Steffen Lehmann | Drucken07.03.2003 

Meister der Politik und Nutznießer der Künste

Ausstellung: Richelieu (1585-1642). Kunst, Macht und Politik, Wallraff-Richartz-Museum, Köln

Frankreich am Vorabend der Regentschaft Ludwigs XIV. In den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges schmiedete Jean du Plessis, genannt Kardinal Richelieu (1585-1642), ein zentralistisches Frankreich. Besser, sein Frankreich. Aus kleinen Verhältnissen stammend, legt er eine aberwitzige weltliche und geistliche Karriere hin. Als Hauskaplan von Maria de Medici, der Königinmutter, kommt er an den Hof, wo er schon bald dem König seine Dienste anträgt Vom Rektor der Sorbonne über das Amt als Direktor der Académie française stieg er zum Ersten Minister des Königs auf und stellt selbigen in den Schatten. Als Sammler, Auftraggeber und Bauherr boten ihm die Künste ein ideales Betätigungsfeld, um sich der Nachwelt zu präsentieren. Die Kölner Ausstellung "Richelieu. Kunst, Macht und Politik" zeigt die Entwicklung der Kunst in Frankreich während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

In der Ausstellung ist die Galerie des Hommes illustres nachgestellt. Die Galerie versammelte Porträts berühmter Personen aus der französischen Geschichte, war perfekter Ausdruck der Machtverhältnisse im Staat. Abt Suger und Jeanne d'Arc, Kirche und Adel vereint. Und am Ende Richelieu und Ludwig XIII. Fünf erhaltene Bilder sind in der Kölner Ausstellung zu sehen. Den Auftrag für diese ?Straße der Besten? gab Richelieu in dem Moment, als er Spanien den Krieg erklärte (1635). Richelieus Porträt zeigt ihn in vollem, leuchtend roten Ornat stehend, selbstbewusst den Betrachter anschauend. Eine Pose, die bis dahin nur den weltlichen Potentaten vorbehalten war. Nicht die geistliche, sondern seine weltliche Macht war es, die der Kardinal damit verdeutlichen wollte. Wohlabgeschätzte Präsentation seiner Person, nicht überhöhte Eigendarstellung war das Gebot der Stunde.

Kunstwerke waren für Richelieu aber auch willkommenes Mittel der Diplomatie. Seit seiner Bischofsweihe mit den feinen Ziselierungen der Politik des Vatikans vertraut, lernte er auch das Mäzenatentum der Päpste und Kardinäle schätzen. Nach dem Motto, bist du mir Freund, dann schenke ich dir einen Poussin. Apropos Poussin. Die Bilderreihe mit den Triumphen von Bacchus, Pan, Neptun und Silen ist einer der Höhepunkte der Ausstellung. Richelieu ist hier nirgends direkt zu sehen, doch huldigen die Bilder seine Rolle als spiritus rector des französischen Staates. Die Bilder Poussins bersten nur so vor Vitalität, Erregung, Wollust und Farbenpracht. Parallel dazu werden Zeichnungen gezeigt, die schon ahnen lassen, was später auf großer Leinwand entstehen sollte. Mit akkuratem Pinselstrich werden hier die Figuren angeordnet.

Mit der königlichen Druckerei, der Imprimerie Royale, wurde der Kardinal zum Medienkanzler. Konnte er doch Künstler beauftragen, zeitgenössische Ereignisse in Form von Grafiken und Stichen zu kommentieren. Der Kupferstich als Mittel seine Macht zu visualisieren. Da erscheint das Bildnis des Kardinals auf Schildern, getragen vom König im Kampf gegen Rebellionen und königliche Widersacher. Besonders die Skizzen und Grafiken von Jacques Callot über die Belagerung der Île de France lassen das deutlich werden. Richelieu, mit spitzem Bart und breitkrempigen Hut, immer an der Seite des Königs, die Vorbereitungen zur Landung beobachtend. Später jedoch, auf dem großen Kupferstich, erscheint der König als Triumphator allein. Auch darin war Richelieu ein Meister, dem König seine Loyalität zu versichern. Und seine Absenz sollte nicht von Ewigkeit sein. Bei den Historienmalern des ausgehenden 19. Jahrhunderts erschien der Kardinal wieder an der Seite des Königs.

"Diese Gestalt scheint lebendig zu sein", schrieb der Historiker Jules Michelet. "Aber wahrhaftig, ist das ein Mann? Oder ein Geist? Ja, ein Verstand von festem Zugriff, bestimmt klar, soll ich sagen: leuchten? Oder von düsterem Glanz? Ein paar Schritte mehr, und wir stünden uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber." Aber allen Zweifeln zum Trotz. Am Ende bleibt aber nur ein Bild in Erinnerung. Eine gezackte Nase und ein spitzer Bart. Richelieu.

Ausstellung: Richelieu (1585-1642): Kunst, Macht und Politik

Wallraff-Richartz-Museum, Köln, bis 21. April

Katalog 34 Euro
Meister der Politik und Nutznießer der Künste

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