Elisabeth Hauck | Drucken16.03.2014 

Von wilden Partys und verpassten Chancen

Dieses Jahr kommen gleich zwei Biopics über den berühmten Modemacher Yves Saint Laurent in die Kinos. Den Anfang macht „Yves Saint Laurent“ von Jalil Lespert, der aber keinen bleibenden Eindruck hinterlässt

Jalil Lesperts Biopic über Yves Saint Laurent mit Pierry Niney (2. v. rechts) in der Hauptrolle liefert vor allem schöne Bilder (Fotos: Pathé Films AG)

Yves Saint Laurent war sicherlich einer der berühmtesten und einflussreichsten Modemacher seiner Zeit. Es ist also durchaus legitim, über sein Leben einen Film zu drehen. Die Kunst bei solchen Biopics ist aber immer auch, den Zuschauer für seinen Protagonisten zu begeistern und nicht nur eine bloße Bebilderung dessen Lebens abzuliefern.

Regisseur und Co-Autor Jalil Lespert versucht den Blick auf Yves Saint Laurents Leben begrenzt zu halten und konzentriert sich auf die Jahre 1955 bis 1976. Eine Zeit, in der der Designer vom kleinen Assistenten im Hause Dior zu einem der angesagtesten Modemacher avancierte. Begleitet wird diese Rückschau mit zum Teil sehr schwülstigen und vermeintlich intimen Off-Kommentaren von Yves Saint Laurents Lebensgefährten Pierre Bergé.

In groben Abrissen folgen wir seinen Lebensstationen: So sehen wir ihn das erste Mal 1955, wie er im Haus seiner Eltern in Algerien an Mode-Zeichnungen arbeitet. Kurz darauf ist er auch schon in Paris und Assistent des großen Designers Dior. Der plötzliche Tod Diors macht den erst 21-Jährigen schlagartig zum Creative Director des Modehauses, doch seine Kriegsdienstverweigerung ist so schlechte Presse, dass er alsbald entlassen wird. Dann wird auch noch eine manisch-depressive Störung bei ihm diagnostiziert.

An seiner Seite ist aber der Geschäftsmann Pierre Bergé, der zu seiner großen Liebe wird. Mit ihm gemeinsam kann er schon bald ein eigenes Modelabel aufbauen, mit dem er wieder große Erfolge in der Haute Couture feiert. Schnell lernen wir aber auch die Kehrseiten dieses überdrehten Lebens kennen. Eifersucht, Betrug und Drogenexzesse gehören dazu. Doch der Mensch Yves Saint Laurent bleibt einem seltsam fern. Jalil Lespert schafft es nicht uns seine Lebenskämpfe wirklich näher zu bringen.

Was Yves Saint Laurent für ein Mensch war, erfährt der Filmzuschauer nicht

Der Film lebt dann auch hauptsächlich von seiner Ausstattung und dem Zeitgeist der 50er bis 70er Jahre. Das ist durchaus schön anzusehen. Auch die Darbietungen der Schauspieler sind an vielen Stellen sehr gut. Die beiden Hauptdarsteller Pierre Niney (Yves Saint Laurent) und Guillaume Gallienne (Pierre Bergé) sind beide Ensemblemitglied an der renommierten Comédie-Française und verleihen ihren Figuren genügend Glaubwürdigkeit, sodass man ihnen zumindest die meiste Zeit bereitwillig folgt. Die Szenen selbst scheinen oft wie aneinander gereiht, sie entwickeln keinen Fluss. So wirkt es, als würde Lebensstation nach Lebensstation abgehakt werden. Im Verlauf des Films steigert sich dies noch, wenn der Modeschöpfer von einer Drogen-Party zur nächsten stolpert. Die Mischung von Liebesgeschichte und der Darstellung von Saint Laurents kreativem Schaffen geht damit nicht auf. Am Ende hat man an beiden Aspekten nur oberflächlich teilgenommen und keine tieferen Erkenntnisse über dieses durchaus spannende Leben gewonnen.

Die Inszenierung verspielt dann restlich das Plus, was durch Schauspieler und Ausstattung gewonnen worden ist. Es kommt das Gefühl auf, man habe solche Szenen schon tausendmal gesehen. Die wilden Partys der Hippie-Ära oder der erste Kuss zwischen Pierre und Yves am Seine-Ufer gehören sicherlich dazu. Der Regisseur verlässt sich hauptsächlich auf inszenatorische Klischees und erzeugt somit eher Langeweile beim Zuschauen.

Für jemanden, der keine Ahnung von Yves Saint Laurents Leben hat, mag der Film ein Zuwachs an Wissen bringen und eben eine Bebilderung seines Lebens leisten. Doch neben einigen guten Schauspielleistungen und einer schönen Ausstattung bleibt es dann leider auch dabei. Da kann man durchaus gespannt auf den zweiten Film über Saint Laurents Leben von Bertrand Bonello (Regisseur von u.a. Der Pornograph) schauen, der in Frankreich (und dann hoffentlich auch in Deutschland) im Oktober in die Kinos kommt.

Yves Saint Laurent

Frankreich 2014, 104 Minuten

Regie: Jalil Lespert

Darsteller: Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon, Laura Smet

Kinostart: 17. April 2014


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