Franziska Reif | Drucken23.12.2008 

Vampirismus mal anders

Reise in die Dunkelheit: Der Film "So finster die Nacht"

In einer echten Freundschaft sollten Kleinigkeiten ohne Bedeutung sein. Man muss den anderen eben nehmen, wie er ist. Deshalb stört sich Oskar nicht an den Angewohnheiten von Eli, die Außenstehende als seltsam empfinden dürften, und ebenfalls nicht an ihrer Erscheinung, die definitiv befremdlich wirkt.

Oskar ist zwölf und lebt mit seiner Mutter in einem eintönigen Stockholmer Vorort. Im tiefsten Winter wird diese Monotonie durch eine Reihe von Todesfällen erschüttert. Menschen verschwinden und werden anschließend als ausgeblutete Leichen aufgefunden. Eine Frau mit diffusem Krankheitsbild verwandelt sich im Krankenhaus, vor den Augen des Arztes, urplötzlich in eine Stichflamme. Doch diese Dinge stehen nicht wirklich im Zentrum von Oskars Interesse. In der Schule wird er von einer Gruppe Mitschüler gemobbt, ohne dass ihm einfiele, wie er sich wehren kann. Die Erlebnisse verarbeitet er, alleine mit seinem Messer, in Rachefantasien. Seine Einsamkeit beginnt sich erst dann langsam zu wandeln, als Eli, ein scheinbar gleichaltriges Mädchen, in die Nachbarschaft zieht. Sie gibt ihm Mut, die beiden mögen sich, hängen zusammen ab. Dass Eli ein Vampir ist, dämmert Oskar erst spät und dann spielt es auch keine Rolle.

Die Organisation des Alltags verläuft halt ein wenig anders als bei anderen, denn Eli geht nicht in die Schule, mit Oskar trifft sie sich nur abends und regelmäßig hungert sie nach Blut. Trotz dieser Morde, trotz spritzendem Blut und dem knackendem Geräusch von Genickbrüchen ist das Erzähltempo langsam genug, dass die Entwicklung der Bande zwischen Eli und Oskar im Vordergrund steht und nicht der Horror. Nebenbei werden wir angeregt, ernsthaft über das einsame Leben des Vampirs nachzudenken, der sich verstecken muss und ewig dazu verdammt ist, Menschen zu töten.

So finster die Nacht

S 2008 - 110 min

R: Tomas Alfredson
D: Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar, Henrik Dahl, Karin Bergquist, Ika Nord

Kinostart: 23. Dezember 2008

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