Marika Herda, Sabrina Säuberlich | Drucken | Kommentar (1)20.12.2007 

Fachkraft für Gefühle oder Macho ist besser als Langweiler

Schülerkritiken zum Film "Ensemble, c'est tout" ("Zusammen ist man weniger allein")


Als ich am 27. November diesen Jahres gegen 18:00 die Schaubühne Lindenfels betrat, dachte ich noch: Ach herrje, was wird das doch für ein anstrengender Abend. 97 Minuten lang einen Film schauen, der da heißt Zusammen ist man weniger allein oder besser noch Ensemble, c'est tout und dazu noch in der Sprache der Liebe, auf Französisch! (Antonia Paul)

Einziger Anhaltspunkt ist glücklicherweise der deutsche Untertitel, der von uns, PISA lässt grüßen, schnelles Textverständnis erfordert. So kommt es schnell vor, dass einige - ich muss gestehen: auch ich - für einige Minuten eingeschlafen sind, was jedoch auch Vorteile brachte, da man nun wieder, mit frischem Wind in den Segeln, die Fahrt in den französischen Meeren aufnehmen konnte. (David Daßler)

In der ersten Szene ist ein totes, gezupftes Huhn zu sehen, dann sticht ein Koch in den rohen Braten hinein, sofort waren ganz viele Interjektionen wie "iih", "bäh", "ääh" zu hören - komisch, wie manche ihre Empfindungen äußern. Ich fand es total irre und wusste von dieser Szene an: Dieser Film wird Klasse! (Louise Preuß)

Man nehme ein paar talentfreie Schauspieler mittleren Alters und eine einfache Story ohne anspruchsvollen Inhalt und schon ist die Mischung für einen typischen französischen Film perfekt. Eine alleinstehende Frau lädt sich einen reichen Kerl in ihre beschauliche Wohnung ein, die eher an eine Abstellkammer erinnert. Von ihrem mageren Gehalt als Toiletteninstandhaltungskraft kann sie sich keinen größeren Wohnraum leisten. Als Camille (Audrey Tautou) krank wird, lässt sich Philibert nicht nehmen, sie bei sich zu beherbergen und gesund zu pflegen. Philibert (Laurent Stocker) wohnt mit seinem Kumpel Franck (Guillaume Canet) in der Wohnung desselben Hauses, in dem auch Camille ihre Kammer hat. Als diese wieder gesund ist, wartet der Zuschauer nur darauf, mit welchem der beiden Männer Camille als erstes in der Kiste landen wird. Um es nicht allzu spannend zu machen: Sie wird sich für Franck entscheiden. (Anja Tschentscher)

Franck ist ein Koch, ständig im Stress und definitiv ein Womanizer. (Sabrina Säuberlich)

Die zwischen der begabten Künstlerin und dem charmanten Koch entstehende Liaison verrät nicht die wahren Gefühle der beiden füreinander. Ist es nur ein erotisches Liebesabenteuer oder doch eine romantische Liebe? Lüsterne Aktzeichnungen, sinnliche Bettaktivitäten sowie verführerische Abendessen zeigen zwar das gegenseitige Interesse, aber durch eindeutig zweideutige Anspielungen verwirrt sich das Verhältnis, auch für den Zuschauer. (David Daßler)

Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Anna Gavalda erinnert nicht nur durch Audrey Tautou an Geschichten wie Die fabelhafte Welt der Amélie. Auch hier spielt Tautou eine dem Leben leicht entrückte Frau, die mit ihren großen Rehaugen (und einer schrecklichen Frisur) in die Kamera schaut. (Sandra Lehmann)

Schlussendlich entscheiden sich Camille und Franck, der mittlerweile Chef im eigenen Bistro ist, für eine gemeinsame Zukunft mit Kind und entlassen den Zuschauer mit einem Gefühl subtilen Glücks und einem Hauch von Melancholie in die eigene Welt der Träumerei. Berri versteht es, seine Zuschauer zu fesseln, an die Leinwand zu binden und sich nichts sehnlicher zu wünschen, als das alle dargestellten Figuren auf ihre Art und bestenfalls zusammen glücklich werden. Und er enttäuscht das Publikum in keinerlei Hinsicht. (Marika Herda)

Leider ist manchmal alles ein bisschen berechenbar, das Drehbuch wirkt überraschungsarm. Mir kommt es so vor, dass jeder Konflikt reibungslos ineinander greift. Alles zielt auf perfekte Harmonie. (Alexander Stein)

Der Film ist nichts Besonderes: Es geht um Liebe, Streit und Einsamkeit. Stoff, den man bei jedem zweiten Film auch findet. (?) Man kann ihn sich anschauen, wenn er im Fernsehen ausgestrahlt wird und selbst dann reicht es vollkommen, ihn einmal anzusehen. Es wird unter Garantie innerhalb der nächsten Monate schon wieder etwas Ähnliches im Kino laufen. (Christin Schneider)

Wer also unbedingt mal bei einem französischen Film einschlafen möchte statt bei einem deutschen ist hier genau richtig. (Anja Tschentscher)

Ensemble, c'est tout (Zusammen ist man weniger allein)

F/GB 2007

R: Claude Berri, D: Audrey Tautou, Guillaume Canet, Laurent Stocker, Françoise Bertin

27. November 2007

www.zusammen-ist-man-weniger-allein.de

Kommentare lesen und hinzufügen (1)

ein Gast schrieb am 24.10.2010 um 20:55 Uhr:

Wenn man Französisch versteht ist dieser Film ganz wunderbar. Denn dann versteht man die Wortwitze, die dem ganzen seine Würze geben. Situationskomik.

 
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