Elisabeth Hauck | Drucken17.04.2014 

Agile Spinne ohne Biss

Die Frische vom ersten „The Amazing Spider-Man“-Film ist verpufft. Der zweite Teil ist unspektakuläres Blockbuster-Kino

Da runter: Ebenso wie sich Spider-Man (Andrew Garfield) langsam an seine Superheldenrolle gewöhnt, scheint bei den Machern von „The Amazing Spider-Man 2“ so etwas wie Routine eingetreten zu sein (Fotos: Sony Pictures Releasing)

Spider-Man gehört zu den beliebtesten Superhelden überhaupt. Der nerdige High-School-Schüler Peter Parker, der von einer genmodifizierten Spinne gebissen wird und so zum Superhelden wird, braucht sich in Sachen Gunst nicht hinter Batman oder Superman verstecken. Als die Figur 1962 das erste Mal auftauchte, brachte sie eine kleine Neuerung mit sich. Bis dahin waren die Helden meist gestandene Erwachsene. Mit Peter Parker stand nun aber ein High-School-Junge im Vordergrund, mit all den Problemen, die das Alter so mit sich bringt.

Die Macher von The Amazing Spider-Man haben sich wieder auf diesen Aspekt des Heldens besonnen und ihn besonders hervorgehoben. Im Vergleich zur Trilogie mit Tobey Maguire (2002 bis 2007) strahlte der Film mehr Frische aus und konnte mit einem äußerst sympathischen Andrew Garfield als Spider-Man punkten. Auch im zweiten Teil versucht Regisseur Marc Webb wieder diese Richtung einzuschlagen.

Die Liebesgeschichte zwischen Gwen Stacy (Emma Stone) und Peter Parker (Andrew Garfield) steht auch in Teil 2 im Mittelpunkt. Allein der Herzschmerzfaktor ist gering

Und so beginnt der Film auch mit der Verleihung des High-School-Diploms. Mehr oder minder natürlich. Denn Peter Parker (Andrew Garfield) ist spät dran, muss er doch mal wieder die Welt retten. Sein High-School-Sweetheart Gwen Stacey (Emma Stone) hält eine rührende Abschlussrede, wie man sie in unzähligen anderen Teenie-Filmen schon gehört hat. Auch im späteren Verlauf steht die Romanze zwischen Gwen und Peter im Mittelpunkt. Sie trennen sich, sie trennen sich nicht. Dieses Hin und Her dürfte Teenagern bestens vertraut sein. Aber es will einfach nicht genug Empathie für diese Liebe aufkommen, kein Herzschmerz stellt sich ein. Dies ist, ohne zu viel verraten zu wollen, für das Ende des Films doppelt fatal.

Andere zielgruppen-relevante Themen werden mit dieser Liebesgeschichte vermischt. Einerseits ist Peter Parker immer noch auf der Suche nach seiner Herkunft, folgt der Frage, wer seine Eltern wirklich waren und wer er selbst sein kann. Andererseits spielt Freundschaft und die Erfahrung, dass man sich trotz Zuneigung durchaus voneinander entfernen kann, eine Rolle. Dies spiegelt sich in Peters Beziehung zu Harry Osborn wider. Als dessen Vater stirbt und Harry erfährt, dass er dieselbe tödliche Krankheit in sich trägt, sucht er nach Heilung. In diesem Moment entfernen sich die einstigen Schulfreunde voneinander. Die Zerrissenheit von Harry, der auf seiner Suche von Zurückweisung, Angst und Größenwahn heimgesucht wird, wird von Daan DeHaan sehr überzeugend umgesetzt. So macht es einfach Spaß der Geburt des ultimativen Spider-Man-Schurken Green Goblin zuzusehen.

Jamie Foxx wurde als Bösewicht Electro glänzend besetzt

Freude fürs Auge wird dabei auch immer geboten. Endlich hüpft und schwingt sich der Spinnenmann so agil über die Dächer New Yorks, wie man es sich schon für die erste Trilogie gewünscht hätte. Die Computertechnik macht es möglich.

Also alles richtig gemacht? Leider nein. Denn so gut die Themen des Films auf die Zielgruppe abgestellt sind, wirken sie lieblos, nach Schablone eingesetzt. So entwickelt weder die Liebes- noch die Freundschaftsgeschichte oder die Identitätssuche die nötige Dringlichkeit, um mitzureißen. Auch die Verwandlung von Max Dillon (mit Jamie Foxx gut besetzt) in Electro (von einem einsamen Nerd zum Spider-Man hassenden Schurken) ist nach Schema F erzählt.

Klar, im Superheldenfilm geht es um den Kampf zwischen Held und Superschurke, große Abweichungen sind im Genre nicht wirklich vorgesehen. Doch die Macher hätten dieser Vorgabe mit mehr Enthusiasmus nachgehen können, andere Heldenfilme können das auch. Doch so rauscht selbst das Finale fast ohne Anteilnahme am Zuschauer vorbei.

Abgesehen von einigen wenigen guten Momenten, plätschert The Amazing Spider-Man 2 die meiste Zeit vor sich hin. Die Frische, die noch der erste Teil von 2012 versprühte, ist in Mittelmäßigkeit abgeglitten. So hält letztlich der gute Cast den Film über weite Strecken am Leben.

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro

USA 2014, 141 Minuten

Regie: Marc Webb; Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx, Dane DeHaan

Kinostart: 17. April 2014


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