Christin Pomplitz | Drucken21.05.2014 

Darf da gelacht werden?

Kunst und Humor koalieren in der neuen Ausstellung der Halle 14

Fotos: Halle 14

Seit bereits zwölf Jahren bereichert das unabhängige Kunstzentrum Halle 14 das Geländer der alten Leipziger Baumwollspinnerei. Nicht erst seit gestern wissen Kunsterfahrene, dass es auf diesem Gelände, in dem die Vergangenheit in jeder Ecke zu spüren ist, an Kunst und Kultur viel zu erfahren und zu erleben gibt. Auf dem aber im Besonderen auch viel Raum für eigene Ideen zur Verfügung steht.

Nach Ausstellungen wie der vergangenen „To Have And Not Have“, die sich mit der Konsumgeilheit der Menschen befasste, folgt nun in der Halle 14 die am Samstag, den 3. Mai 2014 eröffnete Kunstausstellung „Does Humor Belong in Art?“. Mit sechs internationalen Künstlern, unter anderen aus Polen, Korea und Großbritannien, wird der Versuch gestartet, die oft überernst genommene Kunstszene mit Humor zu konfrontieren. Die Frage, ob es in der Kunst Platz für Humor gibt, und wie er umgesetzt werden kann, ist die Grundlage der künstlerischen Auseinandersetzung.

Die zu meist auf Videoinstallationen basierenden Objekte füllen gerade so die große Industriehalle des Kunstzentrums auf dem Gelände der alten Spinnerei in Leipzig Plagwitz. Fast ein wenig verloren wirkt die eher minimalistische Installation des Künstlers Tymek Borowsky aus Warschau. Seine Kombination aus dem Gemälde „How Art works“ und zwei Video- Schleifen nimmt nur wenige Quadratmeter Wandfläche ein. Im Vergleich zu der vier Wände einnehmenden, mehr-kanäligen, kritisch-ironisierenden Videovorführung des Mexikaners Yoshua Okón und dessen Bildreihe „Parking Lotus“, wirkt das Werk Borowskys ein wenig wie das Stiefkind der Ausstellung.

Die Werke „Octopus“ und „Parking Lotus“ von Okón wurden bislang noch nie in dieser Verbindung ausgestellt, passen aber in ihrer humoristisch-ironisierenden Betrachtung von Macht und Machtträgern hervorragend zusammen und damit zur Idee der Ausstellung.
Die Fotografien krampfhaft entspannt wirkender Polizeibeamte, die auf den Straßen Los Angeles‘ sitzen, zielen auf eine künstlerisch erwirkte Entkrampfung der festen hierarchisierten Machtsituationen in Amerika und anderswo ab und sehen dazu auch einfach amüsant aus.

Anstößiger und mit dem Namen „Piss Bar“ selbst für Kurator Frank Motz fast zu fragwürdig, ist der britische „Zwei-Mensch-Künstler“ Bob and Roberta Smith. In vermeintlich entspannter Bar-Atmosphäre kann bei frischem Urin aus der Flasche über die gesellschaftskritischen, textbasierten und vor britisch-trockenem Humor so strotzenden Kunstarbeiten philosophiert werden.

Rund um die zweimonatige Ausstellung fügt sich ein Rahmenprogramm aus drei Seminarsitzungen Lachyoga, bei dem die TeilnehmerInnen gelockert und geöffnet werden sollen für den darauf folgenden Rundgang durch die humorbasierte Ausstellung. Zusammen mit der Lachyogatrainerin Antje Hellriegel werden mit einer Kombination aus Klatsch-, Atem-, und Pantomimeübungen positive Energien freigesetzt, die dann die Kunstvermittlung und -betrachtung beschwingen wie erleichtern sollen. Zudem wird der Kulturwissenschaftler Rainer Stollmann einen Vortrag über die Kulturgeschichte des Lachens halten.

Wer zu den Wenigen gehört, die das Erlebnis der spürbaren Geschichte der industriellen Umwälzung vergangener Jahrhunderte in Verbindung mit Kunst noch nicht erfahren haben, sollte sich spätestens zum regelmäßig stattfindenden Spinnereirundgang auf Spurensuche nach Neuem und Altem begeben.

Does Humor Belong in Art?

Internationale Gruppenausstellung

Halle 14, Leipzig, 3. Mai bis 6. Juli 2014


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