutelten New Orleans. Hurrikan Katrina ist zwar schon einige Jahre her, doch sind die Stadt und die traumatisiert umher irrende Mallory voller unverheilter Wunden. So hat der disziplinierte Riley kein leichtes Spiel mit der sich gegen Bevormundung wehrenden Mallory. Es ist ein Tauziehen zwischen Dankbarkeit und Widerstand, das zu einem spannenden Wechselspiel führt, über dessen Ausgang der Zuschauer bis zuletzt im Ungewissen gehalten wird.

Dabei verkörpert Stewart die gebeutelte Mallory konstant so beklemmend authentisch, dass ihr sozial-desolater Hintergrund, aus dem sie ursprünglich zu entkommen versuchte, in jeder Szene mitschwingt. Innerhalb einer Rekorddrehzeit von 28 Tagen entstand so ein ganz eigenes Drama mit der zentralen Botschaft „Hoffnung“.

Willkommen bei den Rileys

USA 2010, 110 min

Regie: Jake Scott, Darsteller: Kristen Stewart, James Gandolfini, Melissa Leo

Kinostart: 7. April 2011


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