| Drucken04.01.2005 

Ein augenschwindelnder Film: „The House of Flying Daggers” (Lina Dinkla)

The House of the Flying Daggers
(Shi mian mai fu)
China 2004, 119 min.
Regie: Zhang Yimou
Drehbuch: Feng Li, Bin Wang, Zang Yimou
Kamera: Xiaoding Zhao
Darsteller: Takeshi Kaneshiro, Andy Lau Tak Wah, Zhang Ziyi, Song Dandan
Kinostart: 6. Januar 2005

(Bilder: Constantin Film)Fliegende Messer in China

Das Haus der fliegenden Dolche, der Titel trifft es ziemlich auf den Punkt. Messer und Dolche zischen in virtuoser Kampfkunst über die Leinwand, das einem abseits der hochromantischen und tragischen Liebesgeschichte um Jin, Leo und Mei hin und wieder etwas mulmig in der Magengegend wird.

Doch der Reihe nach. Der Kern der Story ist simpel und vielleicht deshalb um so wirkungsvoller. Sie wurde tausendfach erzählt und ihr kann trotzdem immer wieder etwas Neues hinzugefügt werden. Zwei Männer lieben eine Frau, die sich wiederum zwischen den beiden nicht entscheiden kann; tragisch und romantisch, wie gesagt.

China im Jahr 859, es ist die glanzvolle Zeit der Tang Dynastie, dessen Blütezeit jedoch allmählich am verwelken ist. Jin und Leo sind überzeugte Polizisten des Regimes, innerhalb von nur zehn Tagen sollen sie den Kopf der Rebellenbande "Fliegende Messer" aufspüren und unschädlich machen. Jin bekommt den Auftrag die Tänzerin Mei zu befreien. Diese hat man unter der Annahme, sie sei die Tochter des ehemaligen Anführer der Truppe, gefangen genommen. Jin soll nun undercover in ihrer Nähe bleiben, um mit ihrer Hilfe früher oder später auf die Spur der Fliegenden Messer zu gelangen. Der Plan gelingt, Jin kann das Vertrauen von Mei gewinnen und noch weit mehr als das. Die gemeinsame Flucht vor den Truppen des Militärs und die gemeinsam gewonnenen Kämpfe schweißt die beiden Meisterkämpfer enger zusammen als Jin es sich eingestehen will. So richtig problematisch wird das allerdings erst in dem Moment, als sie die Anführerin der Fliegenden Messer finden (oder war es doch umgekehrt?), Jin gefangen genommen wird und - wie sollte es in einem ostasiatischen Leinwanddrama anders sein - ausgerechnet von Mei liquidiert werden soll.

Wie eine Art roter Faden wird der gesamte Film durchzogen vom Spiel mit der Identität. Mal wird der Zuschauer eingeweiht und erfährt vom ausgeheckten Plan, dann wieder tut sich plötzlich und unerwartet eine Wendung auf, die alles bislang erzählte in ein anderes Licht stellt.

Zhang Yimou hat bereits mit Hero unter Beweis gestellt, dass er sich im Martial Arts Metier bestens auskennt. Und so ist ihm auch mit The House of the Flying Daggers ein unglaublich mitreißend wirbelndes Körperkampfkunstwerk mit augenschwindelnden Bildern gelungen, dem man die ein oder andere Schwäche im Plot verzeihen sollte. Es ist ein großer Spaß Takeshi Kaneshiro, Andy Lau Tak Wah und Zhang Ziyi beim intelligenten Säbelschwingen in atemberaubend schöner Landschaft zuzuschauen. Auch wenn der Schnee am Ende etwas zu viel des Guten ist.

Was den Film jedoch in die tiefsten Tiefen des abgeschmacktesten Kitschkinos zieht, ist die unsäglich peinliche deutsche Synchronisierung. Wo immer es also möglich ist, sollte man sich deshalb eine untertitelte Originalfassung anschauen.(Lina Dinkla)

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