Veronika Pilch | Drucken05.11.2015 

Was heißt schon normal?

DOK Leipzig: „Gayby Baby“ zeigt vier werdende Jugendliche aus Regenbogenfamilien und begleitet sie durch den Alltag

Gus wächst mit zwei Müttern auf. Besonders weiblich macht ihn das nicht. Immerzu trainiert er, damit er später mal wie seine Vorbilder im Wrestling aussieht. (Foto: DOK Leipzig)

Die Regisseurin Maya Newell ist mit zwei Müttern aufgewachsen und kannte kein anderes Kind mit vergleichbarer Familienaufstellung. „Es war mir ein großes Anliegen diesen Film zu machen, um Kindern aus Regenbogenfamilien ein Angebot der Identifikation zu bieten“, sagt die Maya Newell bei der Premiere von „Gayby Baby“ beim Leipziger Dokfestival.

Gus, Matt, Graham und Ebony haben alle eines gemeinsam, sie haben gleichgeschlechtliche Eltern. Doch so gleich die Ausgangssituationen auch scheinen mögen, so unterschiedlich sind die Themen, die die Kinder beschäftigen. Da ist zum Beispiel Gus, dessen Gedanken um seine zukünftige Männlichkeit kreisen. Er trainiert und kämpft schon jetzt, damit er in naher Zukunft seinen Vorbildern aus dem Wrestling ähnelt. Zum großen Bedauern seiner feministischen Mütter verwickelt Gus seine kleinere Schwester in abenteuerliche und schmerzhafte Kämpfe. Im Gegensatz zu Gus ist Matt eher introvertiert. Er sieht sich ständig mit dem christlichen Glauben seiner Mütter konfrontiert. Er versteht nicht, warum seine Mütter an eine Religion glauben, die ihre Familienaufstellung als Sünde bezeichnet. Für ihn ist es ein unüberwindbarer Widerspruch, der ihn nicht an Gott glauben lässt. Graham gerät zunächst etwas in den Hintergrund, weil er mit fünf Jahren erst Sprechen gelernt hat und im Film lieber nicht so viel sagt. Er verzweifelt regelrecht daran und hat Angst, die an ihn gestellten Erwartungen nicht zu erfüllen, weil er nachholen muss, was andere Kinder in seinem Alter spielend hervorbringen. Ebony ist das einzige Mädchen unter ihnen und wünscht sich nichts sehnlicher, als im Gymnasium für Performative Künste aufgenommen zu werden. Ihre Mütter haben nicht viel Geld, versuchen Ebony, so gut es eben geht, bei ihrem Vorhaben zu unterstützen.

Maya Newell hat ihre Protagonisten sehr sorgfältig ausgesucht, denn sie sind alle charismatisch und lustig, sie bringen Leidenschaft und gleichzeitige Stärke mit, die man als Zuschauer gebannt verfolgt, um sich im nächsten Moment das Taschentuch hervorzuholen, weil diese Eltern-Kind-Liebe zu Tränen rührt und man so wunderbare Menschen am liebsten selbst um sich hätte.

Der Film betont die Liebe und auch den Verzicht der Eltern für ihre Kinder. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Familie aus einer Mutter und einem Vater, zwei Müttern oder zwei Vätern besteht. „Gayby Baby“ vermag es, seine Zuschauer dazu anzuregen, die heteronormative Beziehung als einziges Vorbild für Familien zu hinterfragen. Maya Newell führt vor Augen, dass es viele Möglichkeiten gibt, eine Familie zu führen, sei es mit biologischen oder sozialen Eltern oder mit Freunden, die mithelfen, sich um die Kinder zu kümmern. Es wird Zeit, so der Film, das Konstrukt Familie zu überdenken und um einige Personen zu erweitern.

Gayby Baby

Australien 2015, 85 Minuten

Regie: Maya Newell

DOK Leipzig 2015

Internationales Programm

Kids DOK

Filminfos und Trailer auf www.dok-leipzig.de

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