Benjamin Brückner | Drucken20.08.2011 

Justin lieben und Sony kaufen

Auf Gratwanderung zwischen herzlicher Unterhaltung und hohlem Werbeclip: Justin Timberlake und Milena Kuris in der Romantic Comedy „Freunde mit gewissen Vorzügen“

Product Placement? I wo! Mila Kuris (Jamie) und Justin Timberlake (Dylan) bei Werbeaufnahmen für eine bekannte Männerzeitschrift mit zwei Buchstaben

Wir alle kennen sie, die schmalztriefenden Hollywoodkomödien, in denen Liebesschwüre und lange Kussszenen nach einer Hürde von Problemchen das romantische Ende einer kitschigen, zweistündigen Slapstick-Dauereinlage einläuten. Und auch wenn der abgedroschene Titel des Films „Freunde mit gewissen Vorzügen“ derartige Vorahnungen wecken mag, beweist Regisseur Will Gluck, dass Filme aus Hollywood durchaus Humor fernab dieser eingetretenen Pfade haben können.

Der erfolgreiche in Los Angeles lebende Künstler Dylan Harper soll nach New York ins Redaktionsboot der Männerzeitschrift GQ gelockt werden. Für diesen Zweck wird die Personalabwerberin Jamie engagiert. So versucht sie, dem skeptischen Dylan durch eine innerstädtische Kompakterlebnisreise den Big Apple so schmackhaft wie möglich zu machen. Dabei entwickelt sich eine starke Zuneigung zwischen den beiden, die jedoch schnell ihre emotionalen Grenzen erfährt. Denn auf Grund ihrer Erfahrungen mit kläglich gescheiterten Beziehungen versprechen sich Jamie und Dylan, Freunde zu bleiben, die ab und an miteinander schlafen.

Klingt ausgelutscht? Stimmt, bis hierhin liest sich die Geschichte so spannend wie ein Baumarktprospekt. Doch der Film steigert sich in eine ehrliche und unerwartete Komplexität.

Nicht zuletzt liegt dies an der funktionierenden Chemie zwischen den beiden Protagonisten und einer sich erst im Laufe der Story offenbarenden Familientragödie. Der sonst auf musikalischen Pfaden wandelnde, ehemalige *NSYNC-Sänger mimt dabei imagekonform aber authentisch den Boy Next Door.

Kunis‘ Figur hingegen wirkt unglaubwürdiger, was nicht ihrer schauspielerischen Leistungen, sondern der Eindimensionalität ihrer Rolle zu schulden ist. So wird ihr familiärer Hintergrund im Gegensatz zu dem von Dylan nur äußerst lückenhaft über ihre exzentrische Mutter an den Zuschauer herangetragen. Wenig überzeugen auch, dass der rabiat formulierte Korb eines wirklich nicht in ihrer Liga spielenden Ex-Freundes genügt, um das Selbstbewusstsein einer gestandenen, attraktiven Frau, die auch noch in aggressiver Mitarbeiterakquise tätig ist, zu zertrümmern. Auch Freundschaften scheint Jamie nicht zu haben. Dylan kann sich zumindest auf den schwulen Stereotyp vom Sportredakteur namens Tommy verlassen.

Und das ist nicht das einzige Klischee. Gemeinsames Abhängen auf dem filmisch ausgelutschten Hollywoodschriftzug oder Jamies Flucht aus der Moderne auf ein einsames Dach in New York, wie es schon Jim Carroll zum Onanieren tat, sind nun wirklich wenig kreative Gelegenheiten, um die Individualität der Charaktere zu unterstreichen.

Dennoch langweilen die Bilder nicht – wie eine Ode an die beiden berühmten Städte Los Angeles und New York fängt die Kamera Skylines und beeindrucke Landschaften verspielt ein. So haben die Charaktere die Chance, miteinander in abwechslungsreichen Kulissen agieren zu können.

Störend hingegen das aufdringliche Product-Placement. Das ein oder andere Handy mit der Gravur Sony wäre zu verschmerzen. Wenn allerdings nahezu jedes Gerät den Schriftzug dieser Firma ziert, kommt in Kombination mit der dauerpräsenten GQ das Gefühl auf, einen Werbefilm zu sehen. Passend hierbei auch, dass vieles wie das Wohlstandsstrandhaus der Harpers ein bisschen an Daily-Soap-Traumwelten erinnert.

Thematisch wird der Film seinem Genre gerecht. Die meisten Gags zünden. Und nur angenehm wenige von ihnen sind sexuell-plumper Natur wie in so manchem deutschen Pendant. Vielmehr zieht sich ein lockerer Humor durch den Plot, der die beiden Geschlechter ohne den Verlust von Wertschätzung mit einem Augenzwinkern aufs Korn nimmt.

Und auch wenn Gluck sich nicht so Recht aus der materialistischen Glitzerwelt befreien will, entsteht auf der Leinwand eine sensible, amüsante Erwachsenenkomödie.

Freunde mit gewissen Vorzügen

USA 2011, 109 min
Regie: Will Gluck, Darsteller: Justin Timberlake, Mila Kunis, Woody Harrelson, Jenna Elfman

Kinostart: 8. September 2011


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