Elisabeth Hauck | Drucken19.02.2015 

It's the witch from next door

“Into the Woods” ist ein großes Märchen-Mash-up, das höchstens für Freunde des Musical-Genres den Kinobesuch lohnt

Für ihre Rolle der schrulligen Hexe in „Into the Woods“ bekam Meryl Streep ihre 19. Oscar-Nominierung. (Fotos: Verleih)

Into the Woods basiert auf dem gleichnamigen Musical von Stephen Sondheim und James Lapine. Über 30 Jahre hinweg hat es u.a. auf dem Broadway große Erfolge gefeiert und Auszeichnungen wie den Tony-Award eingeheimst. In den USA sind viele mit der Geschichte und den Songs gut vertraut.

Anders gestaltet sich die Lage in Europa, respektive Deutschland. Wer hier nicht Musical-Fan ist, wird von diesem großen Märchen-Mash-up noch nichts gehört haben.

Das ändert sich nun mit der Verfilmung. Und wer sonst sollte sich dessen annehmen als Disney, die seit jeher für die Adaption und Modernisierung etlicher Märchenstoffe bekannt und beliebt sind?! Die Regie wurde Rob Marshall anvertraut, der mit dem Musical-Film Chicago 2002 sehr erfolgreich war und für den letzten Teil von Fluch der Karibik verantwortlich zeichnet.

Dabei hatte Marshall gute Gesellschaft. Große Namen wie Johnny Depp, Meryl Streep und Emily Blunt führen den Cast an. Der geneigte Zuschauer wird da schon neugierig, was es denn mit Into the Woods auf sich hat.

Im Ganzen vermischt der Film fünf Erzählstränge bzw. Märchenebenen miteinander: die von Cinderella/Aschenputtel, Jack und den Bohnen, Rotkäppchen, Rapunzel und die Geschichte des kinderlosen Bäckerpaares. Der Einstieg in die Geschichte und die Verknüpfung dieser Teile funktioniert dann auch ganz wunderbar. Ausgangspunkt ist das Bäckerpaar (Emily Blunt und James Cordon), das von der Nachbarshexe mit einem Fluch belegt worden ist. Das Paar ist dadurch kinderlos. Meryl Streep gibt dabei die schön schrullige Hexe und fegt mit großem Tamtam durch die Kulissen. Diese Darstellung hat ihr dann auch die 19. Oscar-Nominierung eingebracht.

Auch Rotkäppchen ist mit dabei. Links Johnny Depp als Jack-Sparrow-Ausgabe des bösen Wolfs.

Um den Fluch aufzuheben, soll das Bäckerpaar der Alten innerhalb von drei Tagen (bis zur Mitternacht) vier Gegenstände bringen: eine Kuh so weiß wie Milch, einen Mantel so rot wie Blut, Haar so gelb wie Korn und einen goldenen Schuh. Deshalb ziehen die beiden in den Wald, wo der Rest der Handlung stattfindet und alle Figuren sich begegnen. Wie die Märchenebenen dann verwoben werden, ist ebenfalls gelungen. Mit viel Augenzwinkern und sogar einer Portion schwarzen Humor werden die Märchenelemente aufgegriffen, zitiert und variiert. Der Wald wird als Ort, an dem die dunkelsten Geheimnisse zu Tage treten, etabliert. Freuds Psychoanalyse lässt grüßen.

Deshalb ist im Zusammenspiel mit dem hervorragenden Productiondesign und den sehr eingängigen Songs vor allem die erste Hälfte von Into the Woods auch für Musical-Muffel ein veritabler Spaß. Zudem stolpert Johnny Depp im ersten Teil als eine Jack-Sparrow-Ausgabe des bösen Wolfs durch die Szenerie. Sein Gesangstalent hatte er ja schon bei Tim Burtons Sweeney Todd unter Beweis gestellt. Schade nur, dass sein Auftritt naturgemäß nach einigen Minuten vorbei ist.

Im zweiten Teil verlässt Into the Woods dann allerdings diesen sehr unterhaltsamen Rahmen und verfranst sich in seltsamen Handlungswendungen. Plötzlich wirkt der Film zu ausufernd und lang, das Interesse flaut ab. Das mag vielleicht daran liegen, dass sich im zweiten Teil die Märchenwelt an den Realitäten der normalen Welt abreibt. Der Zauber ist verflogen, der Alltag holt die Figuren ein. An sich eine gute Idee. Neben des Mash-up-Prinzips sicherlich ein Orginalitätspluspunkt des Stoffes. Doch nun will das Miteinander der verschiedenen Märchen nicht mehr so recht funktionieren.

Und das Ende ist dann ganz in Disney-Manier. Der Song „No One Is Alone“ ist wie für die Märchenfabrik des Studios gemacht: schwelgerisch, süßlich und kitschig. Auch das ist schade. Musical-Fans werden damit wahrscheinlich keine Probleme haben. Aber der normale Kinogänger fühlt sich um einen guten Film, der Into the Woods durchaus hätte sein können, betrogen.

Into the Woods

USA/Großbritannien/Kanada 2014, 124 Minuten

Regie: Rob Marshall; Darsteller: Meryl Streep, Emily Blunt, Anna Kendrick, James Cordon, Johnny Depp u.v.a.

Kinostart: 19. Februar 2015


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