Maria Preußner | Drucken23.06.2011 

Unterhose an Unterhose

Die Passage Kinos zeigen in der schwullesbischen Reihe „Queerblick“ am 29. Juni den argentinischen Film „Plan B“ von Marco Berger. Ein charmanter Beweis dafür, dass Pläne nicht immer aufgehen müssen – schon gar nicht wenn’s um Liebe geht

Aus Inszenierung wird Freundschaft (Bilder: Pro-Fun Media)

Völlig entrüstet stellt Bruno im Alter von Zwanzigirgendwas mit Kumpel Pablo fest, dass es Peter Pan nie gegeben hat. Denn gerissen wie er ist, leitet Bruno aus Peter Pans Herkunftsland „Neverland“ ab: Peter Pan konnte an diesem Ort ja niemals landen. Never land. Ohne Verortung kann die Figur also nicht existieren. Bruno ist völlig entsetzt angesichts dieser bitteren Erkenntnis. Dabei befanden sich die beiden gerade in einem fröhlich bekifften Zustand – bis dieser schmerzvolle Gedanke sich an ihnen festsog. Solch drängende Fragen können Bruno und Pablo am besten gemeinsam exerzieren. Die beiden sind aber nicht einfach nur gute Freunde.

Ihr Kennenlernen fand unter besonderen Vorzeichen statt: Bruno war in seinem Stolz verletzt, da er von seiner Freundin verlassen wurde. Plan A, Laura zurückzuerobern, scheitert. Die beiden schlafen zwar noch miteinander, Laura sei jedoch frisch verliebt und beharrt auf dem Ende der Beziehung. Also Plan B: Bruno pirscht sich an den Neuen von Laura heran, nachdem er in Erfahrung gebracht haben will, dass dieser auch mal was mit Männern hatte. Der Neue ist der zurückhaltende Pablo. Ihn ein bisschen verwirren, ein bisschen bloßstellen, vielleicht gar „abwerben“, ist der Plan. Was Bruno da auch genau vorhaben mag – der immer etwas überlegen wirkende, leicht machohafte Lockenkopf wird’s schon wissen.

Und so lauert er dem Konkurrenten auf, verstrickt ihn in ein Gespräch, wird bald vom netten Pablo zu sich nach Hause eingeladen – und trifft sich fortan regelmäßig mit ihm. Aber der sonst so toughe Bruno weiß schon bald nicht mehr so recht, was er will. Pablo entpuppt sich nämlich als wirklich sympathisch. Und dazu noch als liebenswert und anziehend. Aus Inszenierung wird Freundschaft. Und aus Freundschaft – vielleicht mehr. Was folgt, ist ein Verwirrspiel, das man absehen kann. Der Film spielt mit Gemeinplätzen: das inszenierte Spiel des eifersüchtigen Ex, das irgendwann aufzufliegen droht; der überzeugte Hetero mit Macho-Allüren, der schließlich selbst seine Gefühle für einen Mann entdeckt. Diesem Film nimmt man den Hang zum Klischeehaften aber gar nicht übel. Im Gegenteil: Hier funktioniert es ganz wunderbar.

Der Argentinier Marco Berger macht aus der Geschichte einen unaufgeregten, entspannten und warmherzigen Film, der von der Sympathie seiner Darsteller lebt. Ihnen hört man gerne zu wie sie sinnfreie (oder vielleicht auch ganz große) Überlegungen anstellen wie etwa zur kniffligen Frage, welches Spielzeug man gerne wäre, müsste man eines sein. Die beiden haben etwas jugendlich unschuldiges, sind witzig und locker. Auch Bruno ist nicht einfach der Macho. Die beiden Männer entwickeln eine besondere Beziehung zueinander, gehen feinfühlig miteinander um. Und wie sie Unterhose an Unterhose nach einer durchzechten Nacht nebeneinander liegen, der eine aus Gewohnheit ein Bein über den anderen schlägt, ist schön zu beobachten.

Plan B versprüht etwas Leichtes, ist aber nicht flach. Man hat das Gefühl, der Regisseur habe seinen Darstellern viel Freiraum beim Spielen gelassen. Dialoge und Szenen wirken wie aus einem Leben gegriffen, das auch vor der Kamera stattfinden kann. Der Film ist nicht perfekt inszeniert, gleitet aber nie ins Willkürliche ab und versucht nicht, eine bestimmte Szene oder Subkultur abzubilden, die nur von außen beäugt wird. Marco Berger, der für seinen neuen Film Ausente auf der Berlinale den Teddy-Award gewonnen hat, ist mit Plan B ein charmanter Film gelungen, der ein Gespür für das richtige Tempo hat. Man sieht den Männern bei ihren Treffen zu und spürt, wie zwischen Partys, intimen Gesprächen und Weinflaschen ihre Zuneigung zueinander wächst. Ein schöner Liebesfilm, der Gefühle glaubwürdig vermittelt.

Plan B

Argentinien 2009, 103 min.

Regie: Marco Berger; Darsteller: Manuel Vignau, Lucas Ferraro, Mercedes Quinteros

In Leipzig am 29. Juni 2011 in den Passage Kinos in der Reihe "Queeblick"


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