Stefanie Mehlhorn | Drucken21.02.2014 

Eine Busfahrt die ist fröhlich, eine Busfahrt die ist ... Stromberg!

Nach fünf erfolgreichen und mehrfach preisgekrönten TV-Staffeln bringt Christoph Maria Herbst nun auch die Kinozuschauer zum Fremdschämen

Lass das mal den Papa machen: Stromberg (Christoph Maria Herbst) geht im gleichnamigen Film mit der Capitol-Bande auf Betriebsausflug (Fotos: Praesens Film)

2004, vor nunmehr zehn Jahren also, startete die Erfolgsgeschichte von Bernd Stromberg und seinem Team aus der Capitol Versicherungs AG, Schadensregulierung M–Z. Dabei war Stromberg ein TV-Remake der britischen Serie The Office, welche aber schnell über die Original-Vorlage hinausging und den deutschen Büroalltag auf ganz besondere Art darstellte. Zu verdanken war das vor allem dem Produzenten und Autor Ralf Husmann. Stromberg ― Der Film steht nun unter dem Motto „Raus aus dem Büro und rein in den Bus“, denn für die gesamte Belegschaft der Schadensregulierung geht es auf einen Betriebsausflug.

Anfänglich verweigert sich der Chef Bernd Stromberg, den man seinen schlimmsten Kollegen nicht wünscht, den Ausflugsplänen und gedenkt die Einladung der Zentrale der Capitol Versicherung abzulehnen. Denn: „Firmenfeiern sind wie das letzte Abendmahl. Immer zu wenig Weiber, das Essen ist schlecht, und am Ende gibt's Ärger.“ Doch dann geht es für Stromberg und seine Mitarbeiter aus der Schadensregulierung auf den Weg in ein Landhotel, in das die gesamte Belegschaft zur 50-Jahre-Jubiläumsfeier geladen wurde. Wie auch in der TV-Serie mit dabei sind Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne I. Mädel), das längjährige Mobbingopfer der Abteilung, Lieblingskollegin Jennifer Schirrmann (Milena Dreißig) sowie das verheiratete Kollegenpaar Ulf und Tanja Steinke (Oliver K. Wnuk, Diana Staehly) samt Pflegesohn Marvin.

Ein beschaulicher Betriebsausflug, könnte man meinen, wenn Stromberg nicht erfahren hätte, dass die Schließung seiner Filiale bevorsteht. Mit einem Wechsel in die Zentrale glaubt er seinen Hals retten zu können ― und anbahnen lässt dich das alles hervorragend auf der Jubiläumsfeier, auf der alle Entscheidungsträger der Capitol versammelt sind. Doch ausgerechnet Ernie hat denselben Plan und liefert sich mit Stromberg ein Duell, in dem sich beide dem Vorstand von ihrer allerbesten Seite präsentieren. Während Ernie den Vorzeigeangestellten mimt, gibt sich Stromberg als fürsorglicher Vater der Abteilung, der von seinen Mitarbeitern geschätzt und geachtet wird. Dass genau das nicht der Fall ist, wird schnell klar ― doch „Büro ist Krieg, und den gewinnt man nicht bei der Heilsarmee“. Und Stromberg wäre nicht Stromberg, wenn er nicht trotzdem auf seine unvergleichliche Art punkten könnte. Doch irgendetwas ist faul im Staate Capitol, und Stromberg muss sich überlegen, ob er sich wie früher auch versucht durchzumogeln oder dieses Mal das Richtige tut.

Oliver Wnuk (Mitte) und Bjarne I. Mädel (rechts) geben wie auch in der TV-Serie zwei Klischee-Mitarbeiter

Mit viel Witz, Sarkasmus und einer gehörigen Portion Selbstironie steht Stromberg ― Der Film der gleichnamigen Serie in nichts nach. Satire at it's best. Mit bewährter Mockumentary-Manier wird dem Zuschauer das Gefühl vermittelt live dabei zu sein, wenn Bernd Stromberg wieder gewaltig austeilt. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf nichts und niemanden. Keine Randgruppe, kein Klischee ist vor ihm sicher. Ob es um Übergewichtige, Ausländer, Kinder oder Homosexuelle geht, vor den derben Sprüchen, meist einige Zentimeter unter der Gürtellinie, ist keiner gefeit. Diese Art von Humor muss man mögen, oder man lässt es. Sarkastisch, bissig und egozentrisch wie eh und je geht er auch in Stromberg ― Der Film wieder bis genau da hin, wo es weh tut ― und manchmal auch ein Stück weiter.

Wie die Serie entstand auch der Film nach einem Drehbuch von Stromberg-Mastermind und Produzent Ralf Husmann sowie unter der Regie von Arne Feldhusen. Ermöglicht wurde das Projekt erst durch die große Fangemeinde der Kultserie, die im Dezember 2011 per Crowdfunding innerhalb einer Woche ― drei Monate waren ursprünglich angedacht ― 1 Million Euro zur Mitfinanzierung des Films aufbrachte. Nach Angaben der Gesellschaft Brainpool, die mit dem Stromberg-Film zum ersten Mal ins Kinogeschäft einsteigt, liegt das Gesamtbudget des Films höher als der Betrag von 1 Million Euro. Die restlichen Mittel kamen aus Fernsehgeldern und aus dem DVD-Geschäft. Damit ist der Film im Vergleich zu anderen Produktionen immer noch eine Low-Budget-Veranstaltung ― ganz passend zur gewollt mittelmäßigen Hauptfigur: „Und wir wollen auch weiter so erbärmlich und armselig wie gewohnt bleiben.“

Was die Fans der beliebten Serie die letzten Monate immer wieder beschäftigte, war die Frage: Was kommt nach dem Film? Husmann äußerte sich 2011 bereits dazu und kündigte an, dass der Kinofilm der krönende Abschluss sei. Doch es kamen immer wieder Gerüchte auf. Nun bezog auch Christoph Maria Herbst Stellung und sprach in einem Interview über die letzten Drehtage des Films und wie es sich anfühlte sich endgültig von den Figuren Stromberg, Ernie und Co. zu verabschieden. Somit ist davon auszugehen, dass mit Stromberg ― Der Film nun ein würdiges Finale erreicht wurde.

Stromberg ― Der Film

Deutschland 2014, 100 Minuten

Regie: Arne Feldhusen; Darsteller: Christoph Marie Herbst, Diana Staehly, Oliver Wnuk, Bjarne I. Mädel, Milena Dreißig

Kinostart: 20. Februar 2014


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